Schon jeder vierte Schüler jobbt nebenbei
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Zusätzlich zur Schule einen oder mehrere Jobs – dieser Trend nimmt stark zu: 67 Prozent der Wiener Schüler/-innen haben bereits Erfahrungen in einem bezahlten Job. Schon jede/r Vierte arbeitet nicht nur in den Ferien, sondern auch während des Schuljahres.
Aber fast die Hälfte davon bewegt sich im Graubereich: 44 Prozent der berufstätigen Schüler/-innen sind entweder gar nicht angemeldet – oder sie kennen ihre Beschäftigungsform nicht. Viele SchülerInnen machen ihre ersten Berufserfahrungen also ohne Absicherung, mit einem mageren Einkommen und in unqualifizierten Jobs, die nichts mit der Schulausbildung zu tun haben.
- Die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie
- Alarmierend: Soziale Absicherung oft mangelhaft
- Was die Arbeiterkammer will
- Zwei Drittel der Schüler/-innen an Wiener Oberstufenschulen haben schon einmal eine bezahlte Tätigkeit ausgeübt (67 Prozent).
- Über die Hälfte der Wiener Schüler/-innen hatte in der zweiten Jahreshälfte 2006 einen bezahlten Job (52 Prozent).
- Schon jede/r Vierte arbeitet auch während des Schuljahres (27 Prozent). Folgen: Überforderung, Leistungseinbrüche, Klassenwiederholungen, Schulabbrüche.
- Der Graubereich ist erschreckend: 44 Prozent der während des Schuljahres berufstätigen Schüler/-innen sagen entweder, dass sie gar nicht angemeldet sind, oder dass sie nicht wissen, ob/in welchem Arbeitsverhältnis sie stehen. Dem arbeits- und sozialrechtlichen Missbrauch ist damit Tür und Tor geöffnet.
- Mädchen arbeiten deutlich häufiger als Burschen neben der Schule, verdienen dabei weniger und können diese Tätigkeit in geringerem Ausmaß für ihre späteren beruflichen Aktivitäten nützen.
- Jede/r Zweite sagt, der Job stehe in keinem fachlichen Zusammenhang mit der Schulausbildung.
- bessere Vorbereitung der Schüler/-innen auf die Arbeitswelt durch die Schule
- Erweiterung der Lehrpläne um arbeits- und sozialrechtliche Kenntnisse und entsprechenden Wissenserwerb
- Lehrer/-innenausbildung im Themenbereich Arbeitswelt deutlich ausbauen
- Ausbau der Schüler/-innenbeihilfen, damit kein/e Schüler/-in gezwungen ist, zu arbeiten
- Ausgangspunkt für die Untersuchung: Inwiefern Berufstätigkeit oder das Jobben von Jugendlichen während ihres Schulbesuchs ein verbreitetes Phänomen ist, ließ sich bisher generell nicht beantworten. Einen ersten Hinweis hat eine schulinterne Erhebung der Schulen des bfi Wien in einem Kooperationsprojekt mit ihrer Partnerschule in Bratislava erbracht. Ergebnis war, dass eine erhebliche Anzahl von SchülerInnen auch während des Schuljahres einen Nebenjob hat und das Einkommen unter anderem auch für Lebenshaltungskosten oder das Schulgeld brauchen – nicht ausschließlich zur Aufbesserung des Taschengelds.
- Datengrundlage: Im Dezember 2006 wurden 1.500 Wiener Schüler/-innen ab der 10. Schulstufe in den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS), Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) und Berufsbildenden Mittleren Schulen (BMS) befragt. Zu diesen Schultypen zählen zum Beispiel Gymnasien, Höhere Technische Lehranstalten (HTL), Handelsakademien (HAK), Schulen für wirtschaftliche Berufe und für Tourisms (HUM) und Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP). Diese Schulformen umfassten im Schuljahr 2004/2005 insgesamt 53.000 Schüler/-innen in Wien.
Alarmierend: Soziale Absicherung oft mangelhaft
Über die Hälfte (52 Prozent) der Schüler/-innen hatte im Zeitraum Juli bis Dezemeber 2006 einen bezahlten Job – in den Ferien, viele aber auch während des Schuljahres.
