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| Gibt es (internationale) Erfahrungen zur Privatisierung der Gesundheitsversorgung? |
Ja, und die sprechen eine eindeutige Sprache: Negative Erfahrungen in den USA, Großbritannien, Deutschland oder der Schweiz warnen vor einer (Teil-)Privatisierung von Gesundheitsleistungen, die nur zu einer gesamtwirtschaftlichen Verteuerung und zu schlechterer Versorgung der Bevölkerung führt.
| Beispiel Großbritannien |
| In Großbritannien sieht es mit der aus Steuermitteln finanzierten, für alle kostenlosen Gesundheitsversorgung (National Health Service – NHC) nur auf dem Papier bestens aus. Mit der Gesundheitsreform 1991 sollte der Wettbewerb unter allen Anbiet¬ern gesundheitlicher Versicherungsleistungen gesteigert werden; die Mittel für den staatlichen Gesundheitsdienst wurden eingefroren. Kaputtsparen der Infrastruktur und massive Einschnitte bei Personal und Leistungen haben die Grundversorgung ausgehungert. Private Zusatzversicherungen mit exklusiven Leistungen können sich nur die Gutverdienenden leisten. 40 % der obersten 10 % der reichen Haushalte verfügen über eine solche, bei den 40 % der ärmsten sind es nur 3,7 %. Mehr als eine Million kranker Menschen wartet auf Operationen, oft bis zu 18 Monate lang. Nach Jahren des Sparens muss nun der staatliche Gesundheitsdienst NHC inzwischen Betten in privaten Krankenhäusern zu hohen Preisen anmieten. |
| Beispiel USA |
| Katastrophal ist die Situation in den USA, wo 42 Millionen (!!) Menschen keinerlei Krankenversicherung haben. Sie ver¬dienen gerade genug bzw. sind zu jung, um von staatlich garantierter Mindestversorgung (für Mittellose bzw. für über 65-Jährige) erfasst zu werden. Oder sie sind ohne festen Wohnsitz bzw. arbeitslos. Die großteils privatgeführten, gewinnorientierten Krankenhäuser behandeln nur bei Nachweis einer Krankenversicherung im Ausmaß des jeweiligen Versicherungspaketes. Zur Beschränkung der Bettenkapazität übliche Maßnahmen sind etwa „Drive-in-Amputationen“, nach Abnahme eines kranken Körperteils werden die gerade von der Narkose erwachten PatientInnen nachhause geschickt. Bei lukrativen psychiatrischen Behandlungen hingegen werden PatientInnen gegen ihren Willen im Krankenhaus ohne Kontaktmöglichkeit nach außen solange festgehalten, bis der Versicherungsanspruch voll ausgeschöpft ist. |
| Beispiel Schweiz |
| In der Schweiz besteht ein privates Gesundheitssystem mit Versicherungspflicht. Die zu bezahlenden Prämien (Kopfpauschalen) decken nur Grundleistungen in der Krankenversicherung ab, Leistungen wie Zahnersatz müssen zusätzlich bezahlt bzw. versichert werden. |
| Beispiel Deutschland |
| Auch in Deutschland besteht seit 1996 ein System mit teilweiser Versicherungspflicht - für die besser Verdienenden. Deren Beiträge zur Finanzierung der öffentlichen Gesundheitsversorgung fehlen seither. Ab 1. Jänner 2004 müssen PatientInnen eine Praxisgebühr von 10 € pro Quartal bezahlen. Der erhöhte Kostendruck auf die PatientInnen lässt viele Deutsche seltener zum Arzt gehen und weniger Medikamente kaufen, wie eine Umfrage im April ergab. Betroffen vom folgenschweren Verzicht auf die teurer gemachte medizinische Versorgung sind vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen. |
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