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Derzeit keine freie Schulwahl bei öffentlichen Pflichtschulen. Pro & Contra Pflichtsprengel  

09.02.2006
Viele wollen/können nicht einfach auf eine sprengelfreie Privatschule (bzw. nach der Volksschule: auf ein Gymnasium) ausweichen. Die Kernfrage: Wozu gibt es ein bunter werdendes Pflichtschulangebot (Schulautonomie), wenn dann ohnedies kaum eine freie Schulwahl besteht?

Lockerung der Schulsprengelregelung in Fragen der Ganztagsschulen überfällig

Der Besuch von ganztägig geführten Schulen sollte generell – ähnlich wie bei Musik- und Sporthauptschulen schon jetzt der Fall – über die Sprengelgrenzen hinweg ohne bürokratische Erschwernisse möglich sein. Damit die Eltern aber wirklich Entscheidungsfreiheit haben, in welche Schulform (Ganztags- bzw. Halbtagsschule bzw. Halbtagsschule mit Nachmittagsbetreuung) sie ihr/e Kind/er geben wollen, muss jeweils genügend Angebot in erreichbarer Nähe vorhanden sein. Dies setzt einen flächendeckenden Ausbau ganztägig geführter Schulen voraus.

Der Wegfall von Sprengeln und freie Schulwahl würde sicherlich bedeuten: mehr Wettbewerb zwischen den Schulen. Das kann sich durchaus belebend auf die Angebotsqualität auswirken.

Allerdings bleiben viele Fragen offen:
  • Sichert der Wegfall der Pflichtsprengel tatsächlich die freie Schulwahl für alle?
  • Verstärkt oder verringert die Liberalisierung der Schulwahl die Kluft zwischen guten und schlechten bzw. zwischen armen und reichen Schulen?
  • Werden wirklich nur „schlechte“ Schulen leer stehen?
  • Sichert der freie Markt wirklich die Chancengleichheit? (Gewinner-Verlierer-Debatte!!!)
  • Werden Trends wie z.B. die Privatisierung des Schulwesens verstärkt und was bedeutet das für sozial Schwache und/oder für Randgebiete?

Mögliche Auswirkungen der freien Schulwahl – Szenarios aus Elternsicht


+ mögliche gewünschte Effekte - mögliche unerwünschte Nebenwirkungen
Qualitätssteigerungen durch Wettbewerbseffekt (attraktive Angebote, bessere Ausstattung, ... )? wachsende Kluft zwischen guten und schlechten bzw. zwischen armen und reichen Schulen?
Schulen orientieren sich verstärkt und flexibel an Nachfragebedürfnissen? verstärkte Privatisierung – weiterer Rückzug des Staates:
attraktive Angebote kosten – Schulen benötigen private Sponsoren – reiche (private?) Schulen können sich mehr Qualität leisten? Arme, periphere (öffentliche?) Schulen werden ausgetrocknet (Minimalausstattung? Standortauflösung?)
soziale und regionale Zugangshürden werden verstärkt: Schulgeldfrage (z.B. für attraktive Privatangebote), Benachteiligung der Peripherie (wo z.B. kein privater Anbieter investieren will)

Offenbar kann eine unflankierte Wettbewerbsorientierung die Kluft zwischen attraktiven (reichen) und weniger attraktiven (armen) Schulen vergrößern. Soziale und regionale Ungleichheiten würden möglicherweise sogar verstärkt. Zum Beispiel würfe eine beschleunigte Privatisierung des Pflichtschulwesens brisante gesellschaftspolitische Fragen auf! Ergo: Das Recht auf eine freie Schulwahl im Rahmen eines freien Wettbewerb der Pflichtschulstandorte allein sichert keineswegs automatisch Ausbildungsqualität und einen chancengleichen Zugang zu einer qualitätsvollen Pflichtschulausbildung!

Gibt es eine Lösung zwischen totaler Liberalisierung und Pflichtsprengelzuteilung?
  • Lockerung des Zugangs zu attraktiven Angeboten nach plausiblen Kriterien (z.B. tatsächliche Wohnortnähe, Verkehrsanbindung, Sicherheit, Einzigartigkeit des Angebots ... ) ohne bürokratische Umwege und Hürden
  • Ausbau der Berechtigungssprengel: z.B. auch für Schulen mit attraktiver Nachmittagsbetreuung (Schaffung eines Rechts auf Zugang zu ganztägig geführten Schulen)
  • Daraus eventuell erwachsende Mehrausgaben für staatliche Pflichtschulangebote (z.B. mehr und kleinere Klassen, Ausbau der öffentlichen Qualitätsstandards, ... ) rechnen sich durch einen erheblichen gesellschaftlichen Nutzen!

Handlungsdruck besteht aber auch ohne die Sprengelfrage:

Die prognostizierte Abnahme der SchülerInnenzahl stellt die Schulstandortplanung und Fragen des Finanzausgleichs für Schulerhaltung in den nächsten Jahren ohnedies vor unaufschiebbare Herausforderungen und Entscheidungen: entweder es werden Standorte verdichtet (das heißt auch: einzelne werden aufgegeben) oder die Kosten der Standorterhaltung pro SchülerIn (Qualitätssicherung vorausgesetzt) steigen.


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