Arbeitsklima Index November 2011

Manche Arbeitnehmer/-innen haben es gut getroffen: Sie arbeiten in Berufen, in denen sie sich wohlfühlen. Andere sind weniger glücklich mit ihrem Job.

zum Seitenanfang

Zufrieden mit dem Beruf - Jobs mit Wohlfühlfaktor

Erstmals liegt eine Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index nach einzelnen Berufen vor. Damit wird ein noch genaueres Bild der österreichischen Arbeitswelt möglich. Welche Arbeitnehmer/-innen sind im Vergleich mit dem aktuellen Arbeitsklima Indexwert von 108 am zufriedensten mit ihrem Beruf? Und welche sind am unzufriedensten?

Top-Job Bankangestellte/r

Trotz Finanz- und Bankenkrise - und anscheinend unbeeindruckt von medialer Kritik und dem sich verschlechternden Image der Banken - sind Bankangestellte die zufriedensten Arbeitnehmer/-innen. Ihr Arbeitsklima Indexwert liegt bei 119, das sind beeindruckende elf Punkte mehr als der aktuelle Gesamtindex. Knapp dahinter befinden sich Büroangestellte (ohne Kundenkontakt) und Finanzberater/-innen mit 118 bzw. 117 Punkten. Auch Menschen in (höheren) Führungspositionen gehören zu den Zufriedensten: Geschäftsführer/-innen erreichen den Indexwert 116.

Zufrieden trotz geringer Bezahlung

Die Zufriedenheit mit dem Beruf hängt zu einem großen Teil mit der Zufriedenheit mit dem Einkommen und mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zusammen. Doch es zählen auch noch andere Faktoren: Obwohl 64 Prozent der Kindergartenpädagogen/-innen erklären, ihr Einkommen reiche nicht oder gerade noch aus, erreichen sie den Indexwert 116 und liegen damit gleichauf mit höheren Führungskräften und einen Punkt vor den Versicherungsangestellten. Hier scheinen persönliche Motivation und Idealismus wichtige Faktoren für Zufriedenheit zu sein.

Unzufrieden – und das mit Recht

Am unteren Ende der Zufriedenheitsskala befinden sich - wenig überraschend – folgende Berufe: Reinigungskraft (Indexwert 98), Berufs- und Fernfahrer (98), Kassierer/-innen (99), Beschäftigte im Gastgewerbe (99), Beschäftigte am Bau (103). Die berechtigte Unzufriedenheit dieser Arbeitnehmer/-innen fußt auf geringer Bezahlung, schlechten Arbeitsbedingungen (viele Überstunden, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit) und oft geringem ge-sellschaftlichen Ansehen des Jobs.

Grafik: Zufriedenheit mit dem Beruf

zum Seitenanfang

Index stagniert - Arbeitsklima Index bei 108 Punkten

Nach dem Absturz des Arbeitsklima Index in den Jahren 2008 bis 2010 von 111 auf 107 Punkte, stagniert er in diesem Jahr beim Wert 108.

Obwohl Politiker/-innen und Wirtschaftsforscher/-innen im Jahr 2011 von einer Erholung der Konjunktur und einer besseren Lage am Arbeitsmarkt sprechen, zeigen sich keine positiven Auswirkungen im Arbeitsklima Index. Bestimmte Teilindizes sind sogar zurückgegangen.

Krise wirkt immer noch nach

Der Wirtschaftsaufschwung des letzten Jahres ist offensichtlich bei den Arbeitnehmern/-innen kaum oder gar nicht angekommen. Der Teilindex "Gesellschaft", der Fragen zur Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs, zur sozialen Position und zu den Rechten als Arbeitnehmer/-innen umfasst, hat mit dem Wert 61 wieder den Tiefpunkt von letztem Jahr erreicht. Der Teilindex "Erwartungen" – er umfasst Aufstiegs-, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Einschätzung der Chancen, nach einem Verlust des Jobs wieder eine Stelle zu finden – liegt bei 55 und somit um drei Punkte niedriger als im Frühjahr 2008.

