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Crossing Europe 2007 - Arbeitswelten: Umbrüche und Aufbrüche

"Mobilität" ist neben "Flexibilität" eine jener Eigenschaften, die in der globalisierten Wirtschaft Arbeitnehmer/-innen abgefordert wird. Der Arbeitswelten Schwerpunkt des Linzer Filmfestivals Crossing Europe zeigte fünf dokumentarische Filmarbeiten, die sich mit der Kluft zwischen dem Lokalen und dem Globalen beschäftigen. Die Verhältnisse sind im Umbruch, ob in China, in Indien, den USA oder Österreich. Identitäten vermischen sich und wir müssen uns dem anpassen und uns und unsere Arbeit neu definieren oder erfinden.

  • "John & Jane" IND 2005, Regie: Ashim Ahluwalia, 83 min
    Junge Inder, die nachts in 14-Stunden-Schichten telefonieren und die Tage in der tropischen Hitze verschlafen. Sie arbeiten in den USA, wenn sie Topfsets und Telefonanschlüsse in Kentucky oder Idaho verkaufen, und leben in einem Indien, aus dem sie noch nie weggekommen sind. John & Jane gibt sechs jungen Call-Agents, die in dieser virtuellen Realität zuhause sind, ein Gesicht: Sie bewegen sich zwischen riesigen Einkaufszentren und gläsernen Büros, absolvieren Selbstfindungskurse und Job-Schulungen.
    Ihre futuristisch anmutende Welt ist kein Zukunftsszenario – es ist die globalisierte, verkabelte Welt des 21. Jahrhunderts, in der wir leben.

  • "Die Unzerbrechlichen" D 2006, Regie: Dominik Wessely, Marcus Vetter, 93 min.
    Fünfhundert Jahre Tradition starben mit dem Konkurs der bayrischen Kristallglas-Manufaktur Theresienthal. Eine Gruppe junger Idealisten schaffte den Neuanfang. Eine Langzeit-Beobachtung. Seit einigen Jahren ist die Region wirtschaftliches Krisengebiet und ein Großteil der Glasarbeiter arbeitslos. Auftritt der Sanierer: Zwei Berater-/-innen und eine Stiftung machen die Probe aufs Exempel, dass der globale Markt gerade mittels lokaler Produkte, regionaler Qualität und einer Marke, die aus einer spezifischen, gewachsenen Identität schöpft, „geknackt“ werden kann. Der Film beobachtet, wie aus den kalten Schlacken der Glashütte neue Produktivität erwächst, aus einer kulturellen Tradition Kapital, eine Marke wird. Die Zweifel der Arbeiter/-innen und die Anstrengungen, derer es bedarf, sich „neu zu erfinden“, gehen hinter dieser Erfolgsgeschichte (die Hütte reüssiert, und das Gespenst Arbeitslosigkeit wird nachhaltig gebannt) nicht verloren. Im Anschluss eine Diskussion mit Herbert Schnetzinger, AK-Insolvenzrecht, am Beispiel Inn Crystal Braunau und Augarten Manufaktur.
    Anschließend Diskussion mit Mag. Herbert Schnetzinger, Insolvenzexperte der AK.

  • "Losers and Winners" D 2006, Dokumentarfilm von Ulrike Franke und Michael Loeken, 96 min
    400 chinesische Arbeiter zerlegen im Ruhrgebiet die Kokerei Kaiserstuhl in Einzelteile und verschiffen sie in ihre Heimat: Abbruch West – Aufbau Fernost.
    Die letzten Dortmunder Koker müssen den Chinesen dabei helfen, ihren eigenen Arbeitsplatz abzubauen.
    Zwei Welten treffen aufeinander. Doch wer ist am Ende Gewinner, wer Verlierer, wenn die Arbeit samt "Wirtschaftswunder" auswandert und eine deutsche Region das Phänomen Globalisierung auf einmal ganz konkret am eigenen Leib zu spüren bekommt, während im Reich der Mitte täglich neue Visionen entstehen und vergehen?
    Anschließend Diskussion mit Hermann Krist, NR-Abg. und ehem. Betriebsrat der Firma Optyl, ein oö. Betrieb, welcher ebenfalls nach Italien verlegt wurde.

  • "Stuttgart-Shanghai" D2006, Regie: Sandra Jakisch
    Iris und Mark haben sich entschieden, nach China auszuwandern. Die Akademiker sind Anfang 20 und glauben nicht mehr, dass Deutschland ihnen Perspektiven bieten kann. Iris ist schwanger und bekommt ihr Kind in der Fremde. Mark versucht, in der Textilfabrik seines Vaters in der chinesischen Stadt Ningbo Fuß zu fassen. In dem Textilmoloch liegen die globalisierten Träume des Paars bald im Staub.

  • "Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde" Produktion: Abbildungszentrum / Jan Peters 15 min
    Als polemischer Kommentar zu eben dieser Forderung nach Flexibilität steht Jan Peters’ Miniatur „Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde“ am Schluss der Arbeitswelten. Während mysteriöse Schläuche von der Decke nach unten baumeln wird am Flughafen Frankfurt das Prinzip Eigeninitiative vorgeführt – Mittdreißiger als Teil der Generation Praktikum, Zweitjobs um eine Berufsausbildung überhaupt finanzieren zu können, Pfandflaschensammeln als Zuverdienst zum Arbeitslosengeld und ein Filmregisseur als freier Reisebegleiter. Menschen suchen und (er)finden Arbeit – "Lauter einsame Ich-AGs auf einem Flughafen voller Schimmelpilz". Anschließend Diskussion mit dem Regisseur Jan Peters.

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