Schichtarbeit
Bestehende Arbeitszeitmodelle werden heute vermehrt hinsichtlich ihrer Flexibilität diskutiert. Gerade bei Schichtarbeit wird der Druck auf die Ausweitung in das Wochenende und in vollkontinuierliche Schichtformen immer größer.
Unter juristischen Gesichtspunkten spricht man dann von Schichtarbeit, wenn ein und derselbe Arbeitsplatz von mehreren einander ablösenden Arbeitnehmern besetzt wird.
In Österreich schichteln regelmäßig mehr als 480.000 Arbeitnehmer/-innen, mehr als 330.000 davon arbeiten dabei auch in der Nacht. Aus Sicht dieser Arbeitnehmer/-innen ist Schichtarbeit erwiesenermaßen mit einer Vielzahl von Belastungen verbunden.
Verantwortliche für die Gestaltung von Schichtarbeit müssen darauf reagieren, indem sie versuchen, betriebliche Notwendigkeiten, Sozialverträglichkeit und Gesundheitsschutz in Einklang zu bringen.
- Grundformen der Schichtarbeit
- Gestaltungsmöglichkeiten für neue Schichtplanmodelle
- Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Schichtarbeit
- Frauen und Schichtarbeit
- Zahlen, Daten, Fakten zur Schichtarbeit
Grundformen der Schichtarbeit
Ziel der Einführung von Schichtarbeit ist in der Regel die Ausdehnung der Betriebszeiten über die durchschnittliche Arbeitszeit der Beschäftigten hinaus. Das bedeutet für den einzelnen Beschäftigten, dass die Arbeitszeit über den Tag und die Wochentage verschoben wird. Es kommt zu einer Entkoppelung von Betriebszeiten und individueller Arbeitszeit.
Die praktizierten Schichtarbeitsmodelle variieren beispielsweise hinsichtlich der Schichtzyklen, der Schichtdauer, der Besetzungsstärken oder der Schichtwechsel.
- Zweischicht/Dreischichtsysteme
Wechselschicht liegt bereits im Zweischichtsystem vor, mit einem Wechsel zwischen Früh- und Spätschicht. Die verschiedenen Schichtarbeitsformen werden zum einen über die Anzahl der zu arbeitenden Schichten definiert. Zweischichtsysteme umfassen eine Früh- und Spätschicht, während bei Dreischichtsystemen die Nachtschicht hinzukommt. Zum anderen erfolgt eine Begriffsbestimmung über die Betriebszeit je Woche.
- Vollkontinuierliche und teilkontinuierliche Schichtarbeit
Bei vollkontinuierlicher Schichtarbeit wird der Betrieb über die gesamten 168 Stunden einer Woche aufrecht erhalten. Hingegen ist teilkontinuierliche Schichtarbeit dadurch gekennzeichnet, dass die Betriebszeit unter diesen 168 Stunden liegt mit einer mehr oder weniger langen Unterbrechung am Wochenende (freier Sonntag und/oder Samstag). Abhängig von der Anzahl der Schichten in einer Woche spricht man von beispielsweise 15-/16-/17-/18-/19-Schichtmodellen
- Vier-/Fünfschichtsysteme
In Zusammenhang mit voll- und teilkontinuierlichen Schichtarbeitssystemen wird auch von Vierschichtsystemen bzw. Fünfschichtsystemen gesprochen. Dies bedeutet, dass die Betriebszeit (Früh-, Spät- und Nachtschicht) mit vier bzw. fünf Schichtgruppen abgedeckt wird und damit eine Gruppe eine Freischicht hat.
- Klassische Gruppen
Die Personalbesetzung der einzelnen Schichten wird häufig über die "klassischen Gruppen" geregelt, d.h. in jeder Schichtgruppe befinden sich genau so viele Beschäftigte wie für den Arbeitsablauf notwendig sind. Das erlaubt eine einfache Planung, überschaubare Schichtpläne und die konstante Zusammensetzung der Schichtgruppen.
- Diensteinsatzpläne Neben den klassischen Schichtsystemen im Produktionsbereich gibt es Schichtmodelle im Handel und im Gesundheits- und Sozialwesen. In diesem Fall wird meist von Diensteinsatzplänen gesprochen mit mehr Variationsmöglichkeiten als in der Produktion. Hervorzuheben sind Kombinationen von Teilzeit-Vollzeit Schichtmodellen.
