Arbeitsklima Index August 2008
Wissen bleibt Macht - Ungleiche Chancen auf Weiterbildung
Die Zufriedenheit der Arbeitnehmer/-innen mit den beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten ist gestiegen. Die Chancen darauf sind aber nach wie vor ungleich verteilt.
Berufliche Weiterbildung stellt eine notwendige Voraussetzung dar, um in der heutigen Berufswelt bestehen zu können. Die Arbeitnehmer/-innen in Österreich sind mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten heute deutlich zufriedener als vor elf Jahren. Damals zählten 53 Prozent zur Gruppe der zumindest Zufriedenen, heute sind es 63 Prozent.
- Aktive Hilfe
- Führungskräfte - Soziale und fachliche Weiterbildung ist die Regel
- Bildung bringt's - Unterschiedliche Ausgangspositionen
- Geld reicht nicht - Einkommen bleiben weiter zurück
- Sackgasse Teilzeit
Arbeiter/-innen holen auf
Während bei den Akademiker/-innen sich die Zufriedenheit kaum verändert hat, ist sie bei Arbeitnehmer/-innen mit Matura leicht und bei solchen mit Lehr- und Pflichtschulabschluss deutlich angestiegen.
Ungleichheit bleibt bestehen
Diese Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Chancen auf Weiterbildung nach wie vor sehr ungleich verteilt sind. Arbeitnehmer/-innen, die zumindest eine mittlere Schule absolviert haben, antworten auf die Frage nach den Weiterbildungschancen zu 70 Prozent mit „sehr“ oder „ziemlich zufrieden“. Bei den Beschäftigten mit nur Pflichtschule oder Lehre sind es nur 60 Prozent.
Klare Hierarchien
Auch die Stellung im Berufsleben ist nach wie vor ausschlaggebend für die Zufriedenheit mit Weiterbildung. Eine höhere berufliche Position geht mit höherer Zufriedenheit mit den Möglichkeiten zur Weiterbildung einher: Nur rund vier von zehn Hilfsarbeiter/-innen sind damit zufrieden. Bei den Facharbeiter/-innen sind es hingegen sechs von zehn. Ähnlich auch bei den Angestellten: 55 Prozent der Angestellten sind zufrieden. Bei den qualifizierten Angestellten sind es 68 Prozent, bei den leitenden Angestellten sogar 80 Prozent. Teilzeitbeschäftigte sind generell mit ihren Weiterbildungschancen weniger zufrieden, was vor allem Frauen trifft.
Versicherungen und Banken liegen vorne
Die Angestellten im Geld- und Versicherungswesen liegen mit 81 Prozent Zufriedenen an der Spitze. Die Angestellten in den Branchen Energie/Wasser, Gesundheitswesen und der Chemieindustrie folgen mit rund 75 Prozent.
Probleme in Tourismus und Einzelhandel
In Tourismus und Einzelhandel ist hingegen nur die Hälfte zufrieden. Ähnlich auch bei den Arbeitern/-innen. Spitzenreiter ist die Eisen-, Metall- und Elektroindustrie (60 Prozent), während in den Branchen Verkehr/Transport/ Nachrichtenwesen als auch Einzelhandel, Fremdenverkehr und Lebensmittelindustrie die Zufriedenheit nur zwischen 40 und 45 Prozent liegt.
zum SeitenanfangAktive Hilfe
Berufliche Weiterbildung ist wichtig, ohne sie kann man in der modernen Arbeitswelt nicht bestehen. Manche Politiker/-innen sprechen deshalb von der Notwendigkeit des „lebensbegleitenden Lernens“.