Jeder vierte Schüler arbeitet auch während des Schuljahres
Von ihnen arbeiten 37 Prozent regelmäßig und 63 Prozent gelegentlich. Etwa die Hälfte arbeitet am Samstag, über 40 Prozent wochentags und immerhin 18 Prozent auch am Sonntag.
Fast die Hälfte ohne soziale Absicherung
44 Prozent der berufstätigen Schüler/-innen sagen entweder, dass sie gar nicht angemeldet sind oder dass sie nicht wissen, ob/in welchem Arbeitsverhältnis sie stehen. Das heißt: Diese Schüler/-innen arbeiten ohne Netz, und dem arbeits- und sozialrechtlichen Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet. Besonders hoch ist die Unwissenheit über die Beschäftigungsform bei den Schüler/-innen in der AHS, der HTL und den Bundesanstalten für Kindergartenpädagogik sowie in den unteren Schulstufen.
Arbeit unterm Schuljahr: So prekär sind Schüler beschäftigt
- Gastronomie (31%)
- Verkauf (20%)
- Babysitten (18%)
Jobs stehen oft in keinem fachlichen Zusammenhang
Für 56 Prozent der Schüler/-innen steht ihr Job in keinem fachlichen Zusammenhang mit der Schulausbildung, insbesondere an der AHS. Am größten ist der Zusammenhang an den wirtschaftlichen und Tourismusschulen. Aber immerhin die Hälfte gibt an, dass sie die im Job gesammelten Erfahrungen in der Schule brauchen können. 40 Prozent können diese auch aktiv in den Unterricht einbringen.
Starke Zusatzbelastung zu Lernen und Unterricht
Die Belastung für jobbende Schüler/-innen ist hoch, da zusätzlich zu den 30 bis 40 Unterrichtsstunden laut Lehrplan noch Freigegenstände dazukommen – und jedenfalls bis zu zehn Wochenstunden für Hausaufgaben und Lernen. Das gilt jedenfalls für fast die Hälfte der jobbenden SchülerInnen: 44 Prozent arbeiten wöchentlich mehr als 6 Stunden (genau: 34 Prozent 6-10 Stunden, 7 Prozent 11-20 Stunden, 3 Prozent mehr als 20 Stunden). Die Gefahr: Wenn es zwischen Schule und Job zu großen Druck gibt (hier spielt sicher auch der Gruppendruck eine große Rolle), kommt es zu Vereinbarkeits-Problemen und möglichen Leistungseinbrüchen, bis hin zu Klassenwiederholungen und Schulabbrüchen.
Bescheidener Lohn
Bezahlt werden die jobbenden Schüler/-innen zum Großteil nach Stunden. Ihr Einkommen liegt zwischen 5 und 10 Euro pro Stunde – über zwei Drittel der Schüler/-innen geben diesen Wert an. 13 Prozent bekommen mehr als 10 Euro pro Stunde. Beim Lohn gibt es ein Gefälle zwischen Mädchen und Burschen: Von den Burschen verdienen 17 Prozent mehr als 10 Euro, bei den Mädchen sind es nur 11 Prozent.
Für die Familie dazuverdienen
Insgesamt nennen immerhin 17 Prozent als Grund für ihre Berufstätigkeit, dass sie Geld zur Unterstützung der Familie verdienen wollen oder müssen. Diese Zahl steigt auf 28 Prozent bei den Schüler/-innen, deren Eltern nur Pflichtschulabschluss haben. Logischer Zusammenhang: Haben die Eltern nur Pflichtschulabschluss, ist für normal auch das Familieneinkommen niedrig.
Als weitere Gründe für ihre Berufstätigkeit nennen die Mädchen und Burschen: Unabhängigkeit durch eigenes Geld; Interesse und Spaß an der Arbeit; Sammeln von praktischer Berufserfahrung; Kontakte für die zukünftige berufliche Tätigkeit. Auffallend auch hier wieder die Unterschiede zwischen Burschen und Mädchen: Die Mädchen dominieren bei Interesse und Spaß an der Tätigkeit, die Burschen liegen jedoch bei "Kontakten für zukünftige berufliche Tätigkeiten" klar vorn.
