Einkommensschere im Mühlviertel: Krise wird die Ungleichheit verschärfen

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hat im Auftrag der AK die Einkommensentwicklung in Oberösterreich genau analysiert. Dabei zeigte sich, dass auch im Mühlviertel die Ungleichheit zugenommen hat. Vor allem die Schere zwischen den höheren und niedrigeren Einkommen sowie zwischen Männer- und Fraueneinkommen ging stark auseinander.

Mit 1785 Euro monatlich bietet Perg den dort Beschäftigten die oberösterreichweit neunthöchsten mittleren Bruttoeinkommen. Die Medianeinkommen (= die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger) in Urfahr-Umgebung (1569 Euro), Rohrbach (1537 Euro) und Freistadt (1483 Euro) zählen zu den niedrigsten in ganz Österreich.

Frauen verdienen um ein Drittel weniger

Der Unterschied zwischen Männer- und Fraueneinkommen ist in allen vier Bezirken sehr groß: Frauen verdienen nur zwischen 54 und 60 Prozent des Männereinkommens. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung bekommen Frauen um rund ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen.

Krise wird Ungleichheit verschärfen

Die Krise wird die bestehende Einkommensungleichheit weiter verschärfen: Der Druck auf Löhne und Gehälter insbesondere bei geringer Qualifizierten steigt. „Durch Kurzarbeit und vor allem Arbeitslosigkeit müssen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Einkommenseinbußen hinnehmen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Anstieg der Arbeitslosigkeit

Auch das Mühlviertel ist von der Wirtschaftskrise betroffen. Die Arbeitslosigkeit stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahr in Rohrbach um 16 Prozent, in Freistadt um 26 Prozent und in Perg um 52 Prozent. Im Vergleich dazu: Oberösterreichweit machte der Zuwachs 61 Prozent, im Bundesdurchschnitt 30 Prozent aus. Am stärksten betroffen sind Metallberufe, Bauberufe und Hilfskräfte. Die Zahl der Kurzarbeitenden steigt weiter.

„Einkommen müssen gerecht und sicher sein. Das ist gerade angesichts der Wirtschaftskrise wichtig für die Menschen“, fordert AK-Präsident Kalliauer die rasche Umsetzung der Konjunkturprogramme und einen öffentlichen Investitionsschub, um Arbeitsplätze zu sichern und die Beschäftigung anzukurbeln. Kurzarbeit muss finanziell abgesichert sein und mit gezielten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen kombiniert werden.

Gerechte Beteiligung am Wohlstandszuwachs

„Ich bin für eine Stärkung des öffentlichen Sektors, der qualitätsvolle Daseinsvorsorge und Einkommensgerechtigkeit garantiert und Arbeitsplätze schafft“, so Kalliauer. An die Unternehmen richtet sich die Forderung nach einer gerechten Beteiligung der Beschäftigten an den gemeinsam erwirtschaften Erfolgen durch nachhaltige Reallohn- und Gehaltssteigerungen.

Bessere Einkommenschancen für Frauen erwartet sich der AK-Präsident durch die Förderung nichttraditioneller Ausbildungs- und Berufswahl von Mädchen und Buben, durch Investitionen in Kinderbetreuung und Pflege sowie die Koppelung öffentlicher Auftragsvergabe an betriebliche Gleichstellungsmaßnahmen.

Steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen

„In der Steuerpolitik brauchen wir eine stärkere Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, eine höhere Besteuerung von Vermögen und Wertschöpfung der Unternehmen sowie die Umgestaltung der Pendlerpauschale in eine einkommensunabhängige Zahlung“, fordert der AK-Präsident.

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit droht steigende Armut. Denn während zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung armutsgefährdet sind, beträgt das Armutsrisiko bei Arbeitslosigkeit 35 Prozent. Bei ganzjähriger Arbeitslosigkeit ist gar jeder zweite Arbeitslose im Erwerbsalter armutsgefährdet (52 Prozent)! „Wir fordern daher die rasche Einführung der Mindestsicherung, die Streichung der Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe und die Erhöhung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld von 55 auf 75 Prozent“, so Kalliauer.

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