Arbeitsklima Index Mai 2010
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Unterschiede werden größer: Handel am stärksten betroffen
Nach den Beschäftigten in Industrie und Gewerbe erreicht die Krise jetzt die im Handel. Bei einigen Gruppen im öffentlichen Dienst ist die Arbeitszufriedenheit hingegen gestiegen.
- Steter Trend nach unten
- Sichere Jobs
- Lehre wenig attraktiv - Führungsstil wird zunehmend als Belastung empfunden
- Krise der Teilzeit - Teilzeitbeschäftigte sind unzufriedener
- Migranten auch in zweiter Generation benachteiligt
Der Arbeitsklima Index liegt im Frühjahr 2010 bei 110 Punkten. Er liegt damit um zwei Indexpunkte unter dem Wert vom Herbst 2007. Am stärksten ist die Arbeitszufriedenheit zuletzt in Handel, Industrie und Gewerbe zurückgegangen, während sich der Indexwert in den meisten anderen Branchen stabilisierte.
zum SeitenanfangSteter Trend nach unten
Die Krise hat in Industrie und Gewerbe deutliche Spuren hinterlassen. Lag der Arbeitsklima Index im Herbst 2007 dort noch bei 113 Indexpunkten, so fiel er bis zum Herbst 2009 auf 108 und liegt derzeit bei 106 – ein Rückgang um sieben Indexpunkte! Mit Verzögerung hat auch der Arbeitsklima Index im Handel eine ähnliche Entwicklung genommen – nach 111 Indexpunkten ist der Wert auf derzeit 105 gefallen.
Beamte sind zufrieden
Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich bei den Beschäftigten im Bereich Verwaltung: Nach 113 Indexpunkten im Herbst 2007 fiel der Wert im Herbst 2008 auf 110. Er stabilisierte sich jedoch und ist im Frühjahr 2010 auf erstaunliche 117 Indexpunkte gestiegen.
Vor allem die Beschäftigten im Handel sind mit ihrer unmittelbaren Tätigkeit unzufriedener. Vor der Krise gaben mit 88 Prozent beinahe neun von zehn Arbeitnehmer/-innen an, damit zufrieden zu sein, derzeit sind es nur mehr sieben von zehn (73 Prozent). Die Unzufriedenheit zieht sich durch die gesamte Branche, die Größe des Betriebes oder das Geschlecht der Beschäftigten hat keinen Einfluss darauf. Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitslosen in dieser Branche gestiegen. Der verschärfte Wettbewerb im Handel verschlechtert offenbar die Situation der Beschäftigten.

Wenig Vertrauen in Zukunft
Die massivsten Veränderungen zeigen sich in der Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs. Vom Herbst 2007 bis zum Herbst 2009 fiel die Zahl der Optimistinnen und Optimisten von 84 auf 61 Prozent. Zwar ist diese Zahl zuletzt wieder auf 67 Prozent gestiegen, die Verluste der vorangegangenen Messungen sind damit aber noch nicht wieder gutgemacht.
zum SeitenanfangSichere Jobs
Arbeiter/-innen und Angestellte in Industrie und Gewerbe sowie dem Handel leiden offensichtlich stärker unter den Folgen der Wirtschaftskrise als öffentliche Bedienstete in der Verwaltung. Bei letzteren ist die Arbeitszufriedenheit zuletzt sogar gestiegen, während sie in Industrie/Gewerbe sowie Handel sinkt oder zumindest stagniert. Die Kluft zwischenden Gruppen wird größer. Warum ist das so?
In der Verwaltung Beschäftigte müssen sich im Allgemeinen weniger Sorgen um die Sicherheit ihrer Jobs machen – ungeachtet zahlreich angekündigter Verwaltungsreformen. Mit 96 Prozent sind fast alle Beschäftigten überzeugt, ihr Arbeitsplatz sei sicher, um fünf Prozentpunkte mehr als im vergangenen Herbst.
Auch die Belastungen aufgrund Zeitdrucks sind in der Verwaltung zuletzt wieder geringer geworden. Hatte im Herbst 2009 mit 26 Prozent noch jede(r) vierte Beschäftigte darüber geklagt, so sind es aktuell 18 Prozent. Auch die psychischen Belastungen sind gesunken – nach 17 Prozent im Herbst klagen darüber jetzt nur mehr sieben Prozent.
