Armut in Österreich

Hohe Armutsgefährdung in Österreich
Rund eine Million Menschen sind einkommensarm

Obwohl der Reichtum in Österreich ausreichend vorhanden und wachsend ist, bleibt die Armut weit verbreitet. Gemäß Armutsbericht (Statistik Austria, EU-SILC 2009) sind in Österreich rund eine Million Menschen (12 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2009, Einkommensreferenzjahr 2008) armutsgefährdet, das heißt, von Einkommensarmut betroffen. In Oberösterreich sind 141.000 Menschen bzw. rund 10 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Als Armutsgefährdungsschwelle gelten 60 Prozent des mittleren Einkommens – Medianeinkommen - einer Gesellschaft. Etwa jede/r Achte muss hierzulande mit einem monatlichen Gesamteinkommen von weniger als 994 Euro 12 mal pro Jahr (bzw. rd. 852 Euro bei 14-maliger Auszahlung) auskommen. Die Betroffenen selbst haben aber ein um 17 Prozent (rund 171 Euro monatlich bei einem Einpersonenhaushalt) geringeres Einkommen zur Verfügung, nämlich im Mittel weniger als 823 Euro (bzw.rund 706 Euro 14 mal) monatlich.

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Armut ist weiblich

Die systematische (Lohn-)Diskriminierung von Frauen in Arbeitswelt und Gesellschaft wirkt sich auch in einer durchwegs höheren Armutsgefährdung aus. Insgesamt sind lt. Statistik Austria (EU SILC 2009) Frauen (mit 13 Prozent) überproportional armutsgefährdet. Männer tragen mit 10 Prozent ein leicht unterdurchschnittliches Risiko. Besonders Alleinerziehende haben ein sehr hohes Armutsrisiko. 30 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte sind armutsgefährdet. Rund 87 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Die Armutsquote ist bei dieser Gruppe deswegen so hoch, da die Verdienstmöglichkeiten insbesondere aufgrund von Betreuungsverpflichtungen zumeist sehr gering sind. Ebenso haben alleinlebende Frauen mit Pension ein sehr hohes Armutsrisiko von 28 Prozent. Bei single Frauen ohne Pension ist das Risiko etwas geringer liegt aber mit 18 Prozent dennoch weit über dem Durchschnitt.

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Armutsgefährdung sehr hoch bei langer Arbeitslosigkeit

Ein mit Abstand sehr hohes Armutsrisiko tragen arbeitslose Menschen - unter den Arbeitslosen (mind. 6 Monate arbeitslos) ist bereits fast jede/r Dritte armutsgefährdet, bei den Langzeitarbeitslosen (ab 12 Monate) sogar 42 Prozent!

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Erwerbsarbeit bietet Schutz vor Einkommensarmut

Während am Arbeitsmarkt bzw. gesellschaftlich Benachteiligte (Arbeitslose, Alleinerziehende, Migranten/-innen, Pflichtschulabsolvent/-innen, Familien mit mindestens drei Kindern, Menschen mit Behinderung etc.) im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stark erhöhte Armutsrisiken tragen, liegt das Risiko in Haushalten mit "voller Erwerbsbeteiligung" (= Ausschöpfung der Erwerbsbeteiligung aller Haushaltsmitglieder im Erwerbsalter zu mindestens 85 Prozent) bei unterdurchschnittlichen vier Prozent. In Erwerbslosenhaushalten (= Erwerbsbeteiligung höchstens 20 Prozent) ist das Armutsrisiko mit 47 Prozent beachtlich hoch. Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit gilt als Mittel zur Armutsverringerung. Entlohnung und Kontinuität der Arbeit sowie die Zusammensetzung des Haushalts – besonders die Erwerbsbeteiligung – sind Faktoren, die die Höhe des Haushaltseinkommens wesentlich bestimmen.

Erwerbstätigkeit der Frauen reduziert Armut

Die Erwerbstätigkeit von Frauen reduziert das Armutsrisiko von Familien wesentlich. In allen Haushaltsformen (bis auf Alleinerzieherinnen sowie Haushalte mit drei oder mehr Kindern), kann das Armutsrisiko durch eine Erwerbstätigkeit der Frauen unter den Bevölkerungsdurchschnitt (12 Prozent) gebracht werden. Am größten ist der Effekt bei Alleinerziehenden. Ist eine Frau in Ein-Eltern-Haushalten erwerbstätig, so reduziert sich das Armutsrisiko von 62 (bei keiner Erwerbstätigkeit) auf 22 Prozent. Aber auch ein eigener Verdienst garantiert hier überdurchschnittlich oft, kein Haushaltseinkommen über der Armutsgefährdungsschwelle.

