Arbeitsklima Index September 2012

Rund 600.000 Beschäftigte (ca. 70 Prozent davon Frauen) arbeiten in Österreichs Handelsbetrieben. Vor allem mit ihrem Einkommen sind nur wenige zufrieden.

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Die Schere zwischen Beschäftigten im Handel und in den anderen Branchen öffnet sich besonders, wenn es um die Einschätzung des gesellschaftlichen Status als Arbeitnehmer/-innen geht. Die Zufriedenheit mit der gesellschaftlichen Wertschätzung hängt ganz stark von der Zufriedenheit mit den Rechten und mit der Entlohnung ab. Im Einkommen drücken sich auch Anerkennung und Wertschätzung für die geleistete Arbeit aus.

Reallohn stagniert seit Jahren

Die Zufriedenheit mit dem Einkommen stagniert bei den Handelsangestellten seit zehn Jahren auf niedrigem Niveau. Aktuell ist knapp mehr als die Hälfte aller Beschäftigten im Handel mit dem Einkommen zufrieden. Nur acht Prozent sind „sehr zufrieden“. Zum Vergleich: In Industrie und Gewerbe sind 62 Prozent zufrieden, im Verwaltungssektor und im Unterrichtssektor sogar mehr als 70 Prozent. Beschäftigte im Handel verdienen 1.125 Euro netto im Monat (Median). Der Handel fällt damit deutlich hinter den Großteil der übrigen Branchen zurück. Das liegt nur bis zu einem gewissen Grad an der höheren Teilzeitquote. Berechnet man das monatliche Medianeinkommen teilzeitbereinigt nur für Vollzeitbeschäftigte, so liegen Beschäftigte im Handel immer noch um rund 300 Euro monatlich hinter den anderen Beschäftigten zurück.

Armutsgefährdung hoch

Niedrigeres Einkommen hat jedoch nicht nur indirekte Auswirkungen auf die subjektive Lebens- und Arbeitszufriedenheit, sondern auch ganz konkrete auf die Armutsgefährdung. 70 Prozent der Beschäftigten im Handel geben an, mit ihrem Einkommen nicht oder nur knapp auszukommen. Mit neun Prozent liegt zwar der Anteil der „Working Poor“ leicht unter dem Österreich-Schnitt, aber die Gruppe jener, die nur noch knapp mit ihrem Einkommen auskommt, ist mit 61 Prozent um mehr als 10 Prozentpunkte größer als in den restlichen Branchen. Das niedrigere Einkommen hat natürlich auch massive Auswirkungen auf die Zukunftseinschätzungen: Nur 17 Prozent (also nicht einmal jede/r Fünfte) der im Handel Beschäftigten glauben, im Alter gut von der Altersversorgung leben zu können.

Nur wenige weibliche Führungskräfte

Fast 30 Prozent der weiblichen Lehrlinge werden im Handel ausgebildet. Rund 70 Prozent der im Handel Beschäftigten sind weiblich, aber nur sieben Prozent dieser weiblichen Beschäftigten erreichen Leitungspositionen. Der Anteil der Handelsangestellten mit Migrationshintergrund beträgt 17 Prozent.

Grafik: Einkommenszufriedenheit

 

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Kinderbetreuung: Nach wie vor große Hürden für Frauen

Trotz Verbesserungen in den letzten Jahren sind laut aktuellem Arbeitsklima Index nur 15 Prozent der befragten Frauen mit dem Kinderbetreuungsangebot sehr zufrieden.

Mit dem Angebot an Kindergärten, Horten, Tagesmüttern usw. sind zehn Prozent der Frauen gar nicht zufrieden. Nur neun Prozent der Alleinerzieherinnen sind sehr zufrieden und zwölf Prozent gar nicht zufrieden. Das richtige Angebot an Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellen vor allem für Frauen noch immer eine große Hürde dar.