Ältere wieder pessimistischer

Vor allem ältere Arbeitnehmern/-innen ab 46 Jahren zeigen sich im aktuellen Arbeitsklima Index nach einer kurzen Phase der besseren Stimmung wieder pessimistischer. Während des Jahres 2010 stürzte ihr Indexwert von 108 auf 103 ab, erholte sich Anfang bis Mitte 2011 auf 106 und ist jetzt auf 105 gesunken.

Arbeiter/-innen deutlich unzufriedener

Arbeiter/-innen liegen mit nur 100 Punk-ten um acht Punkte unter dem Durchschnitt. Die Schere zwischen Arbeitern/-innen und sonstigen Beschäftigten hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres weiter geöffnet. Arbeiter/-innen liegen in allen vier Teilindizes zurück, am stärksten im Teilindex "Erwartungen". Arbeiter/-innen sind entsprechend pessimistisch, was ihre Arbeitsmarktchancen anbelangt - und sie resignieren hinsichtlich ihrer Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Grafik: Gesamtindex  und Teilindizes seit 2008/2

zum Seitenanfang

Hartnäckige Krise

Der Rückgang des Arbeitsklima Index und die mittlerweile fast zwei Jahre dauernde Stagnation auf niedrigerem Niveau unterstreichen, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise für deutliche Spuren im Stimmungsbild der Arbeitnehmer/-innen gesorgt hat. Mehr noch, die schlechteren Indexwerte im Vergleich zu den Jahren 2007 und 2008 zeigen auch, dass sich die Krise manifestiert hat und dauerhaft auf die Stimmung der arbeitenden Menschen drückt. Die mediale Beschwörung von Optimismus und die bemühte Rhetorik vom "Wirtschaftsaufschwung" gehen offensichtlich an der Lebensrealität der meisten Arbeitnehmer/-innen vorbei.

Ein genauerer Blick auf die Teilindizes unterstreicht das: Der Teilindex "Arbeit" (Zufriedenheit mit Beruf, Leben, Einkommen) hängt schon seit Jahren zwischen 75 und 77 fest. Der Teilindex "Erwartungen" (Aufstiegs-, Entwicklungs- und Jobchancen) ist von ohnehin schwachen 58 im Jahr 2008 auf aktuell 55 gesunken. Und der Teilindex "Gesellschaft" (wirtschaftliche Zukunft, Rechte und soziale Position) ist von 68 im Jahr 2008 auf aktuell 61 geradezu abgestürzt.

zum Seitenanfang

Schlüsselfaktor Bildung - Qualifikation bringt Chancen

Wer nicht mehr als einen Pflichtschulabschluss vorweisen kann, hat kaum Chancen auf einen guten Job. Die Folge: Unzufriedenheit mit Arbeit, Leben und Gesellschaft.

Junge Menschen geraten rasch in eine berufliche Sackgasse, wenn sie außer einem Pflichtschulabschluss keine weitere Ausbildung vorweisen können. Der Arbeitsklima Index spiegelt das deutlich wider: Arbeitnehmer/-innen mit nur Pflichtschulabschluss liegen beim Wert 100. Ein Tiefststand, der schon einmal Ende 2010 erreicht wurde. Beschäftigte aber, die nach der Schule eine Lehre absolviert haben, haben derzeit den Indexwert 108 – so hoch wie der Gesamtindex. Arbeitnehmer/-innen mit Matura- oder Universitätsabschluss liegen mit 111 Punkten sogar klar über dem durchschnittlichen Arbeitsklima Index.

Pessimismus nimmt stark zu

Der Teilindex "Erwartungen" (Aufstiegschancen, Einschätzung rasch wieder Arbeit zu finden) zeigt, wie pessimistisch Beschäftigte mit nicht mehr als Pflichtschulabschluss ihre Lage am Arbeitsmarkt einschätzen. Ihr Indexwert liegt aktuell bei 43, das ist ein Absturz um sieben Punkte seit dem Vorjahr. Zum Vergleich: Arbeitnehmer/-innen mit höherer Qualifikation als die Pflichtschule haben den Wert 57, ein Anstieg um zwei Punkte.