Nachteile durch die Kombination von Schule und Job
Neben Schule und Arbeit bleibt kaum Freizeit: 40 Prozent sagen, das trifft völlig/trifft eher zu. Zu wenig Zeit für die Vorbereitung auf Schularbeiten, Prüfungen und Hausaufgaben: das sagen 22 Prozent. Wenn jedoch die wöchentliche Arbeitszeit auf über 10 Stunden steigt, steigen auch diese Werte auf bis zu 60 Prozent.
Mädchen arbeiten häufiger während des Schuljahres
Während die Burschen vermehrt in den Sommerferien arbeiten, sind die Mädchen während des Schuljahres deutlich häufiger berufstätig: Im Dezember 2006 gaben 16 Prozent der Mädchen an, in diesem Monat berufstätig zu sein, hingegen nur 11 Prozent der Burschen. Hingegen befinden sich in den gut bezahlten Jobs überproportional Burschen, und die Mädchen arbeiten weniger Stunden in der Woche. Dieser Unterschied kann für Mädchen bereits der Einstieg in auf Dauer untypische Arbeitsverhältnisse sein, in denen Frauen insgesamt öfter arbeiten als Männer. Geschlechtsspezifische Unterschiede sind auch beim Einstieg der jungen Generation in die Arbeitswelt stark ausgeprägt.
Chancen, aber auch Risken
Für die Studie zusätzlich befragte Experten/-innen (Lehrer/-innen, Psychologen/-innen ...) stehen der Entwicklung nicht generell ablehnend gegenüber. Sie fordern allerdings mehr Bezug und mehr Nutzen der Erwerbstätigkeit zur und für die Ausbildung. Gefahren sehen sie in zu großer Belastung und in Beschäftigungsverhältnissen im Graubereich der Arbeitswelt.
zum Seitenanfang Was die AK will- Im Unterricht muss es mehr Informationen und eine stärkere Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt geben: Kenntnisse über Rechte und Pflichten in der Arbeitswelt, notwendige Qualifikationen zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt, Wissen über Interessenvertretungen in der Arbeitswelt sollen einen wichtigen Stellenwert im Lehrplan bekommen. So können die Schüler/-innen einen Zusammenhang zwischen dem Unterricht und ihren Berufserfahrungen herstellen – das wertet auch die Schulausbildung auf, und die praktische Tätigkeit im Beruf kann die theoretische Auseinandersetzung in der Schule bereichern.
- Lehrer-/innen müssen unterstützt werden, damit sie die SchülerInnen deutlich besser auf die Arbeitswelt vorbereiten können. Gleichzeitig sollen die LehrerInnen sensibilisiert werden, eine mögliche Überforderung der SchülerInnen durch zu hohen Zeitdruck rechtzeitig zu erkennen und rechtzeitig Hilfe anzufordern. Dazu bedarf es einer Schwerpunktsetzung in der LehrerInnenaus- und -weiterbildung und einer Überarbeitung der Lehrpläne. Kritik von AK und GPA-DJP: Die Ausbildung der LehrerInnen ist gegenwärtig kaum auf die künftige Arbeitswelt der SchülerInnen hin ausgerichtet, abseits der Schule haben sie zumeist wenig Erfahrungen mit der Arbeitswelt.
- Betriebe müssen besser darüber informiert werden, unter welchen Bedingungen sie Jugendliche beschäftigen dürfen. Dazu soll es auch Kontrollen geben. So kann verhindert werden, dass sich das Jobben von SchülerInnen unter schlechten Arbeitsbedingungen weiter ausbreitet.
- Bessere Information der Schüler/-innen über ihre Rechte in der Arbeitswelt: Die jugendlichen Berufstätigen brauchen dringend Hilfestellung bei ihrem Eintritt in den Arbeitsmarkt. Jugendliche müssen ihre Rechte am Arbeitsplatz kennen, damit sie nicht ausgebeutet werden. Die GPA-DJP-Jugend bietet arbeits- und sozialrechtliche Information, Beratung und Hilfestellung.
- Die Schüler/-innenbeihilfen sollen ausgebaut werden, damit kein Jugendlicher gezwungen ist zu arbeiten. Dabei sind die Beihilfen nicht nur an die jährliche Inflation anzupassen, sondern auch unabhängig vom Notendurchschnitt und nur nach sozialen Aspekten zu gewähren.
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Kontakt
AK Oberösterreich
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