Konsequenter AK-Einsatz für Kinderbetreuung wirkt, aber: Nur drei „1A-Gemeinden“ im Bezirk Steyr-Land

Vor zwölf Jahren hat die Arbeiterkammer Oberösterreich den ersten Kinderbetreuungsatlas präsentiert. Seither ist das Angebot in den oberösterreichischen Gemeinden wesentlich besser geworden. Verbesserungen gab es auch im Raum Steyr. Betreuungsangebote, die tatsächlich eine Vollzeitbeschäftigung der Eltern ermöglichen, sind allerdings immer noch rar. In den Bezirken Steyr und Steyr-Land gibt es drei „1A-Gemeinden“.

Als Maßstab für das Ermöglichen einer Vollzeitbeschäftigung haben wir heuer bereits zum zweiten Mal den Vereinbarkeitsindikator für Beruf und Familie (VIF) herangezogen, der für Kindergärten folgende Kriterien vorsieht:

  • mindestens 45 Stunden wöchentliche Öffnungszeit, werktags Montag bis Freitag
  • an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet
  • Angebot Mittagessen
  • maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen

Jene Gemeinden, die alle diese Voraussetzungen erfüllen, haben wir als „1A-Gemeinden“ besonders positiv hervorgehoben.

1A sind im Raum Steyr drei Gemeinden (Adlwang, Wolfern und Steyr) bzw. 14,3 Prozent aller Gemeinden im Bezirk. Steyr-Land liegt somit über dem Oberösterreich-Durchschnitt, der allerdings auch nur bei 11,7 Prozent liegt, hat aber gegenüber dem Vorjahr um eine 1A Gemeinde weniger.

Von den landesweit 66 Gemeinden, die ihre Angebotssituation seit dem Vorjahr verbessern konnten, fällt eine auf den Bezirk Steyr-Land. Gleichzeitig haben landesweit 44 Gemeinden, davon drei aus Steyr-Land, ihr Angebot eingeschränkt.

In Waldneukirchen wurden die Öffnungszeiten erweitert. In Aschach a.d.S. haben sich die Öffnungszeiten verschlechtert. In Maria Neustift gibt es keine Mischgruppe für Kinder unter drei Jahren mehr und in Sierning haben sich die jährlichen Schließzeiten verschlechtert.

Auch wenn der von der AK geforderte Gratiskindergarten und der Ausbau der Kindergärten tendenziell zu einer Verbesserung des Angebots für Eltern und Kinder geführt haben, ist die Situation in Steyr-Land nach wie vor alles andere als zufriedenstellend. Nur zwölf der insgesamt 21 Gemeinden (57,2 Prozent) fallen in die zweitbeste Kategorie „A“ und haben sowohl ein Angebot für Unter-Dreijährige und Volksschulkinder als auch einen Kindergarten mit Mittagessen und Öffnungszeiten von mehr als acht Stunden täglich (OÖ: 44,6 Prozent).

In 19 Prozent der Gemeinden (OÖ 23,9 Prozent) gibt es kein Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren, in 33,3 Prozent keine Betreuung für Volksschulkinder (OÖ: 32,2 Prozent). 28,6 Prozent der Gemeinden bieten kein Mittagessen im Kindergarten (OÖ: 27,7 Prozent), und 38,1 Prozent haben Kindergärten, die weniger als acht Stunden täglich geöffnet sind (OÖ: 45,7 Prozent).

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt also schwierig, trotz aller Verbesserungen. Damit Elternschaft, Förderung der Kinder und Beruf (auch Vollzeit!) vereinbar sind, bedarf es gut funktionierender, qualitätsvoller Kinderbetreuungseinrichtungen mit entsprechenden Öffnungszeiten.

Großen Nachholbedarf sieht AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer bei ganztägig geführten Schulen: „Wenn Unterricht, Förderung, Sport, Kreativität und Freizeit einander abwechseln, profitieren Kinder und Eltern davon. Nachhilfe wird überflüssig, nach der Schule sind keine Hausaufgaben mehr zu machen. So bleibt für die Eltern mehr Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen können.“

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