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Ganztägige Schulen im europäischen Vergleich
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Internationaler Studientag „Ganztägige Schulen und Nachmittagsbetreuung in Europa“
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Zu einem internationalen Studientag zum Thema „Ganztägige Schule und Nachmittagsbetreuung in Europa“ lud eine Veranstaltergemeinschaft unter Federführung der oö Arbeiterkammer am 15. Mai 2006 an der Pädagogischen Hochschule OÖ ein. Getragen wurde die hochkarätige Tagung von allen oö Sozialpartnern, allen politischen Parteien in OÖ sowie der Universität Linz, der Pädagogischen Hochschule OÖ, dem Landesverband der Elternvereine öffentlicher Pflichtschulen in OÖ und dem Schulkompetenzzentrum.
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage unter welchen Bedingungen ganztägige Schulen „gelingen“ können. Dies wurde anhand nationaler und internationaler Beispiele diskutiert. |
Universität Rostock - Dr. Thomas Coelen
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| Dr. Thomas Coelen, Universität Rostock, lieferte mit seinem Vortrag die Grundlage für die Einschätzung der Entwicklung von ganztägigen Schulsystemen in Europa. Er verglich Struktur und Organisation von – mehr oder weniger - „ganztägigen“ Bildungs- und Betreuungsarrangements in Frankreich, Finnland, Italien und den Niederlanden. Ein klassisches Ganztagsschulsystem, Ansätze der Ganztagsbetreuung und Formen der Ganztagsbildung wurden gegenüber gestellt. Fazit von Dr. Coelen: ganztägige Bildungssysteme sind nur durch enge Kooperation von schulischen und außerschulischen Organisationen, Professionen und Disziplinen möglich. |
Universität Salzburg - Prof. Dr. Anton Bucher
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| Prof. Dr. Anton Bucher von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg betonte die Notwendigkeit pädagogischer Konzepte an ganztägigen Schulen. Schule und außerschulische Lernbereiche sind zu integrieren. Neue integrative Konzepte bieten den Kindern und Jugendlichen mehr Chancen. Wichtig ist entsprechende Nischen und Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen bzw. zu erhalten. |
Universität Leiden - Prof. Dr. Manuela du Bois-Reymond
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| Auch Frau Prof. Dr. Manuela du Bois-Reymond, Universität Leiden, verwies auf die Tendenz, dass traditionelle schulische Einrichtungen ihr Monopol auf Lehren und Lernen verlieren und neue Partnerschaften mit außerschulischen Einrichtungen eingehen müssen, um Lernchancen zu vergrößern und Schulqualität zu steigern. Schule hat große kompensatorische Aufgaben, frühkindliche Förderung kann spätere Ungleichheiten teilweise ausgleichen. Die Ganztagsschule ist eine reale Chance, um die Mängel der Halbtagsschule zu beseitigen. In Holland wird die Entwicklung hin zu ganztägigen Schulen vor allem von den Gemeinden und den Eltern getragen. Ganztägige Schulen sind damit mehr an das Gemeindeleben angebunden, die Zusammenarbeit mit Eltern und generationsübergreifende Konzepte für den Lebensraum Schule werden immer mehr zur Selbstverständlichkeit. |
Schweden - Kerstin Lindgren
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| Die Schwedin Kerstin Lindgren betonte, dass es bei der Ganztagsschule nicht nur um die Noten und den Schulerfolg geht, sondern insbesondere auch um das Erlernen sozialer Fähigkeiten. Das schwedische Modell beeindruckt insbesondere durch stark individualisierten Unterricht. Zwar gibt es nationale Vorgaben, innerhalb dieser pädagogischen Vorgaben besitzen die Lehrkräfte aber echte Autonomie. Den Kindern in Schweden bietet die Ganztagsschule einen aufgelockerten Mix aus Lernen und Freizeit. Damit werden die Familien voll unterstützt, die Eltern sind an den Schulen immer herzlich willkommen. |
Laborschule Bielefeld - Prof. Dr. Susanne Thurn
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| Frau Prof. Dr. Susanne Thurn, Leiterin der Laborschule Bielefeld, betonte, dass die Betreuung daheim nie das bringen könne, was eine gute Schule leisten kann. Die soziale und ethnische Verschiedenheit der Kinder ist in der Laborschule Bielefeld gewollt und wird als Reichtum angesehen, auf äußere Leistungsdifferenzierung wird verzichtet. Arbeit und Spiel, Anstrengung und Muse, Bewegung und Konzentration wechseln in einem den Kindern bekömmlichen Rhythmus. Den Kindern stehen ausgedehnte Grünflächen mit Abenteuerspielanlagen, Fachräume und Werkstätten für individuelle Vorhaben, Bauspielplatz, Garten, Sportanlagen, Zoo mit Kleintieren, Bibliothek und einer von den SchülerInnen selbstbewirtschafteten „breakfast-club“ sowie eine Mensa zur Verfügung. |
Albert Schweitzer HS Graz - Dir. Reinhard Wolf
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Vormittagsunterreicht und Betreuung am Nachmittag bedingen einander, darauf wies auch Dir. Reinhard Wolf von der Albert Schweitzer Hauptschule in Graz hin. Man kann am Vormittag nicht so arbeiten, als ob es keine Kinder am Nachmittag in der Schule gäbe. Übungs- und Festigungsphasen müssen mehr im Unterricht verankert werden. Die Lernzeiten am Nachmittag eröffnen die Chance, zu neuen Lernpartnerschaften und zu neuen Möglichkeiten der Unterrichtsreflexion. Denkansatz: Fragen suchen und finden statt Antworten auswendig lernen. Der große pädagogische Wert der Freizeitangebote wird bis jetzt von Schulpolitikern wenig erkannt. Lehrkräfte an ganztägigen Betreuungsformen leisten einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft.
Als Voraussetzungen für ein Gelingen guter Schule wurde stets auf die Bedeutung der Schulqualität hingewiesen. Schule hat die Kinder zu stärken, Vielfalt zu ermöglichen und sich nicht auf die Vermittlung von enzyklopädischen Wissen zu reduzieren. Neben dem pädagogischen Konzept müssen auch Räume und Ausstattung passen. Lehrkräfte und Eltern müssen überzeugt sein, dass es in der Schule der Zukunft nicht nur um das Lernen geht, sondern auch um das Wohlbefinden der Kinder. Ganztägige Schulen stellen zudem neue Anforderungen an die Lehrkräftebildung. An der Schule braucht es PädagogInnen, die bereit sind, die Kinder zu begleiten, nicht nur zu unterrichten. Weiters muss sich Schule hin zur Umwelt insbesondere zu den Eltern öffnen. „Eine gute ganztägige Schule fördert die Familie. Sie muss allerdings für die Eltern leistbar sein.“ spricht sich auch der ehemalige Präsident des oö. Landesschulrates Dr. Johannes Riedl für ganztägige Schulen aus. |
Fazit
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| Europaweit gibt es sehr unterschiedliche Modelle ganztägiger Schulen. Die Halbtagsschule, wie es sie in Österreich gibt, ist international gesehen jedenfalls ein Auslaufmodell, so der einhellige Tenor aller ExpertInnen |
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