Das erfolgreiche Projekt "Du kannst was!" auf mehr Berufe und Teilnehmer ausweiten

15 bis 17 Prozent eines Jahrganges verfügen über keinen Berufsabschluss. Arbeitnehmer/innen ohne abgeschlossene Berufsausbildung haben ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Und sie haben es auch schwerer, wieder einen neuen Job zu finden. Deshalb muss gezielt daran gearbeitet werden, dass das (Berufs-) Bildungssystem bessere Ergebnisse bringt und der Anteil der Jugendlichen ohne Berufsausbildung gesenkt wird.

"Auch den Arbeitnehmern/innen, die ohne Berufsabschluss bereits in Arbeit stehen, müssen wir geeignete Ausbildungsangebote machen", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Das Projekt „Du kannst was“, das von der oberösterreichischen Erwachsenenbildung und den Sozialpartnern in intensiver Vorarbeit entwickelt wurde, zielt genau auf diese Gruppe und geht einen neuen, innovativen Weg.

Viele der Arbeitnehmer/innen ohne formale Berufsabschlüsse haben sich in ihrer Arbeit weitreichende berufliche Kompetenzen angeeignet, die weder ihnen selbst noch den Arbeitgebern/innen immer bewusst sind. Diese Kompetenzen sichtbar zu machen und als Basis für einen Berufsabschluss anzuerkennen, ist ein wichtiges Anliegen für Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen. Mit einer darauf aufbauenden, maßgeschneiderten Weiterbildung sollte es möglich sein, einen Berufsabschluss zu erreichen. Das hilft den betroffenen Arbeitnehmern/innen und der Abdeckung des Fachkräftebedarfs.

Ziele hervorragend erreicht

Das Projekt „Du kannst was“ hat seine Ziele hervorragend erreicht: Es wurde ein geeignetes und mittlerweile in Österreich viel beachtetes Verfahren entwickelt und in einem ersten Durchlauf erfolgreich erprobt. 72 Arbeitnehmer/innen haben über das Projekt einen gültigen Lehrabschluss erhalten. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen, die an der erfolgreichen Umsetzung des Projekts mitgewirkt haben, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Erwachsenenbildung (Volkshochschule Linz, BFI, WIFI und LFI), der Lehrlingsstelle, dem Firmenausbildungsverbund (FAV), der Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer, aber auch jenen, die an der Vorbereitung des Projekts beteiligt waren, wie dem Erwachsenenbildungsforum, dem ÖGB, und der Industriellenvereinigung. Persönlich danke ich Dr. Heinz Wenidoppler, der das Projekt koordiniert hat und dem Leiter unserer Abteilung Bildung und Kultur, Dr. Fritz Bauer, der das Projekt im FAV verantwortlich geleitet hat.

Vom erfolgreichen Probelauf zum Standardangebot

Aus Sicht der Arbeiterkammer soll nach dem erfolgreichen Probelauf jetzt rasch ein Übergang vom (Pilot-)Projekt zum Standardangebot der Fachkräftequalifizierung erfolgen. Der erfolgreiche Abschluss des Projekts zeigt, dass sowohl eine Erweiterung auf zusätzliche Berufe (bisher zehn) als auch eine Ausdehnung auf mehr Arbeitnehmer/innen (bisher auf 100 beschränkt) möglich ist und so den vielsprechenden Weg zum Nachholen von Berufsabschlüssen verbreitern kann. Viele Anfragen aus anderen Bundesländern zeigen, dass für diese oö. Innovation im gesamten Bundesgebiet Interesse besteht. Einer Ausweitung dieses Qualifizierungsinstruments auf das gesamte Bundesgebiet sollte nichts im Wege stehen.

Dazu ist es erforderlich, auf die Bundesstellen (BMUKK, BMWFJ, AMS, WKÖ, BAK) mit dem Ziel zuzugehen, das oberösterreichische Modell allgemein anzubieten und dieses Instrument auf gesicherter rechtlicher, finanzieller und organisatorischer Basis in ganz Österreich einzurichten und allen betroffenen Arbeitnehmern/innen einen freien Zugang zu diesem System der Fachkräftequalifizierung zu ermöglichen. Das wäre eine hervorragende und notwendige Ergänzung zu den Bund-Länder-Vereinbarungen zur Grundbildung, zum Nachholen des Hauptschulabschlusses und zur Berufsreifeprüfung.

Projekt in Oberösterreich weiterentwickeln

Bis Ergebnisse auf Bundesebene vorliegen, wollen wir in OÖ nicht untätig sein, sondern weiter Erfahrungen mit dem Verfahren sammeln, zusätzliche Arbeitnehmer/innen zu Fachkräften qualifizieren und auf sozialpartner-schaftlicher Basis eine stabile organisatorische Grundlage entwickeln. Die bisherigen Projektpartner sollen in die Weiterentwicklung voll eingebunden bleiben, die Mitarbeit der vielen engagierten Expertinnen und Experten soll unbedingt erhalten bleiben. Auch in dieser schwierigen budgetären Situation muss für dieses Projekt eine ausreichende Finanzierung ermöglicht werden. Die AK wird sich auch für eine Beteiligung des AMS OÖ einsetzen.

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