Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat Angebote für fondsgebundene Lebensversicherungen eingeholt und auf Flexibilität, Kostentransparenz sowie Risikoaufklärung geprüft. Vor allem bei der Risikoaufklärung gibt es Handlungsbedarf: Zu selten finden sich in den Unterlagen klare Hinweise darauf, dass im schlimmsten Fall auch das gesamte Kapital verloren gehen kann.
Es wurde je ein Angebot für eine 35-jährige Frau und einen 35-jährigen Mann eingeholt: mit 25-jähriger Prämienzahlung von 100 Euro monatlich (gesamte Bruttoprämie 30.000 Euro), ausgewogene Fondsveranlagung (mittleres Risiko), minimaler Ablebensschutz. Zwölf Anbieter haben uns entsprechende Angebote zugesandt.
Unseren Test zu den fondsgebundenen Lebensversicherungen können Sie herunterladen (pdf/23 kb).
Insgesamt ist das Ergebnis hinsichtlich der Kostentransparenz sehr erfreulich. Die meisten Anbieter liefern Prozent-Angaben zu Abschlusskosten, laufenden Kosten und Abzügen bei vorzeitiger Vertragsauflösung. Bei den Angeboten der FinanceLife/UNIQA und der Wiener Städtischen sind diese Angaben leider vergleichsweise dürftig. In den Bedingungen der Merkur Versicherung wird dazu nicht auf die konsumentenfreundliche Gesetzesänderung zur Abschlusskostenverteilung eingegangen.
Durch die verpflichtende Angabe von Modellrechnungswerten mit 0-prozentiger Wertentwicklung in den Vertragsunterlagen werden Kosten transparent. Diese Werte zeigen, welchen Betrag man am Ende der Laufzeit erhält, wenn der ausgewählte Fonds keinen Ertrag macht, aber während der Laufzeit sämtliche Belastungen (Versicherungssteuer, Abschluss-, Verwaltungs- Risiko- und Managementkosten) abgezogen werden. Die drei kostengünstigsten Anbieter bei der 35-jährigen Frau sind die BA-CA mit 27.388 Euro, die Helvetia mit 26.458 Euro und die Donau mit 25.990 Euro. Beim 35-jährigen Mann kommt es zu etwas niedrigeren Werten bei gleicher Reihenfolge, da das Ablebensrisiko bei Männern höher ist als bei Frauen. Im Durchschnitt beträgt die Differenz zwischen Bruttoprämiensumme und 0-Prozent-Modellwert – also Versicherungssteuer und Kosten - 4.359,60 Euro.
Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen kann der Mindestschutz im Todesfall frei gewählt werden. Im Ablebensfall wird die Mindesttodesfallsumme ausbezahlt bzw. der Fondswert, wenn dieser darüber liegt (plus vereinbartem Aufschlag). Je höher der Mindestschutz gewählt wird, desto besser ist die Absicherung für die Hinterbliebenen, aber umso höher sind auch die Risikokosten.
Wenig erfreulich ist die Aufklärung über das Veranlagungsrisiko bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. In den Angebots- und Antragsunterlagen finden sich viel zu selten klare Aussagen zu Risiko und Verlust. Eindeutige Hinweise liefert vor allem das "Kleingedruckte" in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Gerade weil wir aus der Beratung wissen, dass von vielen das Risiko unterschätzt und den optimistischen Prognosen vertraut wird, appellieren wir hier an die Versicherungsunternehmen und fordern klare und deutliche Risikowarnungen in jenen Unterlagen, die dem Konsumenten beim Beratungsgespräch vorgelegt werden.
Die Erhebung zeigt, dass die Anbieter versuchen, innerhalb der starren Grenzen der Lebensversicherung, maximale Flexibilität anzubieten. Viele Wahlmöglichkeiten sind kostenlos, wenn sie bereits bei Vertragsabschluss vereinbart werden. Zum Beispiel den Fonds für zukünftige Beiträge und/oder für bereits veranlagtes Vermögen zu wechseln, zeitweise mit der Prämie auszusetzen, zwischenzeitlich Kapital zu entnehmen und eine lebenslange Rente zu wählen. Die Möglichkeit am Ende der Laufzeit statt einer Geldleistung die Wertpapiere übertragen zu lassen wird von vielen Versicherern auch ohne zusätzliche Gebühren angeboten, der Kunde muss aber die anfallenden Übertragungskosten tragen. Da diese Optionen in der Praxis oft nachgefragt werden, bieten wir in der Tabelle eine Übersicht. Dazu können bei vielen Anbietern kostenpflichtige Zusatzleistungen wie Unfall-, Pflege- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, Partnerversicherungen, Ablaufmanagement und Beitrags- und Höchststandsgarantien vereinbart werden.
Die völlig unterschiedliche Produktgestaltung macht es für die Konsumentinnen und Konsumenten schwierig, die Angebote zu vergleichen und eine geeignete fondsgebundene Lebensversicherung auszuwählen.
AK-Expertin Ulrike Weiß rät Konsumenten und Konsumentinnen daher:
- Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung und legen Sie vorher fest: Wie viel will ich für wie lange veranlagen? Welche Optionen sind für mich sinnvoll? Welche Verluste kann ich mir schlimmstenfalls leisten? Danach holen Sie mehrere Angebote ein, die Ihren Anforderungen entsprechen und wählen das kostengünstigste aus.
- Unterschätzen Sie keinesfalls das Risiko einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Ohne zusätzlich vereinbarten Garantien besteht die Gefahr des Totalverlustes. Fondsgebundene Lebensversicherungen eignen sich nur für risikobereite Anleger, die sich Verluste leisten können.
- Wählen Sie keine längere Laufzeit oder höhere Prämie als Sie eigentlich wollen. Das nutzt nur Ihrem Vermittler, denn Abschlusskosten berechnen sich aus der Nettoprämiensumme (Prämienhöhe x Laufzeit). Vorzeitige Vertragsauflösungen sind trotz der erreichten gesetzlichen Verbesserung für Konsumenten nachteilig. Starten Sie lieber mit kürzerer Laufzeit und geringeren Prämien und erhöhen Sie später bei Bedarf.
- Wertschwankungen und Kursverluste treffen Sie umso härter, je höher Ihr bereits erworbenes Guthaben ist. Überlegen Sie daher am Ende der Laufzeit den Wechsel in risikoärmere Fondsvarianten und Garantieprodukte oder wählen Sie schon zu Beginn ein entsprechendes Ablaufmanagement.
Denken Sie an ein Fondsinvestment als Alternative
Flexibilität und Transparenz ist dabei selbstverständlich. Eine Ablebensversicherung können Sie separat abschließen. Wenn Sie eine lebenslange Rente wollen, können Sie Ihr erworbenes Fondsvermögen auch erst bei Pensionsantritt in eine Rentenversicherung einzahlen. Investmentfondsveranlagung ist in der Regel kostengünstiger: der Modellrechnungswert bei einem entsprechenden durchschnittlichen Fondsinvestment mit 0-prozentiger Wertentwicklung liegt bei 27.505 Euro (unter Berücksichtigung eines 5-prozentigen Ausgabeaufschlages und der maximalen Depotkosten aus unserer letzten Depotgebühren-Erhebung 2007). Vergessen Sie aber nicht: Auch beim Fondsinvestment gibt es grundsätzlich keine Garantien, und Kapitalverluste sind möglich!
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