In der öffentlichen Verwaltung Beschäftigte sind auch wieder deutlich optimistischer, wenn die Frage nach den persönlichen Jobchancen gestellt wird. Aktuellgeben 45 Prozent an, sie würden im Fall des Falles leicht wieder einen passenden Arbeitsplatz finden. Im vergangenen Herbst waren 29 Prozent dieser Meinung gewesen.
Schließlich ist in diesem Sektor zuletzt auch die Zufriedenheit mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten wieder gestiegen (von 61 auf 65 Prozent), während sie in Industrie und Gewerbe von 71 auf 58 Prozent gefallen ist.
Lehre wenig attraktiv - Führungsstil wird zunehmend als Belastung empfunden
Der Rückgang der Arbeitszufriedenheit hat auch vor Berufseinsteigern nicht Halt gemacht. Vor allem Lehrlinge sind mit Entgelt und Führungsstil unzufrieden.
Für die aktuelle Auswertung wurden Lehrlinge und andere Berufsanfänger/-innen verglichen, die vor maximal vier Jahren in ihren aktuellen Job eingestiegen sind. Als Vergleichszeitpunkte wurden Erhebungen der Jahre 2006/2007 sowie 2008/ 2010 gewählt.
Viele kommen mit Geld nicht aus
Die Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit ist bei Berufseinsteiger/-innen sowie Lehrlingen seit 2006/2007 gesunken. Beide Gruppen folgen hier den allgemeinen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Auffallend ist jedoch, dass Lehrlinge in den vergangenen zwei Jahren immer öfter mit ihrem Einkommen nicht auskommen. 2006/ 2007 gaben 58 Prozent an, damit zumindest zufrieden zu sein, dieser Wert ist auf 48 Prozent gesunken. Bei den übrigen Berufseinsteigerinnen und -einsteigern ist der Wert bei 53 Prozent konstant geblieben.
Kritik am Führungsstil
Lehrlinge stellten Vorgesetzten und Ausbildnern bisher immer ein sehr gutes Führungszeugnis aus. Vor der Krise etwa waren 80 Prozent damit zufrieden, seither ist der Wert auf 74 Prozent gesunken. Bei den übrigen Berufseinsteigern stieg der Wert von 70 auf 73 Prozent. Die Belastung durch technische und organisatorische Änderungen hat bei Lehrlingen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – von zehn Prozent in den Jahren 2006/07 auf aktuell 14 Prozent. Bei den übrigen Berufseinsteigern ist der entsprechende Wert mit acht Prozent gleich geblieben.
zum SeitenanfangKrise der Teilzeit - Teilzeitbeschäftigte sind unzufriedener
Teilzeitarbeit boomt, macht aber nicht glücklicher. Frauen in Teilzeit sind weniger mit ihrem Job zufrieden als vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen.
Der Trend von Vollzeit- zu Teilzeitarbeitsplätzen hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt: laut Daten der Statistik Austria sind 2009 rund 60.000 Vollzeitarbeitsplätze gestrichen worden, gleichzeitig hat die Zahl der Teilzeitstellen um 48.000 zugenommen. Teilzeit ist nach wie vor weiblich, mehr als 43 Prozent der Frauen sind davon betroffen. Bei den Männern sind es "nur" rund sieben Prozent.
Trendwende vor drei Jahren
Seit Beginn der Arbeitsklima Index Messungen im Jahr 1997 hatten die Ergebnisse Teilzeitbeschäftigten stets eine höhere Arbeitszufriedenheit bescheinigt als Vollzeitbeschäftigten. Das war umso erstaunlicher, da den Betroffenen die negativen Folgen von Teilzeitarbeit durchaus bewusst waren. Das kehrte sich allerdings im Jahr 2007 um. Der Arbeitsklima Index für teilzeitbeschäftigte Frauen ist seither nicht mehr höher als der der vollzeitbeschäftigten. Daran hat auch die Krise nichts geändert: Frauen in Vollzeit haben einen um zwei Indexpunkte höheren Arbeitsklima Index als Teilzeitkräfte.
