Arbeitsklima Index März 2012
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Hohe Unfallgefahr, viele Überstunden, Nachtfahrten und Arbeit auf Abruf – Berufskraftfahrer/-innen nennen im Arbeitsklima Index eine Fülle von Belastungen.
- Belastende Arbeitsbedingungen
- Beschäftigte arbeiten oft lange
- Arbeitszeit verkürzen
- Arbeiten bis 60/65: Bessere Arbeitsbedingungen sind notwendig
- Frauenberufe: Flexible Arbeitszeiten - Niedriges Lohnniveau
- Problematische Dienstleistungsberufe
Belastende Arbeitsbedingungen
Der Zeitdruck ist ein großes Problem für Beschäftigte, die berufl ich mit einem Kraftfahrzeug unterwegs sind. 41 Prozent der Befragten sagen, dass sie unter Zeitdruck leiden (37 Prozent in den übrigen Berufen). 31 Prozent sehen sich während ihrer Arbeit Unfall- und Verletzungsgefahr ausgesetzt (übrige Berufe 15 Prozent). 19 Prozent der Befragten beklagen schlechte Gesundheitsbedingungen (15 Prozent in übrigen Berufen).
Lange Arbeitszeiten
Berufskraftfahrer/-innen sind oft lange unterwegs. 32 Prozent sagen, dass sie häufig Überstunden machen müssen, 44 Prozent gelegentlich. In den anderen Berufen machen 20 Prozent der Beschäftigten häufig Überstunden und 42 Prozent gelegentlich. Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt für Vollzeitbeschäftigte dieser Berufsgruppe 44 Stunden pro Woche. Besonders problematisch sind lange Arbeitszeiten für Berufskraftfahrer/-innen im Hinblick auf die Verkehrssicherheit. Denn hier wird es gefährlich: Lange Lenkzeiten erhöhen die Unfallwahrscheinlichkeit.

Unregelmäßiges Arbeiten auf Abruf
Schichtarbeit ist für 28 Prozent und Arbeiten auf Abruf für 11 Prozent der Berufskraftfahrer/-innen Realität. In den anderen Berufen sind es 16 bzw. fünf Prozent. Dazu kommt ein hoher Anteil von Nacht- und Wochenendarbeit: 21 Prozent müssen häufig zwischen 22 und sechs Uhr fahren, am Samstag arbeiten regelmäßig 28 Prozent, am Sonntag 19 Prozent. Besser haben es Beschäftigte in den übrigen Berufen: Nur neun Prozent arbeiten in der Nacht, 19 Prozent am Samstag und 11 Prozent am Sonntag.
Niedrige Arbeitszufriedenheit
Berufskraftfahrer/-innen liegen im Arbeitsklima Index neun Punkte unter den übrigen Berufsgruppen (98 gegenüber 107). Der Teilindex "Gesellschaft" (Optimismus für Gesellschaft und gesellschaftlicher Status) ist bei Berufskraftfahrern/-innen um sechs Punkte niedriger als bei Beschäftigten in den übrigen Berufen. Der Teilindex "Erwartungen" (Karriere, Chancen am Ar-beitsmarkt) ist acht Punkte niedriger. 88 Prozent der Beschäftigten in der Kraftfahrbranche sind Männer (sonstige Berufe: 54 Prozent). 86 Prozent haben maximal einen Lehrabschluss, das sind um 32 Prozentpunkte mehr als in den restlichen Branchen. Berufskraftfahrer/-innen sind älter als sonstige Beschäftigte: mehr als ein Drittel ist über 45 Jahre alt, in den restlichen Branchen sind es 27 Prozent.
zum SeitenanfangBeschäftigte arbeiten oft lange
Fast ein Drittel der Arbeitnehmer/-innen leistet mehr Arbeitsstunden als vertraglich vereinbart. Viele wünschen sich eine Verkürzung der Arbeitszeit.
Eine Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index zeigt, dass ein beträchtlicher Teil der österreichischen Arbeitnehmer/-innen mehr als 40 Stunden in der Woche arbeitet. 14 Prozent der Beschäftigten leisten zwischen 40 und 45 Wochenstunden, 10 Prozent mehr als 45 Stunden. 48 Prozent arbeiten zwischen 35,1 bis 40 Stunden pro Woche.