- unter gesundheitlichen Aspekten
- gründliche Voruntersuchungen für Schichttauglichkeit
- Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung einführen (Gesundheitszirkel, gesundheitsschädigende Einflüsse identifizieren und abbauen)
- Beratung zur Ernährung, Schichtauswirkungen und deren Bewältigungsstrategien anbieten
- Ermöglichung gezielter Erholungszeiten (Erholungsurlaub, Vitalurlaub vom Dienstgeber mitfinanziert)
- begleitende arbeitsmedizinische Betreuung, nach einem Jahr Schichtarbeit eine gründliche Untersuchung
- Pausenregelungen an den Tagesrhythmus anpassen
- Licht und Klima dem Leistungsverlauf während der Nachtschicht anpassen
- Sicherstellung der An- und Abfahrt der in der Nachtschicht Arbeitenden zur Arbeitsstätte und wieder retour
- Aufklärung darüber, was jede/-r Einzelne individuell für ein gesünderes, besseres Leben mit Schichtarbeit beitragen kann
- unter Aspekt der zu leistenden Arbeitszeit
- Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit etwa durch eine andere Bewertung (Zeitzuschläge) für belastende Arbeitszeiten
- Beschränkung der Schichtarbeitsdauer auf 20 Jahre
- Mischsysteme zum zeitweiligen Arbeiten in Tagschichten (etwa ein Monat im Jahr)
- keine Dauerhöchstleistungen, d.h. nach einer maximalen Arbeitszeit eine Woche mit geringer Arbeitszeit
- ausreichende tägliche und wöchentliche Erholzeiten
- aus der Erstellung des Schichtplans
- Einbeziehung der Betroffenen in die Schichtplanentwicklung
- Vorwärtsrotation der Schichtpläne
- kurzfristige Änderungen der Schichtfolge so weit wie möglich vermeiden
- Schichtfolgen immer rechtzeitig angeben
- Spielräume für persönliche Flexibilität schaffen
- schnelle Schichtfolgen vermeiden
- Schichtfolgen mit einigen freien Wochenenden planen
- überlange Arbeitsperioden vermeiden: 3-6 sind ok, ab 9 zu vermeiden
- Frühschicht später beginnen
- kürzere Nachtschichten in Erwägung ziehen
- möglichst kurze Nachtschichtfolgen: 2-3 sind ok, ab 6 zu vermeiden
- Ruhezeit nach Nachtschichtfolge: ab 60 Stunden ok
- Länge der Spätschichtblöcke: 2-4 sind ok, ab 7 zu vermeiden
- Länge der Spät- und Nachtschichtblöcke: 3-4 sind ok, ab 8 zu vermeiden
- freie Abende pro Woche: ab 5 ok
- Länge der Arbeitsblöcke mit nur einem Tag frei sind bis 7 ok, ab 9 zu vermeiden
- unerwünschte Schichtfolgen – kritisch sind N frei F, N frei S und S frei F
- unerwünschte Schichtfolgen – bedenklich sind N frei N, S frei S, F frei F, F frei S, S frei N, F frei N
- unter dem Aspekt des demografischen Wandels
- verstärkter Einsatz von älteren Mitarbeiter/-innen in Mischsystemen mit Tagschichten (zum Mentoring junger Mitarbeiter, zur Qualifizierung, ...)
- Verringerung der Nachtschichten
- Begrenzung der Dauer der Schichtarbeit mir zunehmenden Alter
Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Schichtarbeit
Der Anteil älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an der Gesamtheit der erwerbstätigen Bevölkerung nimmt immer mehr zu. Damit müssen spezifische Gestaltungsaspekte in der Arbeitswelt berücksichtigt werden, die der veränderten Leistungsfähigkeit dieser Beschäftigten gerecht werden. Auf den Problembereich Schichtarbeit bezogen bedeutet dies, dass Schichtpläne bzw. Umsetzungsmöglichkeiten in den Tagdienst speziell für ältere Schichtarbeiter/-innen geschaffen werden müssen.
