Hohe Treibstoffpreise treffen Pendlerinnen besonders hart - AK fordert Direktzahlung statt Pendlerpauschale

Pendeln ist keineswegs reine Männersache. Die große Pendlerbefragung der Arbeiterkammer Oberösterreich hat gezeigt: Der Anteil der Frauen an den befragten Pkw-Pendlern und Pendlerinnen liegt mit 43 Prozent sogar leicht über dem Anteil der Frauen an den Beschäftigten in Oberösterreich insgesamt (knapp 42 Prozent). Weil Frauen weniger verdienen als Männer, treffen die hohen Spritpreise sie besonders hart.

Das Medianeinkommen (die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger) der Arbeitnehmerinnen in Oberösterreich liegt noch immer um 40 Prozent niedriger als das der Männer. Deshalb sind Pendlerinnen von hohen Spritkosten oft besonders betroffen. „Bei geringem Nettoeinkommen wirken hohe Treibstoffpreise besonders negativ, da sie einen großen Anteil des Einkommens wegfressen“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die AK-Pendlerbefragung hat auch gezeigt, dass Frauen im Schnitt kürzere Strecken pendeln als Männer: 43,1 Prozent der Frauen fahren nicht weiter als 20 Kilometer, während nur knapp ein Drittel der Männer unter dieser Grenze bleibt. Bei den Entfernungen über 30 Kilometer dreht sich das Verhältnis um: 41 Prozent der Männer fahren so weit, während diese Wegstrecken „nur“ 26,6 Prozent der Frauen auf sich nehmen - also immer noch ein gutes Viertel der Pkw-Pendlerinnen.

Auch Sieglinde N. aus dem Bezirk Rohrbach fällt unter diese Kategorie. Sie steht jeden Arbeitstag um 4.45 Uhr auf und fährt 62 Kilometer zu dem Handelsunternehmen, wo sie beschäftigt ist. Trotz des geringen Treibstoffverbrauchs ihres Pkw kostet sie das – bei einem Dieselpreis von 1,3 Euro - etwa 175 Euro im Monat. Im Jahr muss Frau N. damit rund 2.100 Euro alleine an Treibstoffkosten für den Weg zur Arbeit aufwenden. Abzüglich Pendlerpauschale und Fernpendlerbeihilfe, die ihr bei ihrer Einkommensklasse und Wegstrecke zustehen, bleiben noch immer Kosten von mehr als 600 Euro. Kosten, die eine vor Ort beschäftigte Kollegin nicht aufbringen muss.

Elisabeth W. aus dem Bezirk Perg ist teilzeitbeschäftigt, fährt an drei Tagen der Woche 39,6 Kilometer zur Arbeit. Dennoch muß auch sie etwa 874 Euro alleine für Diesel - bei einem Dieselpreis von 1,3 Euro – in einem Jahr berappen. Trotz Pendlerzuschlag von 130 Euro zur Negativsteuer von 110 Euro (die Negativsteuer können sich alle Arbeitnehmer/-innen bei einem Bruttolohn unter 1.127 Euro im Monat vom Finanzamt zurückholen) und Fernpendlerbeihilfe würden ihr um ungefähr 550 Euro pro Jahr mehr in der Geldbörse bleiben, wenn sie in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnte und nicht pendeln müsste.

Frau W. würde mit dem Zug fahren, aber die nächste Bahnstation ist 15 Kilometer entfernt, auch die Fahrzeiten sind für sie ungünstig, sodass sie für den Arbeitsweg vom PKW abhängig ist. Sie hat Angst, dass der Dieselpreis weiter steigt.

Bei beiden Beispielen sind sämtliche weitere Kosten für die PKW-Nutzung (Autopreis, Reparaturen, Versicherung etc.) noch nicht mitgerechnet.

„Eine Erhöhung der Pendlerpauschale in der derzeitigen Form bringt vielen Frauen gar nichts, da es sich um einen Steuerfreibetrag handelt, der erst ab einem Einkommen über 1.127 brutto zum Tragen kommt. Etwa die Hälfte der Arbeitnehmerinnen in Oberösterreich verdient weniger!“, sieht sich Präsident Kalliauer in seiner Forderung nach einer Umgestaltung der Pendlerpauschale ein weiteres Mal bestätigt: „Eine entfernungsabhängige Direktzahlung würde auch Menschen mit kleinem Einkommen nutzen, und wäre somit für viele Frauen, die zur Arbeit pendeln müssen, eine konkrete Soforthilfe.“

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