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Veranstaltungsnachlese "Einwanderung und Fairness im Betrieb"
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Ein Rückblick auf die Veranstaltung vom 23.5.2005
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| In einem Einwanderungsland wie Österreich (zur Zeit ca. 700.000 Eingebürgerte und ca. 700.000 ausländische StaatsbürgerInnen) wird nicht die Zuwanderung an sich als Bedrohung wahrgenommen, sondern es geht um Armut, so einer der Befunde von August Gächter, dem international renommierten Experten für Migrations- und Integrationsfragen. Migration ist fast immer mit Armut verbunden. In einem Land wie Österreich in dem sich 75 % der Bevölkerung der Mittelschicht zuzählen, bedeutet Integration automatisch Aufstieg in die Mittelschicht mit ihren dazugehörigen Konsummustern. Diese soziale Frage wird in der öffentlichen Diskussion oftmals von ethnischen, religiösen und fallweise rassistischen Aspekten überlagert. Aus Anlass des Abschlusses des ersten interkulturellen MultiplikatorInnen-Lehrgangs war August Gächter zu Gast in der Reihe "Kultur und Politik" im AK-Jägermayrhof. |
August Gächter sieht in diesem Zusammenhang viele Herausforderungen auf Österreich zukommen, ein paar seien hier benannt:
- Das Thema Diskriminierung wird in den nächsten Jahren sehr viel stärker zum Thema werden. Internationale Beispiele aus Irland, Belgien etc. zeigen, dass sich immer mehr Unternehmen auf Basis der Antidiskriminierungs-Richtlinie der EU um betriebliche Gleichbehandlungsregeln bemühen. "Ethnic monitoring" ist etwa ein Stichwort dafür, dass sich Unternehmen auf allen Ebenen um eine der lokalen Wohnbevölkerung entsprechende Belegschaftsstruktur bemühen. "Equal Opportunity Employers" bemühen sich beispielsweise um eine Berücksichtigung von religiösen bzw. Ernährungsvorschriften oder auch MigrantInnen angepasste Urlaubsregelungen für ihre Beschäftigten. Ein wichtiger Aspekt, der sich dabei zeigt, ist, dass Verhaltenstrainings alleine nicht helfen, um Diskriminierungen abzustellen. Gleichbehandlung braucht sanktionierbare Normen als Grundlage, so eine der internationalen Erfahrungen.
- Ein zentrales Problem der neueren Zuwanderung ist Dequalifizierung. Wesentlich größere Teile der derzeitigen MigrantInnen verfügen über berufliche Qualifikationen, die durch ihren Einsatz im "angelernten" Bereich schnell verloren gehen. August Gächter beschreibt den ersten Tag nach der Zuwanderung als Schlüsseltag für die zukünftige Integration. Er verlangt mehr Aufnahmekompetenz von den Behörden. Wenn es gelingt sofort abzuklären, welche Qualifikationen neu Zugewanderter an welchen Stellen des Arbeitsmarktes gut nutzbar sind, dann ist ein entscheidender Grundstein für Integration gelegt. Eine rasche sprachliche Qualifikation könnte diesen Prozess abstützen. Integration ist von Seiten der Aufnahmeländer professionalisierbar, so seine These.
- Ein weiterer gerade auch für Gewerkschaften und Interessenvertretungen wichtiger Punkt ist, dass MigrantInnen zunehmend auch Repräsentanz und Mitbestimmung einfordern. Beispiele für eigene Listengründungen von ausländischen StaatsbürgerInnen, die trotz hohem Beschäftigtenanteil auf "österreichischen" Betriebsratslisten keinen Platz gefunden haben, werden häufiger. Gefordert ist sowohl von BetriebsrätInnen als auch von Gewerkschaften ein offensiverer Zugang zur Organisation der MigrantInnen und ihrer Interessen.
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Gerade dieser letztgenannte Aspekt war der Anlass für den oben genannten Interkulturellen MultiplikatorInnen-Lehrgang "Betriebliche Interessenpolitik zwischen den Kulturen" von ÖGB und AK OÖ, der am 24. Mai 2005 abgeschlossen wurde.
KollegInnen aus 5 oberösterreichischen Betrieben (jeweils Tandems aus Betriebsrat und MigrantInnen) setzten sich in diesem Lehrgang mit Fragen des Interkulturellen Lernens und Zusammenarbeitens, Fragen der rechtlichen Situation von MigrantInnen und mit Projektmanagement auseinander. Außerdem wurden in betrieblichen Praxisprojekten Initiativen zur besseren Verknüpfung der Interessen von MigrantInnen mit der Arbeit der Betriebsräte gestartet. |
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