Allerdings können nicht alle älteren Arbeitnehmer/-innen auf einen Tagarbeitsplatz umgesetzt werden, da entsprechende Arbeitsplätze nur begrenzt zur Verfügung stehen. Zum Teil wird eine Umsetzung nicht gewünscht, da die Aufgabe der Schichtarbeit bzw. Nachtarbeit auch ein Wegfall der finanziellen Zuschläge bedeutet. Eine Möglichkeit, ältere Mitarbeiter/-innen besser in die Schicht- und Nachtarbeit zu integrieren, besteht über die gezielte Gestaltung der Schichtsysteme. Dabei ist das oberste Prinzip, dass man sich an der zurückgehenden Leistungsfähigkeit der Beschäftigten orientiert und z.B. eine belastungsnahe Erholung, d.h. längere Arbeitsphasen mit kurzen Erholungsphasen einplant. Freizeitausgleich ist finanziellem Ausgleich vorzuziehen. Es wäre zudem zu überlegen, ob die Möglichkeit besteht, die Arbeitszeit für ältere Schichtarbeiter/-innen generell zu reduzieren. Darüber hinaus sollen die Beschäftigten verstärkt zur Wahrnehmung der jährlichen arbeitsmedizinischen Kontrolluntersuchungen motiviert werden.
Als konkrete Maßnahmen sind sowohl die Beschränkungen der Schichtarbeitsdauer (z.B. maximal 20 Jahre Schichtarbeit) als auch ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben (z.B. drei Jahre früher als Tagarbeiter) oder ein stufenweises Ausscheiden aus dem Berufsleben über Teilzeitarbeit denkbar. Falls dadurch Sonderbelastungen der sozialen Sicherungssysteme entstehen, wären sie von den Betrieben zu übernehmen, die von Schichtarbeit profitieren.
Für ältere Schichtbeschäftigte sind die arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen besonders wichtig, denn diese sind speziell unter dem Gesichtspunkt entstanden, die Belastungen durch Nacht- und Schichtarbeit so gering wie möglich und damit den Körper so lange wie möglich fit zu halten. Damit soll einerseits natürlich die Arbeitskraft erhalten werden, aber andererseits auch die Chance gegeben werden, das Pensionsalter so gesund wie möglich zu erreichen. Gerade bei Nacht- und Schichtarbeiten liegt oftmals ein höheres Risiko der Frühpension vor als bei Tagarbeiten. Dies soll weitestgehend minimiert werden, indem nicht erst bei älteren, sondern schon bei jungen Nacht- und Schichtbeschäftigten arbeitswissenschaftliche Empfehlungen in die Schichtplangestaltung einfließen, um präventiv im Sinne des Gesundheitsschutzes wirken zu können. Für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es besonders wichtig, dass vor allem die Arbeitszeit nicht massiert ist, d.h. nicht zu lange Arbeitszeiten am Tag und nicht zu viele Arbeitstage hintereinander vorliegen. Dazu gehört, dass auf eine ausreichende Ruhezeit zwischen den Schichten (mind. 12 Stunden), auf kürzere Schichten (weniger als 8 Std. pro Tag), auf nicht mehr als fünf Arbeitstage in Folge und bevorzugt auf vorwärts und kurz rotierte Systeme zu achten ist, um Belastungen zu minimieren.
Frauen und Schichtarbeit
Die Frage nach einer besonderen Gefährdung von Frauen durch Arbeit im Schichtdienst, insbesondere im Nachtdienst, wird immer wieder diskutiert. Vorliegende Erkenntnisse belegen kein höheres gesundheitliches Risiko. Es ist allerdings so, dass nachtarbeitende Frauen mit Partner und Kindern – wie tagarbeitende Frauen in der gleichen Situation – häufig einen deutlich höheren Anteil an der Versorgung der Familie haben als Männer in vergleichbaren Lebenssituationen. Gerade die Nachtarbeit bietet dabei noch mehr als die Tagarbeit die Möglichkeit, eine volle „Familienbetreuung“ zu leisten, da die berufliche Tätigkeit in den Zeitbereich fällt, der im wesentlichen für Schlaf und Erholung benötigt wird.
Diese Mehrbelastung von Frauen mit Partnern und Kindern in der Schicht- bzw. Nachtdienst ist somit nicht in erster Linie an das Problem Schichtarbeit gekoppelt, sondern an die durch die gesellschaftliche Arbeitsteilung bedingte Doppelbelastung der Frauen.
