"Kunst am Bau" der Arbeiterkammer Oberösterreich

Die künstlerische Gestaltung der Arbeiterkammer soll Identifikation nach innen und außen stiften und das Gebäude nach den Prinzipien der AK repräsentieren.

Die künstlerischen Projekte sollen sich mit den räumlichen Gegebenheiten auseinander setzen und durch besondere Akzente, die im Einklang mit der Architektur stehen und die positiv und aktivierend auf die Menschen wirken, gekennzeichnet sein. Kunst soll Transportmittel, ein Motivator zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen und Unterstützer für Verständnis und sinnliche Wahrnehmung für die Menschen sein.

Geladener Wettbewerb:

Zwölf Künstler/-innen bzw. -gruppen wurden von der Arbeiterkammer eingeladen, Projektvorschläge und Ideen für die Arbeiterkammer zu entwickeln. Aus diesen wurden fünf Künstler/-innen von der Jury ausgewählt, die ihre Konzepte umsetzen werden.

Teilnehmende Künstler/-innen am geladenen Wettbewerb:

  • Iris Andraschek & Hubert Lobnig, Wien
  • Sabine Bitter & Helmut Weber, Wien
  • Max Eichbauer, Linz
  • Gabriele Gruber-Gisler, Ried/T. und Schweiz
  • Norbert Hinterberger, Weimar
  • Brigitte Kowanz, Wien
  • Chico MacMurtry, amorphic robot works, New York
  • Markus Huemer, Berlin/Köln
  • Melitta Moschik, Graz
  • Leo Schatzl, Wien
  • Bildhauerei - Transmedialer Raum, Inst. f. Bildende Kunst, Linz
  • Ursula Witzany, Linz

Jury:

Arch. Peter Riepl, Architekturbüro Riepl & Riepl
Mag. Katharina Blaas, Beauftragte f. Kunst im öffentlichen Raum, Land NÖ
Dr. Anselm Wagner, Kunsthistoriker und Kritiker, Salzburg/Graz
Dr. Claudia Büttner (D), Kuratorin
Dir. Mag. Siegbert Janko, Leiter Linz.Kultur
Stv.Dir. Dr. Manfred Polzer, AK OÖ.
Georg Bachmaier, ÖAAB-Bezirkssekretär

Beschreibung der ausgewählten Projekte

Brigitte Kowanz: "Kommunikative Zonen und Transferräume – reale und virtuelle Übergänge"

Sie lebt und arbeitet in Wien; 1975 - 1980 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien.

Bistro

Spiegelwände im Bistro lassen den Übergang zwischen Realität und virtuellem Raum durch einen mit Neonleuchten gezogenen Schriftzug verschwimmen. Personalpronomen im Dativ, also persönliche Fürwörter im 3. Fall (das sind mir, dir, ihm, ihr, uns, euch, ihnen) werden in Lautschrift gezeigt und erschweren dem Leser die Abgrenzung zwischen Geschriebenem und Gesprochenem und somit zwischen Realität und Virtualität.
Personalpronomen sind Wörter, die für andere Wörter stehen und auf Beziehungen zu Mitmenschen und den damit verbundenen Handlungen hinweisen. Sie stehen somit für eine fundamentale Aufgabe der Arbeiterkammer: Persönliche Beratung und Unterstützung ihrer Mitglieder.

Lift und Übergang Weingartshofstraße

Übergänge und Transferräume, einerseits die Verbindung von AK- und ÖGB-Gebäude, andererseits der zentral gelegene Lift, sind Orte der ständigen Bewegung.

 

Dort angebrachte rote Streifen verändern die Wahrnehmung der Umgebung. Ihre versetzte Anordnung erzeugt vielfältige Ein- und Ausblicke genauso wie Undurchsichtigkeit und Einheit, abhängig vom Standort und der Bewegung.

 

Ursula Witzany:

geboren 1970 in Linz; Studium an der Kunstuniversität Linz und an der Kunstakademie Düsseldorf; diverse Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland sowie Kunst am Bau Projekte.

Büroverglasung

Vollständige Texte der Bücher: "Der flexible Mensch" von Richard Sennett und "Das Imperium der Schande" von Jean Ziegler

In den lichtdurchfluteten und durch Glasflächen abgegrenzten Büros sollen Durchsichtigkeit und Offenheit, genauso wie Privatsphäre und ein angenehmes Arbeitsklima herrschen.
Ursula Witzany erzeugt diese Stimmung durch Aufbringen von Schriftzügen mittels teilweise durchsichtiger Folien. So zieht sich der Inhalt zweier Bücher gut lesbar auf den Glasfronten durch das ganze Gebäude. Die zwei Werke wurden sorgfältig ausgewählt. Sie behandeln die Veränderung der Arbeit sowie die Folgen von Kapitalismus und Globalisierung und stellen so eine Verbindung und Identifikation mit der Arbeiterkammer her.

