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Ganztägige Schulen im europäischen Vergleich
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Albert Schweitzer Hauptschule in Graz
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Thesen von Dir. Reinhard Wolf (Albert Schweitzer Hauptschule Graz) |
„WER ETWAS HABEN MÖCHTE, WAS ER NOCH NIE HATTE, WIRD WOHL ETWAS TUN MÜSSEN, WAS ER NOCH NIE TAT“
- Ganztägige Schulformen sind keine Aufbewahrungsstätten für Kinder und Jugendliche (wie Schulen insgesamt nicht), sondern sozialintegrative Einrichtungen mit multidimensionalen Aspekten. Sie müssen daher ein Anliegen der gesamten Gesellschaft sein und nicht nur von einzelnen Kommunen und Ländern. Der Anteil der Kosten (außer dem Mittagessen) müsste daher vom Bund getragen werden. 2
- Solange es keine allgemein verpflichtende Ganztagsschule (verschränkte Form) in Österreich gibt, gibt es eine Vielfalt von unterschiedlichen Ausprägungen ganztägiger Betreuungsformen, um den individuellen Bedürfnissen von Eltern und Kindern gerecht werden zu können. Um das zu ermöglichen sind legistische Änderungen notwendig. Unterschiedliche Betreuungsformen müssen mit den gleichen finanziellen Mitteln ausgestattet werden.
- Schulen, an denen ganztägige Betreuungsformen eingerichtet sind, sind besonders gefordert, Schule jeden Tag „neu zu denken“! Mit herkömmlichen Strategien wird man nicht einmal den täglichen Herausforderungen, und schon gar nicht den zukünftigen, gerecht werden können.
- LehrerInnen und Lehrer die in ganztägigen Betreuungsformen arbeiten, können nur bestehen, wenn sie einen erweiterten Bildungsbegriff ihrer pädagogischen Arbeit zu Grunde legen.
- Vormittagsunterricht und Betreuung am Nachmittag bedingen einander. Man kann am Vormittag nicht so arbeiten, als ob es keine Kinder am Nachmittag in der Schule gäbe. Übungs- und Festigungsphasen müssen mehr im Unterricht verankert werden. Die Hausübungen/ Aufgaben als Reflexion des Unterrichtes müssen täglich neu überdacht werden. Die GLZ und ILZ Stunden am Nachmittag bieten die Chance zu neuen Lernpartnerschaften und zu neuen Möglichkeiten der Unterrichtsreflexion. Fragen suchen und finden, statt Antworten auswendig lernen, wäre ein Denkansatz. Eine weitere Möglichkeit ist die Bildung von „Hilfeleistungsgemeinschaften“ über die Grenzen der Klasse/ oder Gruppe hinweg.
- Der große pädagogische Wert der Freizeiteinheiten wird bis jetzt noch von den wenigsten verantwortlichen Schulpolitikern (siehe Punkt 8 )erkannt. Dieser Teil fällt unter den erweiterten Begriff von Menschenbildung mit großer gesellschaftspolitischer Relevanz.
- Gute pädagogische Arbeit kann nur in einem ruhigen, für alle beteiligten Personen abgesicherten Umfeld gelingen. Schule eignet sich nicht für die tägliche politische Auseinandersetzung.
- LehrerInnen und Lehrer, die in ganztägigen Betreuungsformen arbeiten, leisten neben ihrer „normalen“ Lehrerarbeiten einen zusätzlichen Dienst an der Gesellschaft. Es ist kein Zeichen besonderer Wertschätzung gegenüber dieser Arbeit, wenn große Bereiche (individuelle Lernzeit und Freizeit) nicht gleichwertig wie alle anderen Stunden bezahlt werden.
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