Wer hat, dem wird gegeben

Nur 17 Prozent der Beschäftigten mit nicht mehr als Pflichtschulabschluss haben 2011 eine berufliche Weiterbildung oder Höherqualifizierung erhalten. Bei Beschäftigten, die mindestens eine Lehre absolviert haben, waren es 34 Prozent. Noch extremer zeigt sich der Unterschied bei den Berufsgruppen: 63 Prozent der Beschäftigten im Unterrichtssektor haben im Jahr 2011 mindestens an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Das gilt nur für 23 Prozent der Beschäftigten in Industrie und Gewerbe, also für Branchen, die einen hohen Anteil von niedriger Qualifizierten haben.

Unzufrieden mit Einkommen

Wenig überraschend ist, dass 53 Prozent der Beschäftigten mit Pflichtschulabschluss mit ihrem Einkommen nicht zufrieden sind, während das auf 41 Prozent der Arbeitnehmer/-innen mit besserer Ausbildung zutrifft. Diese Unzufriedenheit mit dem Einkommen wirkt sich ebenso wie der Pessimismus hinsichtlich der beruflichen und gesellschaftlichen Chancen negativ auf die Lebenszufriedenheit aus: Personen mit nicht mehr als Pflichtschulabschluss sind nur zu 77 Prozent mit ihrem Leben mindestens "eher zufrieden". Beschäftigte mit besserer Bildung sind zu 85 Prozent mit dem Leben zufrieden.

zum Seitenanfang

Metallbranche: Zufireden mit Einkommen - aber hohe Belastung

Die aktuellen Daten des Arbeitsklima Index zeigen, dass Beschäftigte in der Metall-Elektrobranche ihre Arbeitsbedingungen kritisch beurteilen.

Die Zufriedenheit mit dem Einkommen liegt in der Eisen-, Metall- und Elektrobranche bei 65 Prozent und somit um neun Prozentpunkte höher als in anderen Berufsfeldern. Berechnet man den Wert nur für Vollzeitbeschäftigte, liegt die Einkommenszufriedenheit gleichauf mit den restlichen Branchen. Diese Zufriedenheit hat abgenommen: 2008 waren noch 71 Prozent der Beschäftigten mit ihrem Einkommen zufrieden.

Hohe Belastungen

Unfall- und Verletzungsgefahr sowie belastende Arbeitsbedingungen liegen für Beschäftige der Metall-Elektrobranche trotz eines Rückgangs immer noch über dem Durchschnitt der übrigen Branchen. Aktuell schätzen 15 Prozent der Befragten ihr Unfall-und Verletzungsrisiko als hoch ein (übrige Branchen: zehn Prozent). 20 Prozent sind der Meinung, schlechte Bedingungen für ihre Gesundheit aufgrund der Arbeit zu haben (übrige Branchen 12 Prozent).

Schichtarbeit kommt in der Eisen-, Metall- und Elektrobranche deutlich häufiger vor als in anderen Berufen: 31 Prozent der Beschäftigten leisten Schichtarbeit (15 Prozent in anderen Branchen).

Grafik: Gesundheitsbelastung in der Eisen-, Metall- und Elektrobranche

zum Seitenanfang

Lohnerhöhungen mehr als verdient

Analysiert man die Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index, dann erhält man ein durchaus differenziertes Bild der Eisen-, Metall- und Elektrobranche. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen ist zwar in den letzten Jahren gesunken, aber sie ist immer noch hoch im Vergleich mit anderen Branchen. Der Rückgang von ehemals über 70 Prozent Zufriedener auf nunmehr 65 Prozent liegt an der jahrelangen Stagnation der Löhne und Gehälter. Die kürzlich von den Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp erkämpfte Erhöhung um durchschnittlich 4,2 Prozent war dringend notwendig und mehr als verdient.

Belastungen nicht ignorieren

Die Verantwortlichen sollten aber auch die Belastungen, denen Arbeitnehmer/-innen in der Metallbranche ausgesetzt sind, nicht ignorieren. Das Thema Unfallvermeidung bleibt immer aktuell, aber auch die Arbeitsbedingungen sind brisant. Der hohe Anteil an Schichtarbeit leistenden Beschäftigten ist dabei nur ein Thema. Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, Stress und daraus folgende psychische Belastungen sind andere Faktoren, die im Sinne der Arbeitnehmer/-innen mittel- bis längerfristig verbessert gehören.

  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

6 + 7 =
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.