AK-Frauenmonitor 2010: Aufholbedarf weiterhin groß

Der aktuelle Frauenmonitor der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass sich die Krise erst mit Verzögerung auf die Frauen auswirkt: Weil Oberösterreichs Frauen zunehmend in prekären und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen zu finden sind, führt die steigende Arbeitslosigkeit oft unmittelbar in die Armut. Der Aufholbedarf gegenüber anderen Bundesländern bei Einkommen, Beschäftigung oder Bildung ist unverändert groß.

So ist Oberösterreich nach wie vor Schlusslicht, was Vollzeit-Arbeitsplätze für Frauen betrifft. Nur 53 Prozent der unselbständig erwerbstätigen Frauen haben einen Vollzeitjob. Auf dem vorletzten Platz findet sich unser Bundesland bei der Einkommensschere, die nur in Vorarlberg noch größer ist. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung verdienen oberösterreichische Frauen um 30 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Jobs. Und: Mehr als 40 Prozent der von Frauen geleisteten Überstunden bzw. Mehrarbeitsstunden bleiben unbezahlt!

Kinderbetreuung in OÖ

Auch bei der Kinderbetreuung gibt es noch viel zu tun. Mit einer Betreuungsquote von nur 6,7 Prozent bei Kindern unter drei Jahren nimmt Oberösterreich die vorletzte Position aller Bundesländer ein. In jeder dritten Gemeinde fehlt ein Angebot für Unter-Drei-jährige. Wenig überraschend daher, dass in Oberösterreich die meisten Frauen beim Kinderbetreuungsgeld die Langvariante wählen (OÖ: 83 Prozent, Wien: 65,1 Prozent). Und die Misere geht auch im Kindergarten weiter. Nur 6,6 Prozent der Kindergartenplätze sind, was Öffnungszeiten, Ferien-Schließzeiten und Mittagessen betrifft, mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar. Zum Vergleich: In Wien erfüllen 85,1 Prozent die Voraussetzungen.

Arbeitsmarkt

Im Jahresdurchschnitt 2009 ist die Zahl der Arbeit suchenden Frauen in Oberösterreich gegenüber dem Vorjahr um rund 21 Prozent gestiegen. „Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, bewirkt das immer den Rückzug von Frauen aus dem Arbeitsmarkt oder zumindest das Abdriften in prekäre Arbeit“, sagte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer heute bei der Präsentation des Frauenmonitor 2010: „Das hat schwerwiegende Folgen auf die Einkommenssituation und die soziale Absicherung von Frauen. Gegensteuern ist deshalb notwendig.“

Ein ganz wichtiger Punkt ist für die Arbeiterkammer unter anderem der Ausbau und die Weiterentwicklung sozialer Infrastruktur wie Kinderbetreuung, Pflege oder Schule. Denn zum einen sind diese Angebote für viele erst die Grundvoraussetzung für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit. Und zum anderen schaffen sie dauerhafte Arbeitsplätze. Dadurch wird die Konjunktur belebt, der private Konsum gestärkt und ein nachhaltiger Wachstumspfad beschritten.

AK-Frauenmonitor zum Download (pdf/871 kb)

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