Mehr Arbeit als vertraglich vereinbart
Fast ein Drittel der Arbeitnehmer/-innen arbeitet mehr Stunden als vertraglich vereinbart. Dieser Wert lag 2006 sogar bei 45 Prozent und ging während der Finanz- und Wirtschaftskrise bis auf 30 Prozent im Jahr 2009 zurück. 2011 stieg der Anteil jener Beschäftigten, die länger als vertraglich vereinbart arbeiten müssen, auf aktuell 32 Prozent an. Alles in allem sind 75 Prozent mit ihrem Stundenausmaß zufrieden.
Zehn Prozent wünschen sich weniger Stunden, 15 Prozent mehr. Aber: Nur 48 Prozent der Beschäftigten, die regelmäßig mehr Stunden leisten müssen, sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. 18 Prozent wünschen sich, dass weniger Arbeitsstunden vertraglich vereinbart werden, 35 Prozent wollen eine Aufstockung der vertraglichen Arbeitszeit auf ihre tatsächlich geleistete.
Arbeitszeit nach Berufen
Ärzte/-innen, Heeres- und Polizeibedienstete, Geschäfts führer/-innen und Bauarbeiter arbeiten im Durchschnitt mehr als 40 Wochenstunden. Weil der Anteil der Beschäftigten in Teilzeit hoch ist, arbeiten Reinigungskräfte, Büroangestellte, Handelsangestellte, Kinderbetreuer/-innen sowie Beschäftigte in Alten- und Behindertenpflege durchschnittlich weniger als 35 Stunden pro Woche.

Arbeitszeit verkürzen
Erst vor kurzem forderte die Wirtschaftskammer eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit für bestimmte Branchen. Eine Verlängerung der Wochen- und der Lebensarbeitszeit führt nur zu noch mehr Arbeitslosigkeit und gesundheitlicher Belastung der Beschäftigten. Und wie die Unternehmen teure Überstundenzuschläge vermeiden können, ist offensichtlich: durch die Einstellung zusätzlichen Personals. Vollzeitbeschäftigte arbeiten im Schnitt der Euroländer 39 Stunden pro Woche. In Österreich dauert eine Vollzeitwoche laut Arbeitsklima Index 41,9 Stunden im Schnitt. Das bedeutet eine Menge Überstunden - oft aufgrund verfehlter Personalpolitik und schlechter Arbeitsorganisation. Das geht auf Kosten der Beschäftigten und der ganzen Gesellschaft. Denn: Überlange Arbeitszeiten und schlechte Arbeitsbedingungen machen krank und kosten Arbeitsplätze. Wir brauchen kürzere statt längere Arbeitszeiten. Das schafft Jobs und erhöht die Lebensqualität.
zum SeitenanfangArbeiten bis 60/65: Bessere Arbeitsbedingungen sind notwendig
Immer weniger Beschäftigte können sich vorstellen, bis zum gesetzlichen Pensionsalter (60 Jahre für Frauen, 65 für Männer) in ihrem Beruf durchzuhalten.Eine Forderung wird von Wirtschaftsvertreter/-innen, "Experten/-innen" und Medien wieder und wieder erhoben: länger arbeiten. Am besten bis 70 Jahre. Die Realität in der Arbeitswelt sieht so aus: Schon 48 Prozent der Beschäftigten erachten es als unwahrscheinlich, dass sie bis 60/65 durchhalten können.
Über 46-Jährige pessimistischer
Ältere Arbeitnehmer/-innen ab 46 Jahren sind pessimistischer als jüngere. Wir haben uns die Gruppe jener älteren Beschäftigten angesehen, die mehr Stunden in einer durchschnittlichen Woche arbeitet als vertraglich vereinbart. Das Ergebnis: 55 Prozent halten es für unwahrscheinlich, bis 60/65 durchzuhalten. 2009 waren es 47 Prozent. Aber auch auf jüngere Beschäftigte wirkt sich Mehrarbeit negativ aus: Die Hälfte der unter 25-Jährigen, die mehr Stunden als vertraglich vereinbart arbeiten, glaubt nicht, dass sie dieses Pensum bis 60/65 durchhalten wird können. Zum Vergleich: Unter jenen, die keine Überstunden machen müssen, sind es um zehn Prozentpunkte weniger.