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... rund 241.000 "working poor"

Lt. EU SILC 2009 sind rund 241.000 erwerbstätige Personen (Voll- oder Teilzeitarbeit) im Erwerbsalter armutsgefährdet. Insgesamt leben rund 450.000 Menschen in Haushalten mit "working poor". Sie bilden mit einem Anteil von 44 Prozent die größte Gruppe der Armutsgefährdeten im Erwerbsalter. "working poor" sind meist den niedrigeren Bildungsstufen und den unteren Berufsschichten zuzuordnen. Sie sind auch häufig Teilzeit oder diskontinuierlich beschäftigt. Auch viele Migranten/-innen sind "arm trotz Arbeit". Rund fünf Prozent der Erwerbstätigen (163.000 Menschen) sind trotz ganzjähriger Erwerbstätigkeit nicht vor Armut geschützt. 117.000 Menschen (= 72 Prozent) dieser ganzjährig erwerbstätigen "working poor" sind vollzeitbeschäftigt.

Die Armutsgefährdungsquote ist bei Personen in prekären Beschäftigungsformen (lt. EU SILC 2009 beispielsweise Niedriglohnbeschäftigte, Teilzeit-Mitarbeiter/-innen <12h, unregelmäßig Beschäftigte) sehr hoch. Menschen mit einem Normalarbeitsverhältnis stellen jedoch die größte Gruppe innerhalb der "working poor" dar.

"working poor" in OÖ

In Oberösterreich sind rund 35.000 Menschen bzw. 6 Prozent der Erwerbstätigen arm trotz Arbeit (EU SILC 2004 - 2006 Sonderauswertung Oberösterreich).

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Soziale Herkunft und Bildungsniveau entscheidend

"Arme" Kinder werden zu "armen" Erwachsenen. Die Armutsgefährdung der 25- bis 45-Jährigen aus "armen" Verhältnissen ist mit 22 Prozent doppelt so hoch wie bei jenen, die aus einem finanziell sehr gut gestellten Elternhaus kommen (siehe EU SILC 2006). Auch Personen mit maximal Pflichtschulabschluss weisen ein überdurchschnittliches Armutsrisiko auf. Während ein Fünftel dieser Personengruppe mit Einkommensarmut zu kämpfen hat, sind es bei jenen mit Lehre bzw. mit einer mittleren Schule "nur" neun Prozent. Personen mit Hochschulabschluss sind zu fünf Prozent gefährdet.

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Rund 500.000 Menschen (bzw. 6 Prozent der Bevölkerung) sind manifest arm

Von den rund eine Million Armutsgefährdeten leben ca. 488.000 in manifester Armut. Für diese Menschen kommen zum geringen Einkommen noch mindestens zwei weitere finanzielle Einschränkungen hinzu - z.B.: wenn neue Kleider nicht leistbar sind. Die Betroffenheit steigt vor allem mit der Dauer der Arbeitslosigkeit. Von den ganzjährigen Arbeitslosen sind 28 Prozent bzw. 65.000 Menschen manifest arm, was hingegen nur auf 2 Prozent der ganzjährig Erwerbstätigen zutrifft. Ein-Eltern-Haushalte haben mit einer Quote von 19 Prozent ebenfalls ein hohes Risiko manifest arm zu sein. Aber auch alleinlebende Pensionistinnen (mit 12 Prozent) und alleinlebende Frauen ohne Pensionsbezug (mit 8 Prozent) sind überdurchschnittlich häufig manifest arm. Familien mit mindestens drei Kinder stellen mit rund 116.000 Personen bzw. 15 Prozent die größte Gruppe der manifest Armen nach Haushaltsform dar. Weiters sind 30 Prozent der manifest Armen Migranten/-innen (ohne österreichische Staatsbürgerschaft).

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Sozialstaat wirkt

In Österreich wären ohne den Einsatz von Sozialleistungen (inkl. Pensionen) 43 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Durch staatliche Transfers verringert sich die Zahl der armutsgefährdeten Menschen von rd. 3,5 Millionen auf eine Million. Dadurch wird die Betroffenheit von Einkommensarmut stark reduziert. Auch europaweit zeigt sich eine effektive Reduktion des Armutsrisikos durch sozialpolitische Maßnahmen. In den 27 Mitgliedsstaaten der EU sind rund 80 Millionen Menschen bzw. 16 Prozent der Bevölkerung der EU armutsgefährdet.

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