So richtig der Befund, so mangelhaft ist die Umsetzung. Zwar ist die Zufriedenheit der heimischen Arbeitnehmer/-innen mit Weiterbildungsmöglichkeiten in den vergangenen elf Jahren gestiegen, immer noch ist der tatsächliche Zugang zur Aus- und Weiterbildung ungerecht verteilt – nach dem Motto: Dem, der hat, dem wird noch gegeben. Dieses Kastensystem muss aufgebrochen werden. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat mit ihrem „Bildungsbonus“ selbst schon vor rund zehn Jahren eine Initiative gestartet, um den Arbeitnehmer/-innen berufliche Weiterbildung zu erleichtern. Der Bildungsbonus ist 100 Euro wert, er wird jeden Sommer allen rund 500.000 Mitgliedern der AK Oberösterreich persönlich zugestellt. Ein Jahr lang gültig kann er in Volkshochschule, WIFI und BFI eingelöst werden. Die Nutzung des Bildungsbonus hat in den Jahren seit seiner Einführung stetig zugenommen. Doch er alleine wird nicht reichen, um Österreichs Arbeitnehmer/-innen fit für die Zukunft zu machen. Wer gut ausgebildete Arbeitskräfte haben will, muss aktiv etwas für deren Aus- und Weiterbildung tun. Wer nicht bereit ist, in seine Mitarbeiter/-innen zu investieren, wird auf lange Sicht nicht erfolgreich sein. Unternehmen dürfen keinen Unterschied mehr zwischen Arbeitern/Arbeiterinnen und Angestellten, zwischen Männern und Frauen oder zwischen Führungskräften und Untergebenen machen.
Führungskräfte - Soziale und fachliche Weiterbildung ist die Regel
Um zu einer Führungskraft zu werden, ist gute Ausbildung oft unerlässlich. Einmal geschafft, bleibt der Bildungsvorsprung bestehen - oder wird sogar noch größer.
Führungskräfte besuchen in gleichem Ausmaß sowohl Kurse zur Weiterbildung in fachlicher Kompetenz als auch zur Verbesserung ihrer sozialen Fähigkeiten. Rund ein Drittel der Befragten aus dieser Gruppe gab an, regelmäßig Angebote zum Ausbau der Fach- als auch der Führungskompetenzen zu nutzen. Weitere 14 Prozent bekommen ausschließlich fachliche Weiterbildung, 11 Prozent ausschließlich Möglichkeiten, die eigenen Führungskompetenzen zu stärken. 42 Prozent erhalten keine regelmäßige Weiterbildung.
Frauen bekommen eher Fachausbildung
Frauen in Führungspositionen sind in ähnlicher Weise wie ihre männlichen Kollegen in fachlicher Weiterbildung engagiert. Bei der Frage nach den Angeboten zur Verbesserung von Führungskompetenzen liegen sie allerdings deutlich hinter den Männern zurück: 41 Prozent der Frauen, aber 47 Prozent der Männer in Führungspositionen haben regelmäßig die Möglichkeit, sich hier neue Anregungen zu holen.
Das Alter spielt nur geringe Rolle
Generell zeigt sich, dass das Alter der Arbeitnehmer/-innen kaum nennenswerte Auswirkung auf die Zufriedenheit mit dem Weiterbildungsangebot hat. Ältere Arbeitnehmer/-innen, egal in welcher Stellung oder Branche, fühlen sich gegenüber ihren jüngeren Kollegen und Kolleginnen nicht benachteiligt.
Anteil der „Sehr“ und „Ziemlich Zufriedenen“ mit Weiterbildungsmöglichkeiten (Durchschnittswerte 2004-2008)

Bildung bringt´s - Unterschiedliche Ausgangspositionen
Wer über schlechte Ausbildung verfügt, hat wenig Chancen auf gute Jobs und durchgehende Beschäftigung. Das belegt die Sonderauswertung des Arbeitsklima Index.
Häufige Phasen von Erwerbslosigkeit sind unter anderem ein Indikator für mangelnde Integration ins Arbeitsleben. Bei Hilfskräften, die nur über Pflichtschulabschluss verfügen, hat mehr als ein Drittel bereits Arbeitslosigkeit erleben müssen. Aber auch eine Lehre schützt nicht. Besonders betroffen sind Facharbeiter/-innen – vier von zehn haben schon Bekanntschaft mit Arbeitslosigkeit gemacht, bei Angestellten sind es hingegen nur knapp drei von zehn. Am besten schneiden Absolventen/-innen von berufsbildenden mittleren Schulen, Maturanten/-innen und Akademiker/-innen ab, "nur" 18 Prozent von ihnen haben bereits Arbeitslosigkeit erlebt. Wer weniger Ausbildung genossen hat, erlebt auch instabilere und kürzere Beschäftigungsverhältnisse:
Häufigere Wechsel
Beschäftigte mit nur Pflichtschulabschluss geben an, bei durchschnittlich vier Dienstgebern beschäftigt gewesen zu sein, Maturantinnen und Maturanten bei durchschnittlich drei.
