Arbeitsklima Index Februar 2010
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Ohne Job und Zukunft: Arbeitslose sehen nur wenig Chancen
Wer in Österreich derzeit ohne Arbeit ist, glaubt kaum noch an eine Verbesserung seiner Lage. Arbeitslose haben immer öfter auch mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen.
Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist zuletzt stark gestiegen. 2009 waren im Jahresdurchschnitt rund 260.000 Menschen ohne Arbeit. Das waren um rund 50.000 Personen oder um 23 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
- Lebenszufriedenheit sinkt
- Das Geld wird knapp
- Mehr Arbeitslosengeld
- Weiterbildung: Arbeitsklima Index belegt Lücke
- Schwere Rückkehr
- AMS und AK helfen
Lebenszufriedenheit sinkt
Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur massive finanzielle Einbußen, viele Arbeitslose leiden auch unter dem Verlust von sozialen Kontakten und Ansehen. Rund zwei Drittel klagen darüber, dass Arbeitslosigkeit ihre Lebenszufriedenheit verringert. Fast genauso viele finden, dass ihr seelisches Wohlbefinden geschmälert wird.
Finanzielle Sorgen nehmen zu
Wer seinen Job verliert, hat Probleme damit, die monatlichen Fixkosten zu decken. Für 42 Prozent bedeuten schon laufende Kosten, etwa für Auto oder den öffentlichen Verkehr, Schwierigkeiten. Für 43 Prozent der Arbeitslosen reicht das Einkommen nach eigenen Angaben nicht zum Leben aus. Bei den Beschäftigten sind es hingegen nur sieben Prozent, die mit dem Geld nicht auskommen.
Männer leiden mehr
Für Arbeitnehmer bedeutet der Verlust des Arbeitsplatzes einen stärkeren Einschnitt als für Arbeitnehmerinnen: 72 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen geben an, ohne Job mit ihrem Leben unzufriedener zu sein. Beim psychischen Wohlbefinden sind es 69 zu 59 Prozent. Ebenfalls auffallend ist die Differenz zwischen Angestellten und Arbeiter/-innen. Angestellte leiden stärker unter Jobverlust.
Angst vor der Zukunft
Sechs von zehn Arbeitslosen geben an, sofort wieder arbeiten zu wollen, weitere 20 Prozent möchten später wieder ins Erwerbsleben einsteigen. Rund 75 Prozent sind allerdings der Meinung, dass das sehr schwierig sein wird. 56 Prozent befürchten zudem, dass die Arbeitslosigkeit negative Auswirkungen auf ihr weiteres Fortkommen im Beruf haben wird. Arbeitslose bewerten also ihre Chancen am Arbeitsmarkt überwiegend als schlecht. Zu recht, wie der Arbeitsklima Index zeigt: Vergleicht man die Indexwerte von Wiedereinsteiger/-innen mit jenen von kontinuierlich Beschäftigten, so liegt die Differenz bei Arbeiter/-innen bei neun Indexpunkten, bei Angestellten bei 13 Indexpunkten.
zum SeitenanfangDas Geld wird knapp: Ohne Arbeitsplatz muss eisern gespart werden
Vier von zehn Arbeitslosen klagen über Schwierigkeiten, die monatlichen Fixkosten zu decken. 43 Prozent geben an, ihr Einkommen reiche nicht aus.
Der Vergleich mit in Beschäftigten macht die wirtschaftlichen Probleme Arbeitsloser deutlich: Während sieben Prozent der Arbeitnehmer/-innen angeben, ihr Einkommen reiche nicht aus, sind es bei den Arbeitslosen mit 43 Prozent mehr als sechsmal so viele.
Urlaub wird gestrichen
Arbeitslose sind gezwungen, die Gürtel enger zu schnallen. Am verzichtbarsten erscheinen Urlaubsreisen, Hobbys, Bekleidung und Restaurantbesuche. 68 Prozent geben an, den Urlaub zu streichen, rund 50 Prozent verzichten auf neue Kleidung, Hobbys oder Gasthaus. Gespart wird auch bei Genussmitteln wie Zigaretten oder Alkohol sowie Geschenken für Familie und Freunde (jeweils 40 Prozent). Drei von zehn befragten Arbeitslosen müssen bei Mobilität und Lebensmitteln sparen.
