Neue Mittelschule

Die „Neue Mittelschule“ (NMS) in der derzeitigen Form sind Hauptschulen, in denen Unterrichtsformen und Methoden Standard sind, welche an einzelnen Standorten zwar schon bisher möglich, aber nicht generell üblich waren. An NMS sollen Schüler/-innen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und sozialer, kultureller und sprachlicher Herkunft gemeinsam unterrichtet werden und gegenseitig davon profitieren („soziales Lernen“). Innere Differenzierung, individualisierter Unterricht und gezielte individuelle Förderung sollen dies ermöglichen. Wesentliches Merkmal ist auch die Kooperation zwischen Hauptschulpädagog/-innen und Pädagog/-innen von höheren Schulen. NMS erhalten pro Klasse und Woche 6 zusätzliche Lehrerstunden. Es gilt der Lehrplan der AHS-Unterstufe – Ziel ist, die Bildungschancen der Kinder zu erhöhen und möglichst vielen einen Zugang zu höherer Bildung zu ebnen. Nicht zuletzt deshalb sind NMS bei Eltern und Schüler/-innen stark nachgefragt.
Mehr Infos: www.neuemittelschule.at

Schulversuch als Kompromisslösung

Weder eine flächendeckende noch eine regional begrenzte Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen war in Österreich realpolitisch nicht mehrheitsfähig. Nachdem die schulpolitischen Konzepte der Regierungsparteien in der Frage einer gemeinsamen Mittelstufe weit auseinandergehen, wurde das Modell „Neue Mittelschule“ nur als Schulversuch eingeführt. Das bedeutet einerseits, dass bundesweit nur eine begrenzte Zahl NMS entstehen kann (das geltende Schulrecht lässt maximal 10 % der öffentlichen Pflichtschulklassen hiefür zu – neben diesen Restriktionen ist auch noch darauf hinzuweisen, dass darüber hinaus jeweils eine 2/3-Mehrheit der Eltern und der Lehrer/-innen vor Ort für die Umwandlung einer Hauptschule in eine NMS sein musste). Andererseits sind Versuche eben zeitlich beschränkt. Nach Ablauf dieser Zeitspanne wird nachzuweisen sein, ob und inwieweit die erklärten Ziele der NMS erreicht wurden.

Standorte in OÖ

Im Schuljahr 2010/11 gibt es in OÖ 48 NMS. 29 zusätzliche Anträge konnten aufgrund der bestehenden schulrechtlichen Bestimmungen nicht genehmigt werden. Eine Übersicht über alle Standorte finden Sie auf www.neuemittelschule.at

KOMMENTAR: NMS – quo vadis?

Zweifelsohne ist der konzeptive und ressourcenmäßige Mehraufwand für NMS ein Qualitätsvorteil, von dem alle Beteiligten profitieren können. In diesem Sinn ist zu hoffen, dass die Entwicklungsarbeit der NMS möglichst viele Früchte trägt.

Aus Sicht der Arbeiterkammer darf die NMS jedoch kein Provisorium bleiben, das neben Gymnasium und Hauptschule als dritter Schultyp geführt wird. Zudem muss erwähnt werden, dass die Beteiligung von AHS-Unterstufen am Modell NMS minimal ist. Und: Selbst wenn alle Hauptschulen in NMS umgewandelt würden, löst dies nicht die Probleme im österreichischen Schulwesen: Höhere Bildung wird in hohem Maß vererbt. Es wird zu früh und zu viel selektiert und am Ende der Pflichtschulzeit bleibt Jahr für Jahr mindestens ein Fünftel junger Menschen über, das mit großen Mängeln in Grundfertigkeiten wie Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften große Anschlussprobleme in Arbeitsmarkt und Gesellschaft haben wird! Das kann und soll sich keine Gesellschaft leisten, die auch weiterhin eine Wohlstandsgesellschaft bleiben will.

Während sich Expert/innen weitgehend davon überzeugt sind, dass nur eine ressourcenmäßig gut ausgestattete gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen kann und nicht zwangsläufig zu schlechteren Leistungsniveaus führt (wie ja oft wider besseres Wissen behauptet wird), haften entscheidende Teile der Politik weiterhin der Ideologie der Selektionsschule an.

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