Jägermayrhof: ein Haus mit Geschichte
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Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat 1959 im Jägermayrhof ihr Bildungshaus eingerichtet. Sie nutzt seither einen Ort mit bewegter Geschichte, der nicht zuletzt im Kampf gegen den Austrofaschismus eine wichtige Rolle spielte.
Die Gastwirtschaft am Freinberg
Der Jägermayrhof befindet sich auf geschichtsträchtigem Boden. Schon in vorgeschichtlicher Zeit dürfte das Areal besiedelt gewesen sein, in keltischer Zeit soll dort eine Fluchtburg existiert haben.
Darstellungen aus dem 16.Jahrhundert zeigen ein Forsthaus, aus dem sich schließlich die Gastwirtschaft "Jägermayrhof" entwickelte. Sie diente im 18. und 19. Jahrhundert als beliebtes Ausflugsziel vor den Toren der Stadt Linz. Sogar Franz Schubert soll sich lobend über das "gute Bier" im Jägermayrhof geäußert haben.
Dramatischer Kampf um die Demokratie
Eine erste wichtige Rolle in der Geschichte der Arbeiterbewegung spielte der Jägermayrhof im Bürgerkrieg des Jahres 1934. Der Freinberg war Schauplatz heftiger Kämpfe, am 12. Februar verschanzten sich republikanische Schutzbündler unter der Führung von Franz Schlagin im Jägermayrhof. Ihr Ziel war es, den nahe gelegenen Sender und ein Wasserreservoir zu kontrollieren. Nach heftigen Widerstand mussten sie sich der Übermacht geschlagen geben. Die Kämpfe forderten sechs Tote, das Gebäude wurde schwer beschädigt.
AK übernimmt das Bildungshaus
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Gastwirtschaft im Jägermayrhof nicht mehr so recht in Gang, das Haus diente einige Zeit sogar als Flüchtlingslager. Die Stadt Linz übergab es schließlich 1959 an die Arbeiterkammer, die es seither mehrere Male behutsam modernisierte und erweiterte.
Umfangreiches Bildungs- und Kulturangebot
Die Arbeiterkammer nutzt den Jägermayrhof als Bildungs-, Beratungs-, Tagungs-, Konferenz- und Kulturzentrum. Seit 1959 wurden mehr als eine halbe Million Besucher/-innen gezählt, alleine seit 2001 waren es mehr als 200.000.
Handke, Bernhard und Qualtinger
Seit Beginn der 70er Jahre ist der Jägermayrhof ein Platz für zeitgenössische Kunst und Kultur. Unter anderem fanden Autoren wie Thomas Bernhard, Peter Handke oder Alois Brandstetter dort ihr Publikum, unvergessliche Höhepunkte des Kabaretts gab es unter anderem mit Helmut Qualtinger.
Literatur der Arbeitswelt
Die Arbeiterkammer setzte im Jägermayrhof aber auch kreative Akzente. Um Arbeitnehmer/-innen und ihre Lebenswelt zum Thema zu machen, wurde im Herbst 1975 ein Förderungspreis für Literatur zur Arbeitswelt ausgeschrieben. An der Spitze der Jury stand niemand geringerer als der deutsche "Arbeiterdichter" Max von der Grün, der Preis war mit 15.000 Schilling dotiert. Zu den ersten Preisträgern zählte Helmut Zenker, der später mit "Kottan" Furore machte. Die "Literatur der Arbeitswelt" ging schließlich im Jahr 2000 im AK-Buchpreis auf.
Ort für Wissenschaft
Zu den Kernaufgaben des Jägermayrhofs zählt Bildungsarbeit. Neben dem umfangreichen Angebot für Betriebsräte und Gewerkschafter wurden stets auch hochkarätig besetzte Tagungen und Konferenzen abgehalten. International bekannte Namen wie der Historiker Eric Hobsbawm, der Ökonom Elmar Altvater oder der Sozialphilosoph Oskar Negt finden sich in den Gästelisten.
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E-Mail: jaegermayrhof@akooe.at
Tel.: (0732) 77 03 63
Fax: (0732) 77 03 63 - 5427



