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Ganztägige Schulen im europäischen Vergleich
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Ganztägige Schulen in Europa
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Vortrag am 15. Mai 2006 in Linz durch PD Dr. Thomas Coelen, Universität Rostock
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Abstract
Der Vortrag bietet eine Grundlage für die Einschätzung der Entwicklung von ganztägigen Schul-, Betreuungs- und Bildungsarrangements im internationalen Vergleich: Struktur und Organisation von – mehr oder weniger – ‚ganztägigen’ Bildungs- und Betreuungsarrangements in ausgewählten europäischen Ländern (Frankreich, Finnland, Niederlande, Italien) werden anhand von Kriterien vergleichbar dargestellt. Diese Beispielländer eignen sich in besonderer Weise, um drei Typen von ‚ganztägigen’ Systemen zu unterscheiden: Klassische Ganztagsschulsysteme, Ansätze zu Ganztagsbetreuungsformen und Elemente von Ganztagsbildungsarrangements. Zusammenfassend können die vier Bildungssysteme wie folgt charakterisiert werden: |
Organisationsebene
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| Auf der Organisationsebene haben wir es mit überwiegend kommunalen Trägerschaften und nationalstaatlichen Finanzierungen zu tun, bei gleichzeitig signifikanten Anteilen sowohl zivilgesellschaftlich-öffentlicher als auch privatgewerblicher Träger und Geldgeber. Hinsichtlich der Bildungsformen überwiegt die formelle Schulausbildung, bei gleichzeitig signifikanten Anteilen nicht-formeller Bildung, der zumeist schulunterstützende und -ergänzende Funktionen zugeschrieben werden, und kleineren Anteilen eigenständiger Sozialisationsfunktionen. |
Personal
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| Das Personal der Ganztagseinrichtungen setzt sich neben den Lehrern aus einer relativ großen Anzahl nicht-unterrichtender Pädagogen, weiterer Professionen und angelernten Kräften zusammen, deren z. T. deutlich niedriger gestuften formalen Ausbildungsgänge und die damit einhergehende Bezahlung ein steiles Gefälle in den Professionalisierungsgraden der Bereiche formeller und nicht-formeller Bildung mit sich bringt. |
Aus Sicht der Adressaten fällt auf,
- dass Kinder und Jugendliche aus den vier Vergleichländern deutlich unterschiedliche Zeitumfänge in bzw. mit der Schule verbringen und die Lücken der ‚Ganztags’-Systeme (mittags, nachmittags, in den Ferien) auf äußerst vielfältige Weise gefüllt werden;
- dass Rechtsansprüche auf darüber hinausgehende Bildungs- und Betreuungsleistungen wenig verbreitet sind, jedoch ihre frei gewählte und fakultative Nutzung eine große Rolle spielt, zumal in solchen Fällen, in denen der Bedarf daran durch die Lücken der ‚Ganztags’-Systeme‘ selbst verursacht wird;
- dass die allermeisten nicht-unterrichtlichen Angebote mit direkten oder indirekten finanziellen Beiträge der Adressaten verbunden sind;
- dass die ganztägige Organisation von Erziehung und Bildung hinsichtlich der Lernleistungen keinen Kausalzusammenhang erkennen lässt, wohl aber hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wenngleich dies auch in den am weitesten ausgebauten Ganztagssystemen aufgrund von Angebotslücken schwierig bleibt.
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In Bezug auf die beteiligten Fachdisziplinen ist zu sagen,
- dass ihr Formalstatus in den meisten Ländern höchstens eine Stufe voneinander entfernt ist: Lehrpersonen werden überwiegend an Universitäten, Sozialpädagogen und ähnliche Professionen zumeist an Fachhochschulen ausgebildet (zzgl. den zahlreichen an- und ungelernten Kräfte, die die Ganztägigkeit überhaupt erst ermöglichen);
- dass die verwendeten Leitbegriffe weit verstreut aus dem großen Spektrum zwischen Sozialpolitik, -pädagogik, -medizin und -psychologie entnommen sind;
- dass es kaum akademische Vernetzungen zwischen den (Teil-)Disziplinen gibt.
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