Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt doppelt benachteiligt - Mehr Mitarbeit in Betriebsräten als Lösungsansatz
Mehr als 130 Teilnehmer/-innen aus Interessenvertretungen, Vereinen und Sozialeinrichtungen nahmen kürzlich an der zweitägigen Fachtagung "mittendrin und trotzdem draußen - Frauen: Migration und Arbeitsmarkt" in Linz teil. Die oberösterreichische AK-Vizepräsidentin Christine Lengauer betonte, es sei wichtig, dass Migrantinnen ihre Interessen in der Arbeitswelt selbst vertreten können. Sie sprach sich für mehr Migrantinnen in Betriebsräten und Gewerkschaftsgremien aus.
Bereits zum zweiten Mal organisierte eine Veranstaltergemeinschaft aus AK, ÖGB, dem Verein migrare, BfI, VHS Linz, Volkshilfe und Sozialplattform OÖ eine Tagung zu Integration und Arbeitsmarkt. Diesmal wurde die Situation vom Frauen mit Migrationshintergrund auf dem österreichischen Arbeitsmarkt beleuchtet.
Doppelt benachteiligt
Frauen mit Migrationshintergrund, so der Tenor der Referenten/-innen, haben auf dem Arbeitsmarkt mit einer doppelten Benachteiligung zu kämpfen: als Migrantinnen und als Frauen. Asiye Sel, Expertin für Frauen- und Arbeitsmarktpolitik in der AK Wien formuliert es so: "Es gibt Vorurteile gegen Frauen, es gibt Vorurteile gegen Frauen mit Kopftuch, es gibt Vorurteile gegen schwarze Frauen. Je mehr Faktoren aufeinandertreffen, desto schwieriger wird die Integration in den Arbeitsmarkt."
Die Benachteiligung von Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt wird schon durch geringere Chancen im Bildungssystem bestimmt. Fast die Hälfte der im Ausland geborenen Frauen hat maximal Pflichtschulabschluss, gegenüber 29 Prozent der in Österreich geborenen. Migrantinnen sind noch schlechter in den österreichischen Arbeitsmarkt integriert als Österreicherinnen. Liegt die Erwerbsquote der Österreicherinnen bei 66 Prozent (Männer: 80 Prozent) so liegt sie bei Nichtösterreicherinnen nur bei 50 Prozent (Männer: 78 Prozent). Und Migrantinnen haben ein höheres Risiko arbeitslos zu werden (Arbeitslosenquote bei Migrantinnen 11 Prozent, bei Österreicherinnen 4,6 Prozent).
Die Vizepräsidentin der oberösterreichischen Arbeiterkammer, Christine Lengauer, kritisierte, dass Migrantinnen in Österreich trotz guter Ausbildung oft nur niedrig qualifizierte Jobs – zum Beispiel in der Reinigung - bekämen. Die Anerkennung im Ausland erworbener Bildungsabschlüsse und informell erworbenener Qualifikationen müsste dringend vereinfacht werden, damit Migrantinnen ihren tätsächlichen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechend eingesetzt würden.
Mehr Migrantinnen in die Betriebsratsgremien!
Integration bedeute auch Integration in die Gremien betrieblicher und gewerkschaftlicher Interessenvertretung. "Die Rechtsschutzzahlen der AK belegen eindeutig, dass Betriebsräte vor Arbeitskonflikten schützen. Es erfordert natürlich viel Engagement und Courage, sich einer Betriebsratswahl zu stellen. Für die Beschäftigten und die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft macht es sich aber bezahlt. Ich möchte daher alle Kolleginnen zu diesem Schritt ermutigen und sichere ihnen die bestmögliche Unterstützung zu", sagte Lengauer.
Sie werde sich auch dafür einsetzen, dass mehr Migrantinnen in die Vollversammlung der Arbeiterkammer und in die Führungsgremien des ÖGB gewählt würden. Stolz sei sie darauf, dass die AK einen eignen Integrationsausschuss eingerichtet habe, der mit DIin Ana Martincevic auch von einer Migrantin geleitet werde.