Arbeitsbedingungen als Schlüsselfaktor
Die Hauptgründe, warum viele nicht glauben, bis 60/65 im Job durchzuhalten, sind: hoher Zeitdruck, psychisch belastende Arbeit, schlechte Gesundheitsbedingungen sowie Unfall- und Verletzungsgefahr. 74 Prozent der Beschäftigten, die einer hohen Unfall- und Verletzungsgefahr ausgesetzt sind, halten es für unwahrscheinlich, das gesetzliche Pensionsalter in ihrem Beruf zu erreichen. Ähnliches gilt für die Faktoren "schlechte Gesund-heitsbedingungen" und "hoher Zeitdruck": 70 bzw. 62 Prozent der davon Belasteten sehen die Pension erst mit 60/65 als kaum möglich. Beschäftigte in folgenden Berufen sind besonders pessimistisch: Bauarbeiter (73 Prozent glauben nicht durchzuhalten), Pflegeberufe (73 Prozent), Kellner/-innen im Gastgewerbe (69 Prozent) und Reinigungskräfte (64 Prozent).
zum SeitenanfangFrauenberufe: Flexible Arbeitszeiten - Niedriges Lohnniveau
Bestimmte Dienstleistungsberufe sind zu drei Viertel weiblich dominiert. Zum niedrigen Lohn kommen unregelmäßige Arbeitszeiten und kaum Aufstiegschancen.
Friseurin und Kosmetikerin zählen seit vielen Jahren zu den beliebtesten Lehrberufen für Mädchen. Fitness-Trainer/-innen, Masseure/-innen und Ernährungsberater/-innen steigen meist über den zweiten Bildungsweg oder aufgrund einer Umschulung in den Beruf ein. Das Lohnniveau ist in diesen Berufen – ebenso wie in Tourismus und Gastronomie – niedrig. 71 Prozent der Beschäftigten haben eine Lehre oder nur Pflichtschulabschluss.
Löhne unter 1000 Euro
Das Medianeinkommen liegt für Beschäftigte in traditionell von Frauen ausgeübten Berufen wie z.B. Friseur/-in, Kosmetiker/-in oder Kellner/-in bei 975 Euro netto monatlich. Ein Hauptgrund ist der hohe Anteil von 32 Prozent an Teilzeitbeschäftigten – in den übrigen Branchen sind es nur 22 Prozent. Betrachtet man nur die Vollzeitbeschäftigten in der Branche, so liegt ihr Medianeinkommen bei 1125 Euro netto monatlich. Das sind immer noch rund 300 Euro weniger als der Median der Vollzeitbeschäftigten in übrigen Branchen. Zu der geringen Bezahlung kommen unregelmäßige Arbeitszeiten. 27 Prozent arbeiten unregelmäßig, 11 Prozent arbeiten nur auf Abruf. Nur 17 Prozent der Beschäftigten in Dienstleistungsberufen geben an, einen Betriebsrat im Betrieb zu haben (54 Prozent in den übrigen Berufen).
zum SeitenanfangProblematische Dienstleistungsberufe
Wenn vom Wandel in der Berufswelt die Rede ist, dann wird oft gesagt, gewisse Dienstleistungsberufe seien die Zukunft. Das Problem ist, dass Berufe wie Kellner/-in, Friseur/-in oder Kosmetiker/-in ein eher geringes Einkommen bringen. Auch Karrierechancen sind selten vorhanden. Für bestimmte Dienstleistungsjobs scheint dieses Muster zu gelten: hoher Frauenanteil, viele arbeiten Teilzeit, niedriges Einkommen, unregelmäßige Arbeitszeiten.
Schlechte Aussichten
Leider ist auch die Perspektive hinsichtlich der Verweildauer im Beruf düster. Dessen sind sich die Beschäftigten durchaus bewusst: 45 Prozent der Friseure/-innen und Kosmetiker/-innen glauben nicht bis 60 bzw. 65 in ihrem Beruf arbeiten zu können. Bei Beschäftigten im Gastgewerbe sind es erschreckende 69 Prozent, die nicht damit rechnen bis zum gesetzlichen Pensionsalter ihren Job machen zu können. Bei Beschäftigten in Pflegeberufen sind es noch mehr, nämlich 73 Prozent. Ohne deutlich bessere Arbeitsbedingungen werden immer mehr Menschen aus der Berufstätigkeit fallen. Den Weg in die Pension unter 60/65 will man ihnen auch verstellen. Ein Teufelskreis, aus dem dringend ein Ausweg gefunden werden muss.

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