Hohe Kosten sind belastend

45 Prozent der Frauen nutzen Kinderbetreuungsangebote regelmäßig, bei alleinerziehenden Frauen sind es 53 Prozent. Die Belastung durch die Kosten für die Betreuung der Kinder erachten acht Prozent der Frauen als sehr stark und 18 Prozent als stark. 16 Prozent der Alleinerzieherinnen sind von den Kosten sehr stark, 34 Prozent stark belastet.

Grafik: Bealstung durch Kosten der Kinderbetreuung

 

Kaum Hilfe durch Unternehmen

Unternehmer/-innen wollen qualifizierte, motivierte und flexible Mitarbeiter/-innen. Dem oft beklagten wachsenden Fachkräftemangel soll u.a. auch mit mehr berufstätigen Frauen begegnet werden. Aber wie so oft zeigt sich, dass die Unternehmer/-innen kaum wirkliche Unterstützung bieten. Für nur 11 Prozent der Beschäftigten, die einen männlichen Vorgesetzten haben, gibt es Angebote oder Regelungen für Kinderbetreuung (für 18 Prozent mit einer weiblichen Vorgesetzten). Davon gibt es für 16 Prozent
einen Betriebskindergarten und für nur zehn Prozent eine andere Betreuungsmöglichkeit in der Arbeit. Nur fünf Prozent können sich über finanzielle Zuschüsse freuen. 14 Prozent arbeiten zu Hause und immerhin 61 Prozent nutzen flexible Arbeitszeiten wie z.B. spezielle Gleitzeitmodelle.

 

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Heinisch-Hosek: Recht auf Kinderbetreuung

Gerade im Handel arbeiten viele Frauen Teilzeit. Das mag manchmal als praktische Alternative erscheinen, hat aber Tücken: Teilzeit wird schlechter bezahlt als Vollzeit, der Stundelohn ist bis zu 30 Prozent niedriger. Mehrarbeit wird oft nicht abgegolten, es gibt wenige Karriereperspektiven, und ein Umstieg auf Vollzeit ist schwer möglich. Der geringe Verdienst macht sich auch in der Pension bemerkbar.

Jede vierte Frau würde gerne mehr arbeiten. Aber in einigen Branchen werden gar keine Vollzeitjobs angeboten. Und oft fehlt es an Kinderbetreuung. Da braucht es dringend Verbesserungen, etwa einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr des Kindes. Und wir brauchen eine faire Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit: Mehr Windeln wechselnde Papas, besser bezahlte Mamas – das wäre ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt.

 

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Benachteiligt: Unternehmen setzen sich kaum für Gleichbehandlung ein

Vor allem beim Einkommen sehen sich viele Frauen benachteiligt. Fast ein Drittel hat schon persönlich Diskriminierungen oder Belästigungen erlebt.

Der aktuelle Arbeitsklima Index zeigt, dass 42 Prozent der berufstätigen Frauen sich bezüglich Lohn bzw. Gehalt „gelegentlich“ bis „sehr häufig“ als benachteiligt einschätzen. Fast ein Drittel sieht sich bei Beförderungen übergangen, 27 Prozent bei der Jobvergabe nach einer Bewerbung und 26 Prozent bei der Übertragung von Verantwortung in der Arbeit. 24 Prozent sind der Meinung, dass ihre Arbeit zu geringgeschätzt wird.

Diskriminierende Erfahrungen

Ein Viertel der befragten Frauen hat in der Arbeit schon persönlich abfällige Bemerkungen erlebt. Acht Prozent haben persönlich körperliche Übergriffe und sexuelle Belästigung im Job erfahren. Sechs Prozent fühlen sich durch das Aufstellen bzw. Aufhängen von Kalendern mit Nacktbildern gestört oder belästigt.