Rainer Nöbauer:

geboren 1979 in Linz; Ausbildung zum Bildhauer in Hallstatt
Studium an der Kunstakademie Linz Ausstellungen (Schaurausch Linz09) im Raum Linz, Steyr u. a.

"Roter Faden"

Unter einem roten Faden versteht man einen leitenden und verbindenden Grundgedanken. Zur Entstehung dieser Redewendung gibt es einige Theorien. Ein Ursprung könnte in der griechischen Mythologie zu finden sein: Prinzessin Ariadne rollt im Labyrinth des Dädalus einen roten Faden ab und übergibt ihn Theseus. Mit Hilfe des Fadens konnte Theseus wieder zum Eingang des Labyrinths zurückfinden, nachdem er den Minotaurus getötet hatte.
Auch durch die Arbeiterkammer zieht sich der rote Faden. Ein rotes, sich bewegendes Seil taucht an verschiedenen Stellen im Gebäude auf und lässt sich einmal horizontal, vertikal oder schräg blicken. Der Faden symbolisiert Zusammenhalt und Richtlinie; er sucht sich seinen Weg durch die Arbeiterkammer und bildet eine Einheit. Vom Eingang betrachtet leitet der Faden den Weg, als Ganzes gesehen zeigt er Zusammengehörigkeit, bietet Unterstützung und Hilfe.
Die motorbetriebene Bewegung des roten Seile zeigt: "Gemeinsam können wir etwas bewegen".

 

Elisabeth Kramer/ Simon Hipfl: "Ist das unser Aktionsradius?"

Elisabeth Kramer wurde 1980 in Burghausen geboren, lebt in Linz; Holzbildhauerin und Buchhändlerin; seit 2006 Studium Bildhauerei/transmedialer Raum; Diverse Ausstellungsbeteiligungen

Simon Hipfl wurde geboren 1975 und lebt in Peuerbach; Ausbildung zum Luftfahrzeugtechniker; seit 2006 Studium an der Kunstuniversität Linz Bildhauerei/transmedialer Raum

Eine weiße, unauffällige Wand wird im Vorbeigehen zur Kommunikationsfläche. Mittels Bewegungsmelder werden beim Vorbeigehen Satzfragmente oder Weisheiten auf die Wand geworfen, die z.B.: lauten: "gelegentlich pikant", "Noch einmal ist unser Wunsch" oder "Gehen neben dem Weg", u.v.m.

Ohne Schnörkel oder Verzierung zeigen sich die einzelnen Worte und stellen sich so unvermittelt und überraschend den Besucher/-innen. Diese ungewöhnliche Art des Kommunizierens regt zum Nachdenken und Innehalten an. Sie fordert uns auf, einen kurzen Moment lang dem Alltag zu entfliehen und die Botschaft auf uns wirken zu lassen. Die sichtbar gemachte Sprache wird intensiver wahrgenommen und öffnet so Wege zu neuen Denkweisen, Ansichten und Diskussionen.

Leo Schatzl: Vertical Anaglyph Patterns

Er wrude geboren 1957 in Obernberg/Inn, lebt in Wien; 1980 – 1987 Studium an der Kunsthochschule in Linz (Visuelle Gestaltung, Metallgestaltung); seit 1992 Lehrauftrag an der Kunstuniversität Linz; Teilnahme an der Biennale in São Paolo 2004 und zahlreiche Ausstellungen und Projekte im öffentlichen Raum

Leo Schatzl setzt sich spielerisch mit gesellschaftlichen Prozessen und öffentlichen Räumen auseinander und erzeugt virtuelle Örtlichkeiten, die unsere Sehgewohnheiten täuschen. Neben der Wahl ungewöhnlicher Schauplätze (Hinterhöfe, Steinbrüche, Lokale oder anderen öffentlichen Räume) entwickelt der Künstler ein starkes Interesse für gesellschaftliche Randzonen.
Die Strukturen auf großen Flächen im Arbeiterkammergebäude manipulieren unsere Sinne und erzeugen ein dreidimensionales Erscheinungsbild. Wände wirken durch die speziellen Strukturen weich, gewellt und durchdrungen. Die Illusion lässt Wände ohne störende Übergänge in das Gesamtbild des Gebäudes einfließen.

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