Mehr Unbefristete
Pflichtschulabsolventen/-innen sind auch häufiger als andere in befristeten Jobs zu finden. Gut abgesicherte Arbeitsplätze zu finden, ist für sie schwieriger. Acht Prozent dieser Gruppe arbeiten mit Befristung, während von den Beschäftigten mit Lehre oder berufsbildender mittlerer Schule nur drei beziehungsweise zwei Prozent in einem befristeten Dienstverhältnis stehen.
Angst vor Jobverlust
Die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse und geringeren Jobchancen spiegeln sich auch in der Bewertung der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes wieder. Während acht von zehn Arbeitnehmer/-innen mit nur Pflichtschule ihren eigenen Arbeitsplatz als sehr oder ziemlich sicher betrachten, bewerten rund neun von zehn der übrigen Arbeitnehmer/-innen ihren Arbeitsplatz als sehr beziehungsweise ziemlich sicher.
zum SeitenanfangGeld reicht nicht - Einkommen bleiben weiter zurück
Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben vom Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre nur wenig profitiert.
Die Zufriedenheit mit dem Einkommen stagniert. Nur rund sechs von zehn Arbeitnehmer/-innen in Österreich waren im Frühjahr 2008 mit ihrem Einkommen „sehr“ oder zumindest „ziemlich“ zufrieden. Das waren deutlich weniger als 2000. Zu diesem Zeitpunkt waren nämlich mit 65 Prozent so viele wie noch nie "sehr" oder "ziemlich" zufrieden. Trotzdem waren es mehr als zu Beginn der Messungen im Jahr 1997. Da waren es nur 56 Prozent. Auffallend ist, dass die Einkommenszufriedenheit der Beschäftigten auch in Phasen der Hochkonjunktur nicht angestiegen ist.
Von Entwicklung der Wirtschaft abgekoppelt
Die Unternehmen haben gut verdient, bei den Arbeitnehmer/-innen ist davon offensichtlich nichts angekommen. Die Konjunkturaussichten für die kommenden Jahre sind nun deutlich weniger erfreulich so dass nun auch jetzt nichts bei den Beschäftigten ankommen wird.
zum SeitenanfangSackgasse Teilzeit
Arbeitnehmer/-innen, die mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden sind, gehen davon aus, dass ihr Arbeitsplatz sehr beziehungsweise ziemlich sicher ist – 92 Prozent sind dieser Meinung. Das ist auch nachzuvollziehen, sie nehmen an, dass ein Unternehmen kaum in die Weiterbildung der Mitarbeiter/-innen investieren wird, wenn man sich möglicherweise von ihnen trennen will. Umgekehrt sind Beschäftigte, die mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten unzufrieden sind, nur zu 76 Prozent überzeugt, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist.
Wer Teilzeit arbeitet, hat weniger Chancen auf Weiterbildung. Teilzeitbeschäftigte Frauen – sie stellen das Gros der Teilzeitbeschäftigten – sind nur zu 58 Prozent mit ihren Chancen zufrieden – ihre Kolleginnen in Vollzeit sind es hingegen zu 66 Prozent. Wer einen befristeten Job hat, ist ebenfalls von Weiterbildung ausgeschlossen. Beschäftigte mit abgeschlossener Lehre sind bei Befristung nur zu 46 Prozent zufrieden, bei den Unbefristeten immerhin 57 Prozent. Ähnlich auch bei höherer Bildung: Befristete Maturantinnen und Maturanten liegen um sieben Prozentpunkte hinter ihren unbefristeten Kolleginnen und Kollegen.