AK und Frauenministerin helfen

Hilfe und Unterstützung erhalten betroffene Frauen von den Unternehmen kaum. Laut Arbeitsklima Index sagen nur zehn Prozent der weiblichen Beschäftigten, dass sich ihre Unternehmensführungen aktiv für Gleichbehandlung bzw. gegen Diskriminierung einsetzen. 36 Prozent aber sagen, dass sich die Arbeiterkammer stark für Gleichberechtigung einsetzt, 35 Prozent nennen das Frauenministerium und 23 Prozent die Gewerkschaften. Beratungseinrichtungen, Vereine und Gewaltschutzzentren werden von 14 Prozent der befragten Frauen als Unterstützung gesehen. Frauen leisten mit vier Stunden täglich nach wie vor den weitaus größten Teil der Sorgearbeit (Pflege, Kinderbetreuung, Haushalt usw.). Männer erbringen nur 1,5 Stunden täglich diese Art von (meistens) unbezahlter Arbeit.

 

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Arbeitsdruck - Aber: Mehrkeit trennt klar Arbeit und Freizeit

Im Arbeitsklima Index zählt der Zeitdruck zu den stärksten Belastungsfaktoren der Beschäftigten. Die Arbeitswelt wird zunehmend dynamischer, der Arbeitsdruck steigt.

Ständiger Arbeitsdruck stellt für 14 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer/- innen eine Belastung dar. Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeberufen (20 Prozent), in Industrie und Gewerbe (17 Prozent) sowie in Bildung und Unterricht (15 Prozent) leiden stärker unter ständigem Arbeitsdruck als Beschäftigte anderer Branchen.

Arbeit in der Freizeit

Der Begriff „Entgrenzung der Arbeit“ wurde in den letzten Jahren immer mehr bekannt. Gemeint ist damit die Unterbrechung der Freizeit durch berufliche Verpflichtungen, angefangen beim Bearbeiten von E-Mails zu Hause bis hin zu größeren Arbeiten.

Die Ergebnisse des Arbeitsklima Index zeigen: Entgrenzung ist in Österreich – zumindest derzeit – noch kein Massenphänomen. Die Mehrheit der Österreicher/- innen trennt klar zwischen Arbeit und Freizeit. Nur sieben Prozent aller österreichischen Arbeitnehmer/-innen geben an, durch arbeitsbedingte Unterbrechungen der Freizeit belastet zu sein. Anders bei Führungskräften: 22 Prozent fühlen sich durch notwendige Unterbrechungen ihrer Freizeit sehr oder ziemlich belastet. Personen, die auch in ihrer Freizeit arbeiten müssen, beklagen auch deutlich häufiger Überstunden (46 Prozent), Zeitdruck (74 Prozent) und ständigen Arbeitsdruck (58 Prozent).

Grafik: Bealstung durch Arbeit in der Freizeit

 

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Neue Variable im Arbeitsklima Index

Der Arbeitsklima Index misst seit 15 Jahren Arbeitszufriedenheit und Belastungen der österreichischen unselbständig Beschäftigten. Er ist ein verlässlicher Indikator für Veränderungen und Umbrüche in der Arbeitswelt, weil das Fragenprogramm des Arbeitsklima Index in der Vergangenheit schon mehrere Male erweitert und überarbeitet wurde. Auch 2012 wurden wieder neue Fragen aufgenommen, um die Arbeitswelt aus Sicht der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen entsprechend darstellen zu können.

45 Prozent pendeln zur Arbeit

Eine neue Variable betrifft die Pendler/- innen. Mehr als die Hälfte aller österreichischen Arbeitnehmer/-innen
(54 Prozent) arbeitet innerhalb der eigenen Wohngemeinde bzw. Stadt. 39 Prozent pendeln in eine andere Gemeinde, sechs Prozent in ein anderes Bundesland. Die meisten Arbeitnehmer/-innen sind Tagespendler, ca. jede/r Zehnte/r ein Wochenpendler. Die durchschnittliche Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort liegt zwischen sechs und 15 Kilometer. Die Fahrtdauer beträgt durchschnittlich 15 bis 29 Minuten. Das beliebteste Verkehrsmittel ist für drei Viertel der Beschäftigten immer noch das Auto. Jede/r Fünfte/r nützt öffentliche Verkehrsmittel.

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