Europa: Reiche werden reicher, Arme ärmer
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Bei der Einkommens- und Vermögensverteilung in Europa zeigt sich bereits seit Jahrzehnten ein problematischer Trend zu einer immer stärkeren Schieflage ab: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Das ist sowohl Folge der einseitig auf Liberalisierung ausgerichteten Wirtschaftspolitik, als auch Ursache der aktuellen Krisensituation. Grund genug, auf die Verteilungssituation selbst einen genaueren Blick zu werfen.
Verteilung der Einkommen wird immer ungleicher
Hohe Arbeitslosenzahlen und der Trend zu prekären Arbeitsbedingungen schwächen die Lohnpolitik und verschärfen die Ungleichheit der Einkommensverteilung. In allen großen EU-Ländern sank der Anteil der Löhne/Gehälter am Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 30 Jahren um rund zehn Prozentpunkte. Umgekehrt ist das Einkommen aus Kapital gestiegen
Arm trotz Arbeit
Aber auch die Verteilung der Löhne konzentriert sich immer mehr bei Großverdiener/-innen. Dies ist ersichtlich an der Lohnspreizung innerhalb der Vollzeit- oder gleichwertig Beschäftigten. Die so genannte D9/D1 Relation ist eine Messzahl dafür, indem sie das Verhältnis zwischen dem obersten und untersten Einkommenszehntel angibt. Nur Frankreich bildet hier eine positive Ausnahme. In Großbritannien und Deutschland liegt dieses Verhältnis deutlich über 3, während es in den skandinavischen Ländern deutlich darunter liegt. Aber auch in den nördlichen Ländern nimmt die Lohnungleichheit zu, ebenso wie in vielen mittel- und osteuropäischen Staaten, etwa in Ungarn und Polen. Etwa 8,5 Prozent der Beschäftigten werden zu den "Working Poor" gezählt, das heißt, dass sie trotz Arbeit in Armutsgefahr leben.
Kluft zwischen Arm und Reich wächst
Insgesamt sind in Europa viele Menschen von Armut bedroht. Das bedeutet: 80 Millionen Menschen in der EU - 16 Prozent der Bevölkerung – lebten zum Beispiel im Jahr 2009 von einem Einkommen, das weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens in ihrem eigenen Land betrug.
Auf der anderen Seite verfestigt sich die Vermögenskonzentration an der oberen Spitze der europäischen Gesellschaft. So können sich Dollarmillionäre (gemessen am Finanzvermögen) nach der Finanzkrise erneut über ein Wachstum ihres Finanzvermögens freuen. In Europa zählen rund 3 Millionen Menschen zu dieser Gruppe; Sie besitzen gemeinsam 9,5 Billionen Dollar Geldvermögen. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten EU-Bruttoinlandsprodukts, das im Jahr 2009 bei etwa 16 Billionen US-Dollar lag.
Reichtumsuhr zeigt Ungleichheit
Auf dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Frankfurt zeigt die Reichtumsuhr wie die materiellen Güter in Deutschland verteilt sind dar. Die Berechnungen der Reichtumsuhr wurden vom DGB Hessen-Thüringen und ver.di Hessen durchgeführt.
Sie stellt die Zunahme der Nettovermögen in Deutschland - und wie viel davon das reichste Zehntel besitzt -, der steigenden Verschuldung des ärmsten Zehntels der Bevölkerung gegenüber.
Schieflage in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland am stärksten
Zwar steigt in ganz Europa die Konzentration der Einkommen und Vermögen an, es gibt aber auch relativ große Unterschiede zwischen den Staaten.
Gerade in Portugal, Spanien, Italien und Griechenland – also in jenen Staaten, die im Zuge der Krise in große Schwierigkeiten geraten sind – ist die Ungleichheit besonders groß. Die 80/20 Relation vergleicht die Einkommensanteile jener beiden Bevölkerungsgruppen, die jeweils zu den obersten 20 Prozent und den untersten 20 Prozent der Einkommensbezieher/-innen gehören. In Portugal, Griechenland und Spanien beträgt die 80/20 Relation 6. Im EU-Schnitt macht sie knapp fünf aus. In Österreich liegt dieses Verhältnis immerhin noch bei etwa 4. Auch die Armutsgefährdungsquoten 2009 zählen in Griechenland (19,7 Prozent), Spanien (19,5 Prozent) und Italien (18,4 Prozent) zu den höchsten im Euroraum.
Quellen:
- Euromemorandum 2010/2011
- Eurostat
- O´Farrell Rory, Income and Inequality, in: Benchmarking Working Europe 2011, ETUI, Brüssel 2011
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