Geldnöte werden größer
Mit Dauer der Arbeitslosigkeit wird die finanzielle Misere schlimmer. Ein Drittel der Arbeitslosen, die noch kein halbes Jahr ohne Job sind, hat mit finanzieller Notlage zu kämpfen. Bei jenen, die länger als ein halbes Jahr arbeitslos sind, klagt bereits die Hälfte, sie könne mit dem Einkommen nicht über die Runden kommen.

Mehr Arbeitslosengeld
Arbeitslose kommen mit ihrem Einkommen immer öfter nicht mehr aus. Der an sich hohe Wert ist durch die aktuelle Wirtschaftskrise noch gestiegen. Der Blick auf den Alltag von Arbeitslosen macht deutlich, warum die Finanzierung des täglichen Lebens so schwierig ist: Im Juli 2009 lag in Oberösterreich das durchschnittliche Arbeitslosengeld von Männern bei 894 Euro, das von Frauen bei 687 Euro – beide Beträge deutlich unter der Armutsschwelle von 912 Euro (bei zwölfmaliger Auszahlung pro Jahr). Österreich gehört in Europa zu jenen Staaten, die ihre Arbeitslosen finanziell am wenigsten unterstützen. Hierzulande beträgt die sogenannte Nettoersatzrate 55 Prozent der Bemessungsgrundlage, der Europadurchschnitt be läuft sich auf rund 70 Prozent.
Der Großteil der Arbeitslosen hat den Job ohne eigenes Dazutun verloren. Insolvenzen, wirtschaftliche Probleme und damit zusammenhängende organisatorische und technische Veränderungen haben tausende Menschen um ihren Arbeitsplatz gebracht. Ihnen muss geholfen werden. Einerseits müssen sie rasch wieder zu einem passenden Job kommen, andererseits während der Arbeitslosigkeit über ausreichendes Einkommen verfügen. Die AK hat zu diesem Zweck eine überparteiliche Initiative oberösterreichischer Parlamentsabgeordneter gestartet, die sich für eine Änderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes einsetzen. Arbeitslose sollen demnach in Zukunft 75 Prozent der Bemessungsgrundlage erhalten. Österreich würde damit endlich zum Durchschnitt Europas aufschließen.
zum SeitenanfangWeiterbildung: Arbeitsklima Index belegt Lücke
Zwei Drittel der befragten Arbeitslosen sprechen sich für finanzierte Weiterbildung aus. Arbeitslose Angestellte nutzen Weiterbildungsangebote öfter als Arbeiter/-innen.
Arbeitnehmer/-innen ohne aktuelle Beschäftigung sind sich der Bedeutung beruflicher Weiterbildung durchaus bewusst. 45 Prozent der derzeit Arbeitslosen besuchten oder besuchen aktuell Kurse zur Weiterbildung. 15 Prozent haben derzeit noch keine passende Weiterbildung gefunden, möchten gerne aber die Zeit der Arbeitslosigkeit für berufliche Fortbildung nutzen. Weitere 13 Prozent lehnten das Angebot eines Kursbesuchs ab und die übrigen 17 Prozent besuchten noch keinen Kurs und möchten auch in Zukunft keine Weiterbildung in Anspruch nehmen.
Ungleiche Chancen
Angestellte liegen bei der Weiterbildung während der Arbeitslosigkeit deutlich vor den Arbeiterinnen und Arbeitern. 55 Prozent der arbeitslosen Angestellten nutzen sie, bei den Arbeiterinnen und Arbeitern sind es nur 35 Prozent. Arbeitslose mit höherer Bildung sind generell öfter in Weiterbildungsmaßnahmen als Arbeitslose mit nur Pflichtschulausbildung. Das Ungleichgewicht, das bei Beschäftigten besteht, setzt sich auch in der Arbeitslosigkeit fort. Der Zugang zur Weiterbildung ist jener Gruppe offenbar versperrt, die sie am nötigsten brauchen würde.