Obwohl diese gesellschaftliche Situation von den Betrieben nur wenig beeinflussbar ist, können auch innerbetriebliche Strukturen aufgebaut werden, die die Belastungssituation schichtarbeitender Frauen verbessert. Eine Möglichkeit ist z.B. die Einführung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten mit Unterstützung der Betriebe. Eine kontinuierliche Betreuung der Kinder ermöglicht es den Frauen mit Kindern, am Vormittag längere Schlafzeiten bzw. Erholungszeiten zu haben. Eine weitere Anregung wäre die Verbesserung der Infrastruktur. Ein Großteil der in Schichtarbeit beschäftigten Frauen sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Hier wäre es günstig, auf den Schichtplan abgestimmte Transportmöglichkeiten anzubieten, um damit die Wegzeiten zu verringern.
Zahlen, Daten, Fakten zur Schichtarbeit
592.000 unselbstständige Erwerbstätige leisten laut Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria (2005) regelmäßig Schichtarbeit, Turnus- oder Wechseldienst. Davon sind 342.600 Männer und 249.400 Frauen betroffen. Anteilsmäßig sind das 17,8 % der unselbstständigen Erwerbstätigen (19,3 % Männer, 16,2 % Frauen).
Besonders hohe Anteile dieser Arbeitszeitform ergaben sich 2005 im "Gesundheits- und Sozialwesen" (regelmäßig 42,1%), aber auch in vielen Sparten der Sachgütererzeugung (ca. ¼ bis ⅓) und im "Beherbergungs- und Gaststättenwesen" (28%) sowie in der Wirtschaftsklasse "Verkehr und Nachrichtenübermittlung" (24,9%).
Abend- und Nachtarbeit
573.400 Erwerbstätige (380.000 Männer und 193.400 Frauen) arbeiteten in den letzten vier Wochen vor der Erhebung 2005 regelmäßig am Abend (zwischen 18 und 22 Uhr).
Nach Branchen betrachtet, führt das Beherbergungs- und Gaststättenwesen (44,8% regelmäßige Abend-, 24,9% regelmäßige Nachtarbeit). Vor allem bei der regelmäßigen Nachtarbeit finden sich auch höhere Anteile in den Branchen "Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln" (23,5%) sowie "Verkehr- und Nachrichtenübermittlung" (15,4%).
Wochenendarbeit
1.219.500 Erwerbstätige (647.700 Männer, 571.700 Frauen) verrichten laut Erhebung 2005 regelmäßig Arbeit an Samstagen, 677.800 Personen an Sonntagen (davon 370.600 Männer und 307.200 Frauen).
Anteilsmäßig liegt die Zahl der am Wochenende regelmäßig arbeitenden Frauen höher als die der Männer. Am Samstag arbeiten regelmäßig 33,1 % der erwerbstätigen Frauen und 30,9 % der Männer, am Sonntag waren es bei Männern 17,7 %, bei Frauen 17,8 %.
Samstag- und Sonntagsarbeit sind in der Land- und Forstwirtschaft außerordentlich verbreitet (78% arbeiten regelmäßig samstags und 65,5% regelmäßig sonntags). Im Übrigen ist das Beherbergungs- und Gaststättenwesen (68% regelmäßige Samstags- und 54,9% regelmäßige Sonntagsarbeit), das "Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen" (33,9% samstags, 28% sonntags), der Bereich des "Handel, Instandhaltung und Reparatur von KFZ" (samstags 41,6%), die "Herstellung von Nahrungsmitteln und Getränken; Tabakverarbeitung" (samstags: 39,2%) sowie die "Verkehr und Nachrichtenvermittlung" (samstags: 28,7%) besonders stark bei der Wochenendarbeit vertreten.
Infobox
FAQ
- Wie entwickelt sich Schichtarbeit
- Warum ist Schichtarbeit nicht vermeidbar
- Worin besteht die Beanspruchung von Schichtarbeit?
- Wie sehen gute Schichtplanmodelle aus?
- Welche gesetzlichen Vorschriften gibt es bei Schichtarbeit?
- Welche Beratungsleistungen gibt es von AK-Consult zu Schichtarbeit?


