Früher Schulabbruch bleibt zentrales Problem

Das Ziel, die Quote der Schulabbrecher/-innen bis zum Jahr 2010 auf durchschnittlich zehn Prozent pro Jahrgang in Europa zu senken, wurde klar verfehlt. Im Jahr 2009 betrug die Quote immer noch 14,4 Prozent. Das Ziel, die Zahl der Schulabbrecher/-innen zu verringern, steht somit im Rahmen der Europa - 2020 Strategie erneut auf der Agenda. Der von der Europäischen Kommission vorgelegte Aktionsplan spielt jedoch den Ball an die Mitgliedsstaaten weiter. Auch das Land Oberösterreich ist gefordert.

Im Jahr 2009 zählten mehr als sechs Millionen junge Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in Europa zur Gruppe der frühen Schulabbrecher/-innen. Darunter fallen all jene Jugendliche, die das allgemeine oder berufliche Bildungssystem mit maximal einem Abschluss der Sekundarstufe I verlassen – das heißt: ohne Lehrausbildung oder ohne einen Abschluss einer weiterführende Schule (in Österreich etwa Handelsschule, AHS oder BHS). Auch wenn die Zahl seit dem Jahr 2000 europaweit um 3,2 Prozentpunkte gesunken ist, bleibt die Schulabbrecherquote in manchen Ländern dramatisch hoch: In Spanien, Portugal und Malta hatten im Jahr 2009 über 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen frühzeitig die Bildungslaufbahn verlassen. (In Österreich betrug die Quote 8,7 Prozent, in Polen, Slowenien und der Slowakei nur rund fünf Prozent.)

Schlechte Aussichten nach Schulabbruch

Die Folgen eines frühzeitigen Schulabbruches sind weitreichend. Insbesondere die Beschäftigungschancen hängen maßgeblich vom Ausbildungstand ab.

  • 52 Prozent der Schulabbrecher/-innen sind in der Europäischen Union von Arbeitslosigkeit betroffen.
  • Menschen ohne Berufsausbildung weisen geringere Einkommen auf.
  • Schulabbrecher/-innen sind häufiger in unsichere "Beschäftigungsverhältnisse".

Die Europäische Kommission verweist zudem auf längerfristige gesellschaftspolitische Auswirkungen von hohen Schulabbruchquoten. Schulabbrecher/-innen nehmen tendenziell wenig an demokratischen Prozessen teil.

Männer und Migranten/-innen überdurchschnittlich betroffen

Die Ursachen für einen frühen Schulabbruch sind vielfältig und komplex. Meist ist jedoch ein früher Schulabbruch eng mit schlechten sozialökonomischen Verhältnissen und einem Umfeld mit niedrigem Bildungsstand verbunden. Da diese Aspekte auch oft auf jugendliche Migranten/-innen zutreffen, sind sie überdurchschnittlich von einem vorzeitigen Schulabbruch betroffen. Die Schulabbrecherquote beträgt bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund 26,4 Prozent und bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund 13,1 Prozent.

Es zeigt sich auch, dass Burschen in der Pflichtschulzeit vermehrt mit Schwierigkeiten konfrontiert sind. Entsprechend ist die Schulabbrecherquote in der Europäischen Union bei männlichen Jugendlichen bei 16,3 Prozent, bei Mädchen sind es 12,5 Prozent. Die Europäische Kommission führt als mögliche Ursache auch saisonale Arbeitsmärkte ( etwa im Tourismusbereich oder im Baugewerbe) an, die Jugendliche dazu bringen, frühzeitig das Bildungssystem zu verlassen. Jobmöglichkeiten, die keine Qualifizierung voraussetzen und Aussichten auf frühes Einkommen bieten, bewegen Jugendliche oft dazu, Schule oder Berufsausbildung abzubrechen.

Die Mitgliedstaaten sind am Zug

Im Aktionsplan der EU gegen Schulabbruch wird der Ball wieder an die Mitgliedsstaaten zurück gespielt. Im Rahmen der Strategie Europa 2020 sind die Mitgliedsstaaten aufgerufen, einzelstaatliche Ziele zur Verringerung der Zahl der Schulabbrecher/-innen festzulegen. Bis Ende 2012 sollen die Mitgliedsstaaten entsprechende Strategien konzipieren und anschließend über nationale Reformprogramme umzusetzen.

Auch Oberösterreich muss etwas tun

In Österreich sind es fast 100.000 Jugendliche, die nach Ende der Schulpflicht entweder keine Lehre oder weiterführende Schule beginnen oder ohne Abschluss aus dem Bildungssystem ausscheiden. In Oberösterreich zählen laut dem Institut für höhere Studien rund 18.000 Jugendliche zu dieser Gruppe.

Auch in Oberösterreich ist die Arbeitsmarktintegration von frühen Schulabgänger/-innen die zentrale Herausforderung. Im Jahr 2010 wiesen 37 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen maximal einen Pflichtschulabschluss auf. Generell zeigt sich, dass das höchste Arbeitslosigkeitsrisiko Personen ohne Berufsausbildung haben. So ist das Arbeitslosigkeitsrisiko von gering Qualifizierten beinahe drei Mal so hoch wie jenes von Personen mit einem Lehrabschluss.

Um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, müssen Jugendliche besser ausgebildet werden. Hierfür braucht es jedoch keine Einzelmaßnahmen, sondern bereichsübergreifende Strategien, die auch das Lebensumfeld von Jugendlichen mitberücksichtigen. Von einer derart umfassenden Strategie der Jugendqualifizierung ist (Ober-)Österreich jedoch noch weit entfernt.

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