Auf neuen Job wechseln
Eine finanzierte Umschulung ist für die Mehrheit der befragten Arbeitslosen durchaus vorstellbar. Rund vier von zehn Arbeitslosen sind bereit, die Zeit ohne Beschäftigung für eine finanzierte Umschulung zu nutzen, wenn sie damit ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern können. Für 16 Prozent stellt eine Umschulung sogar eine absolute Notwendigkeit dar, da sie ihren ursprünglichen Job aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Schließlich bezeichnen zwölf Prozent eine Umschulung zwar als unliebsam aber notwendig. Rund ein Viertel der befragten Arbeitslosen lehnt eine Umschulung ab, wobei diese für Arbeiterinnen und Arbeiter weniger oft passend erscheint als für Angestellte (30 Prozent gegenüber 18 Prozent).
zum SeitenanfangSchwere Rückkehr
Der Blick auf jene, die nach Arbeitslosigkeit wieder den Sprung zurück ins Arbeitsleben geschafft haben, bietet ein alarmierendes Bild. Die Wiedereinsteiger/-innen haben eine signifikant niedrigere Arbeitszufriedenheit als die übrigen Beschäftigten: Bei Arbeiter/-innen sind es 96 gegenüber 105 Indexpunkten, bei den Angestellten 102 zu 113 Punkten. Wer arbeitslos war, hat zudem viermal öfter nur einen befristeten Arbeitsplatz als jene, die nicht arbeitslos waren.
Dass Arbeitslose weniger mit ihrem Leben zufrieden sind, die Zukunft deutlich pessimistischer sehen und oft Probleme haben, ihr Leben zu finanzieren, kommt nicht überraschend. Das Ergebnis widerspricht auf jedem Fall dem Bild vom "Arbeitslosen in dersozialen Hängematte", auf dass ich einige Politiker/-innen und Wirtschaftsvertreter berufen, wenn es darum geht, Zumutbarkeitsbestimmungen zu verschärfen.
zum SeitenanfangAMS und AK helfen: Frauen wünschen sich bessere Information
Wer den Sprung ins Berufsleben rasch wieder schaffen will, braucht vor allem Information und Beratung. Zu viele fühlen sich aber schlecht informiert.
Arbeitslose Frauen haben offenbar einen größeren Informationsbedarf als arbeitslose Männer. 45 Prozent der Frauen, aber nur 23 Prozent der Männer fühlen sich nicht ausreichend oder sogar schlecht über ihre Rechte und Pflichten sowie über finanzielle Ansprüche in der Arbeitslosigkeit informiert. Auch zwischen den Altersgruppen werden hier Unterschiede sichtbar: Jüngere Arbeitnehmer/-innen wünschen sich mehr und bessere Information als ihre älteren Schicksalsgenossinnen und -genossen. Für rund sieben von zehn Arbeitslosen ist das Arbeitsmarktservice (AMS) erste Anlaufstelle für Information und Beratung, 44 Prozent wenden sich an die Arbeiterkammer.
Infos aus dem Bekanntenkreis
Nicht zu unterschätzen ist die Rolle von Freunden, Verwandten und Bekannten in dieser Frage: Jede(r) fünfte Arbeitslose (21 Prozent) vertraut auf Informationen von dieser Seite.
Der direkte Zusammenhang "Arbeitslosigkeit führt zu schlechteren Jobs" lässt sich allerdings mit den Daten des Arbeitsklima Index nicht herstellen. Viel mehr dürfte es sich dabei um eine Wechselwirkung zwischen weniger guten Arbeitsplätzen und Arbeitslosigkeit handeln. Wer nie zur "Stammbelegschaft" gehört, ist öfter von Arbeitslosigkeit betroffen und umgekehrt. Ein Teufelskreis, aus dem schwer auszubrechen ist.
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Kontakt
AK Kommunikation
Tel.: 0732/6906-2182
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