Einkommensschere im Innviertel: Krise wird die Ungleichheit verschärfen
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Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hat im Auftrag der AK die Einkommensentwicklung in Oberösterreich genau analysiert. Dabei zeigte sich, dass auch im Innviertel die Ungleichheit zugenommen hat. Vor allem die Schere zwischen den höheren und niedrigeren Einkommen sowie zwischen Männer- und Fraueneinkommen ging stark auseinander.
Mit 1830 Euro monatlich bietet Braunau den dort Beschäftigten die oberösterreichweit fünfthöchsten mittleren Bruttoeinkommen. In Ried und Schärding betragen die Medianeinkommen (= die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger) 1750 bzw. 1700 Euro.
Frauen verdienen um 30 Prozent weniger
Der Unterschied zwischen Männer- und Fraueneinkommen ist im Innviertel sehr groß. Frauen verdienen in Schärding nur 59,2 Prozent des Männereinkommens, in Ried und Braunau sind es knapp 62 bzw. rund 63 Prozent. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung bekommen Frauen fast 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
Krise wird Ungleichheit verschärfen
Die Krise wird die bestehende Einkommensungleichheit weiter verschärfen: Der Druck auf Löhne und Gehälter insbesondere bei geringer Qualifizierten steigt. „Durch Kurzarbeit und vor allem Arbeitslosigkeit müssen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Einkommenseinbußen hinnehmen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.
Dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit
Die Region Innviertel ist von der Wirtschaftskrise stark betroffen. Denn die Arbeitslosigkeit stieg im März im Vergleich zum Vorjahr um 37 (Schärding) bzw. 71 Prozent (Ried). In Braunau hat sie sich sogar verdoppelt! Im Vergleich dazu: Oberösterreichweit machte der Zuwachs 56 Prozent, im Bundesdurchschnitt 29 Prozent aus. Am stärksten betroffen sind Metallberufe, Bauberufe und Hilfskräfte. Die Zahl der Kurzarbeitenden steigt weiter.
„Einkommen müssen gerecht und sicher sein. Das ist gerade angesichts der Wirtschaftskrise wichtig für die Menschen“, fordert AK-Präsident Kalliauer die rasche Umsetzung der Konjunkturprogramme und einen öffentlichen Investitionsschub, um Arbeitsplätze zu sichern und die Beschäftigung anzukurbeln. Kurzarbeit muss finanziell abgesichert sein und mit gezielten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen kombiniert werden.
Gerechte Beteiligung am Wohlstandszuwachs
„Ich bin für eine Stärkung des öffentlichen Sektors, der qualitätsvolle Daseinsvorsorge und Einkommensgerechtigkeit garantiert und Arbeitsplätze schafft“, so Kalliauer. An die Unternehmen richtet sich die Forderung nach einer gerechten Beteiligung der Beschäftigten am Wohlstandszuwachs durch an der Produktivität orientierte Reallohn- und Gehaltssteigerungen.
Bessere Einkommenschancen für Frauen erwartet sich der AK-Präsident durch die Förderung nichttraditioneller Ausbildungs- und Berufswahl von Mädchen und Buben, durch Investitionen in Kinderbetreuung und Pflege sowie die Koppelung öffentlicher Auftragsvergabe an betriebliche Gleichstellungsmaßnahmen.
Steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen
„In der Steuerpolitik brauchen wir eine stärkere Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, eine höhere Besteuerung von Vermögen und Wertschöpfung der Unternehmen sowie die Umgestaltung der Pendlerpauschale in eine einkommensunabhängige Zahlung“, fordert der AK-Präsident.
Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit droht steigende Armut. Denn während zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung armutsgefährdet sind, beträgt das Armutsrisiko bei Arbeitslosigkeit 35 Prozent. Bei ganzjähriger Arbeitslosigkeit ist gar jeder zweite Arbeitslose im Erwerbsalter armutsgefährdet (52 Prozent)! „Wir fordern daher die rasche Einführung der Mindestsicherung, die Streichung der Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe und die Erhöhung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld von 55 auf 75 Prozent“, so Kalliauer.
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