Wenig Chancen auf neuen Job
Eine Ursache dafür liegt in der Einschätzung der eigenen Jobchancen. Vollzeit- und teilzeitbeschäftigte Frauen unterschieden sich im Herbst 2007 lediglich um drei Prozentpunkte bei der Beurteilung der Chancen einen neuen adäquaten Arbeitsplatz zu finden. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat sich die Schere auf zehn Prozentpunkte vergrößert. Aktuell beurteilen vier von zehn teilzeitbeschäftigten Frauen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut, hingegen berichten fünf von zehn vollzeitbeschäftigten Frauen im Falle eines Jobverlusts "sehr leicht" oder "eherleicht" wieder eine Stelle zu finden.
Pension wird nicht reichen
Teilzeitbeschäftigte Frauen befürchten, dass die staatliche Pensionsvorsorge nicht reichen wird: Aktuell sind 26 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen der Meinung, ihre Pension werde im Alter nicht reichen. Bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer/-innen fürchten hingegen nur 13 Prozent, das Geld werde nicht reichen. Teilzeitkräfte sind also doppelt so oft besorgt um ihre Altersversorgung als Vollzeitbeschäftigte.
zum SeitenanfangNachteil bleibt: Migranten auch in zweiter Generation benachteiligt
Angehörige der zweiten Generation haben zwar bessere Chancen als ihre Eltern, liegen aber noch weit hinter Beschäftigten ohne Migrationshintergrund.
Arbeitnehmer/-innen, die im ehemaligen Jugoslawien geboren sind, kommen im Beobachtungszeitraum 2008/2010 auf 103 Indexpunkte. Die zweite Generation schafft hingegen 108 Punkte, immer noch deutlich weniger als die Beschäftigten ohne Migrationshintergrund.
Türken abgeschlagen
Bei Personen mit türkischen Wurzeln ist der Unterschied noch größer: In der Türkei geborene Beschäftigte kommen nur auf 95 Indexpunkte, die zweite Generation hingegen auf 104 Punkte. Im Ausland geborene Arbeitnehmer/-innen sind mit ihren Rechten gegenüber dem Dienstgeber wenig zufrieden – Türken zu 55 Prozent, (Ex)-Jugoslawen zu 47 Prozent. In der zweiten Generation nimmt die Unzufriedenheit ab (Türkei: 33 Prozent, Ex-Jugoslawien 28 Prozent). Etwa gleich hoch ist die Zahl der unzufriedenen Arbeitnehmer/-innen ohne Migrationshintergrund mit 29 Prozent.
Integration
Zuwanderer und ihre schon in Österreich geborenen Kinder haben es auf dem österreichischen Arbeitsmarkt schwer. Sie liegen bei der Arbeitszufriedenheit weit hinter den übrigen Beschäftigten und verfügen über wesentlich geringere Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden. Das trifft zumindest für jene zu, die aufgrund ihres Namens, Aussehens oder mangelnder Sprachkenntnisse leicht als Migranten zu identifizieren sind. Das belegt eindrücklich, wie bedrückend die Betroffenen ihre Situation empfinden.
Erschreckend ist, dass die Nachteile der Zuwanderer in Österreich "vererbt" werden und sich die Situation für die Betroffenen nur langsam verbessert. Auch wer schon in Österreich geboren, aufgewachsen und in die Schule gegangen ist, hat weniger Chancen als jene ohne Migrationshintergrund. Statt jungen leistungswilligen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen, bleibt Diskriminierung aufgrund Zuwanderung bestehen. Es wird im Bildungssystem nur wenig getan, um mögliche Defizite auszugleichen. So benachteiligt die frühe Teilung in unterschiedliche Schultypen Migranten besonders, ihr Wunsch möglichst früh eigenes Geld zu verdienen, verhindert oft höherwertige Ausbildung. Am wichtigsten ist allerdings, dass die Gesellschaft sich den Migrantinnen und Migranten öffnet. Nur so können sich diese allen übrigen gleichgestellt betrachten.
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Kontakt
AK Kommunikation
Tel.: 0732/6906-2182
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