55 und keine Chance auf Arbeit oder Pension

Eine der am stärksten von den Problemen auf dem Arbeitsmarkt betroffenen Gruppen sind Arbeitnehmer/-innen über 50. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle AK-Quartalsanalyse des oberösterreichischen Arbeitsmarktes (4/2009). Die AK fordert daher umfassende Maßnahmen für einen besseren Übergang vom Berufsleben in die Pension.

Im Dezember 2009 waren in Oberösterreich 7732 ältere Arbeitnehmer/-innen arbeitslos bzw. in AMS-Kursen. Das ist ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Tendenziell ist die Altersarbeitslosigkeit in Oberösterreich bei Männern stärker von der Konjunkturlage abhängig als bei Frauen. Da die Wirtschaftskrise im Jahr 2009 insbesondere männerdominierte Branchen erfasste, verstärkte sich dieser Trend noch zusätzlich.

Bei den Über-50-Jährigen, die Arbeit haben, zeigt sich ein verstärkter Trend zu prekären bzw. atypischen Beschäftigungsformen: Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Zahl der geringfügig Beschäftigten über 50 Jahre um knapp zwei Drittel erhöht, während insgesamt die Zahl der geringfügig Beschäftigten um etwa 45 Prozent gestiegen ist.

Verschärft wird die Problematik durch die Pensionsreformen der vergangenen Jahre. "Viele Menschen über 50 befinden sich im Spannungsfeld zwischen Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Pension", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Knapp 40 Prozent aller Bezieher/-innen einer Invaliditätspension kommen direkt aus der Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig beträgt die Zuerkennungsquote bei der Invaliditätspension nur etwas mehr als 40 Prozent.

Betriebliche Gesundheitsvorsorge

Die AK fordert daher ein umfassendes Gesamtpaket für ältere Arbeitnehmer/-innen. Oberstes Ziel muss es sein, dass Arbeitnehmer/-innen produktiv älter werden und gesund in Pension gehen können. "Dafür brauchen wir verstärkte betriebliche Investitionen in Gesundheitsvorsorge, eine allgemeine Verringerung von Stress bzw. Zeitdruck sowie laufende Investition in Weiterbildung und Qualifizierung", erklärt der AK-Präsident.

Wer zu gesund für die Pension, aber zu krank für die Arbeit ist, soll rasch zu einer Diagnose bezüglich Arbeitsunfähigkeit bzw. Berufsunfähigkeit kommen. Außerdem soll das anerkannte Modell der Altersteilzeit weiterentwickelt werden.

Viele ältere Menschen sind unmittelbar vor der Pension längere Zeit arbeitslos und haben nur mehr Anspruch auf Notstandshilfe. Diese Situation steigert nicht nur die Armutsgefährdung, sondern ist auch deprimierend und eine seelische Belastung. "Wir fordern daher einen Pensionsanspruch, wenn Arbeitslosigkeit länger als ein Jahr dauert", so Kalliauer. Voraussetzung ist, dass die betroffenen Personen die entsprechenden Versicherungsjahre (40 bei Frauen, 45 bei Männern) nachweisen können.

Der oö. Arbeitsmarkt im 4. Quartal 2009 (pdf/1401 kb)

Presseunterlage zum Download

55 und keine Chance auf Arbeit oder Pension (pdf/134 kb)

  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.